Vortrag: Ingrid Gilcher-Holtey: “Eine Wahrnehmungsrevolution? Die transnationale 68er Bewegung”

Am 07. Februar 2019 fand der feierliche Abschlussvortrag der Reihe “1968 Global – China und die Welt” im Karl Jaspers Zentrum Heidelberg statt. Darum ging es vor allem um die Ereignisse rund um den Monat Mai im Jahr 1968, deren Wirkung sich weit über Frankreich hinaus entfalteten. „‚1968’ ist eine Jahreszahl, in die sich das Imaginäre eingenistet hat“, schrieb Hans Magnus Enzensberger. Was macht das Charisma der Protestbewegung aus, die in fast allen westlichen Industrieländern in diesem Jahr kulminierte? Der Vortrag zeigt die Leitideen,  Mobilisierungsdynamik und langfristige Wirkungsmacht der transnationalen 68er Bewegung, die,  als „Studentenrebellion“ oder „Generationsrevolte“ nicht hinreichend charakterisiert, eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen versuchte.

Ingrid Gilcher-Holtey ist Professorin (em.) für Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld und assoziiertes Mitglied des Centre de Sociologie Européenne (CSE/EHESS-Paris). Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Soziale Bewegungen von der Arbeiterbewegung bis zu den Altermondialisten, Geschichte der Intellektuellen von Voltaire bis Naomi Klein und Studien zum deutschen literarischen Feld im 20. und 21. Jahrhundert. Sie publizierte u.a.: Das Mandat des Intellektuellen. Karl Kautsky und die Sozialdemokratie, Berlin: Siedler 1985, „Die Phantasie an die Macht.“ Mai 1968 in Frankreich, Frankfurt am Main: Suhrkamp 22001,Die 68er Bewegung – Deutschland, Westeuropa, USA,München: Beck 52018, Eingreifendes Denken. Die Wirkungschancen von Intellektuellen, Weilerswist: Velbrück 2007, 1968 – Eine Zeitreise, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, 1968 – A Revolution of Perception? 1968: Consequences and Echoes, New York/Oxford: Berghahn 2015.

Vortrag: Chinesische Medizin (Frau Dr. Andrea-Mercedes Riegel)

Die „traditionelle chinesische Medizin“, die wir heute kennen, ist das Produkt der Kulturrevolution. Die grundlegenden Gedanken jedoch, die Idee, dass der Mensch Mikrokosmos im Makrokosmos ist, die Theorien von Yin und Yang und den fünf Wandlungsphasen, sind nach wie vor prägend für dieses System. Der Vortrag vom 24.01.2019 gab einen Einblick in die Welt der chinesischen Medizin, in das, was sie von der Schulmedizin unterscheidet und was sie mit ihr verbindet.

Im Zuge ihres Studiums der klassischen und modernen Sinologie kam Frau Dr. Andrea-Mercedes Riegel bereits 1989 nach Taiwan, wo sie die private „Akademie für die Erforschung der chinesischen Medizin“ in Taibei besuchte und erfolgreich abschloss. Nach einem anschließenden klinischen Praktikum kehrte sie nach München zurück und wurde 1999 zum Dr. phil. promoviert, wofür sie sich eingehend mit der Lektüre und Analyse der klassischen Originaltexte aus den verschiedenen Epochen der chinesischen Medizingeschichte befasst hatte.
Im selben Jahr eröffnete sie ihre eigene Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Oftersheim (bei Heidelberg). Nach einer weiteren Promotion zum Dr. rer. medic 2010 war sie von 2011bis 2015 als Ehrenmitglied im Vorstand der World Federation of Chinese Medicine Societies tätig. Forschungsreisen führen sie auch heute noch regelmäßig nach Asien.
In ihrer Freizeit ist Frau Dr. Andrea-Mercedes Riegel Kampfrichterin für den Kampfsport Taekwondo, den sie seit vielen Jahren selbst ausübt.

Vortrag (Prof. Liu Liqun von der Beijing Foreign Studies University): “Philosophie als leitende Wissenschaft: Interkulturalität, Interdisziplinalität, Interlingualität”

Am 23. Januar fand im Karl Jaspers Centre den Vortrag “Philosophie als leitende Wissenschaft: Interkulturalität, Interdisziplinalität, Interlingualität” statt.

In seinem Buch “Sein, Zeichen und Erkenntnis: Ein neuer Ansatz zum Kern der Philosophie“ hat Prof. LIU Liqun nach 40jähriger Forschung eine neue philosophische Konzeption mit einer Vier-Welten-Ontologie (Gegenstands-, Zeichen-, Definitionsinhalts- und Einbildungskraftwelt) entworfen und eine Reihe neuer Ansichten aufgestellt, um die Philosophie mittels der Monosemierung der philosophischen Termini zu verwissenschaftlichen. Nur eine solch gestaltete Philosophie sei laut ihm in der Lage, gründlich auf interkulturelle, interdisziplinäre und interlinguale Weise als leitende Wissenschaft zu fungieren. Dieses neue Konzept wird er nun im Zuge seines Vortrages dem Publikum vorstellen.

Prof. LIU Liqun ist Professor für Philosophie an der Beijing Foreign Studies University in Peking, China.

 

Vortrag: Susanne Weigelin-Schwiedrzik (Wien): “Chinas 1968: Die Kulturrevolution in der Erinnerung”

Die Kulturrevolution (1966-1976) hat vagen Schätzungen zu Folge fast 2 Millionen Menschen das Leben gekostet, weit mehr wurden Opfer politischer Verfolgung. Seit den achtziger Jahren ist die öffentliche Diskussion über diesen Bürgerkrieg in China tabuisiert. Das Ereignis scheint vergessen. Und dennoch: Der Bürgerkrieg geht in den Köpfen der Menschen weiter. Opfer und Täter begegnen sich mit Unverständnis und stehen sich oft unversöhnlich gegenüber. Immer wieder bricht die Angst hervor, China könnte noch einmal in eine Phase der gewalttätigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung gehen. Die Geschichte der Kulturrevolution ist noch nicht geschrieben. Um sie wird nach wie vor gerungen. So sieht Vergangenheitsbewältigung ohne Versöhnung aus.

Nach dem Studium der Sinologie, Japanologie und der Politischen Wissenschaften (1973-1978) in Bonn, Peking und Bochum promovierte Frau Susanne Weigelin-Schwiedrzik im Fach Geschichte Chinas an der Ruhr-Universität Bochum 1982, wo sie 1989 auch habilitierte. Von 1989-2002 war sie Ordinaria für Moderne Sinologie an der Universität Heidelberg, wo sie ebenfalls die Stelle der Pro-Rektorin für Internationales von 1999-2001 innehatte. Seit 2002 ist sie Professorin für Sinologie an der Universität Wien, seit 2011 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2011-2015 war sie zudem Vize-Rektorin für Forschung und Nachwuchsförderung an der Universität Wien.
Forschungsaufenthalte führten sie an die Peking University (1980), University of California, Berkeley (1984-1985), Tsinghua University, Peking (1987), Kyoto University (1992), Hong Kong University of Science and Technology (1987), University of California, Berkeley (1999), Brandeis University (2005), Chinese Academy of Social Sciences (2014) und an die Chinese University of Hong Kong (2018).
Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören: Geschichte und Geschichtsschreibung im China des 20.Jahrhunderts, Geschichte Ostasiens im 19. und 20. Jahrhundert, Geschichte der VR China, Politik und Erinnerung an die Große Hungersnot (1959-1961) und die Kulturrevolution (1966-1976), und Sozialpolitik und Umweltpolitik in der VR China.

Langer Filmabend im Karlstorkino: “Video Vertov” und “The Dreamers”

Hommage an Bernardo Bertolucci, der im November 2018 im Alter von 77 Jahren verstarb.
(mit einer Einführung von Frau Prof. Dr. Barbara Mittler)

18.00 Uhr Video Vertov – Ein Leben zwischen Liebe und Revolution

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Videopioniers Gerd Conradt: Liebe und Revolution, Rote Fahne und Meditation – Expeditionen in ferne Länder. Für seinen Enkelsohn breitet Gerd Conradt seine Film- und Videoschätze auf der großen Leinwand aus und hinterlässt ein „elektronisches“ Testament seiner 50-jährigen Schaffenszeit als Filmkünstler. Ein Leben zwischen Anpassung und Provokation. Ein Leben auf der Suche nach Erkenntnis.


20.00 Uhr The Dreamers, Bernardo Bertolucci (2005) 115 min

Der junge Amerikaner Matthew und das französische Geschwisterpaar Theo und Isabelle treffen sich im Frühjahr 1968 bei einer Protestaktion gegen die Entlassung des Leiters der Cinemathèque, Henri Langlois. In der großbürgerlichen Wohnung der Eltern der Zwillinge schließt sich das cinephile Trio von der Außenwelt ab, lebt bedingungslos den eigenen Traum aus…. Brillant wagte Altmeister Bertolucci eine quasi inzestuöse und psychoanalytische Interpretation der Ereignisse um den Pariser Mai 1968, in dem das nicht-kommerzielle Kino und die Liebe als solche eine zentrale Rolle spielen.

China im Film und in der Musik

Am Samstag, den 12. Januar und am Sonntag, den 13. Januar 2019 fand ein Filmabend im Institut für Sinologie statt.

Folgende Filme wurden gezeigt:

  • 青春祭 Qīngchūn | Sacrificed Youth | Zhang Nuanxin (1986) 92 min
  • 阳光灿烂的日子 Yángguāng cànlàn de rìzi | In the Heat of the Sun | Jiang Wen (1994) 140 min
  • 红色娘子军 Hóngsè niángzǐjūn | Das rote Frauenbataillon (1970) 105 min
  • Nixon in China | John Adams ca. 180 min
  • Orchestral Theatre III: Red Forecast | Tan Dun | 45 min

 

Film: Huo Zhe – Leben!

Am Samstag, den 12. Januar 2019 wurde im Karlstorkino der Film “Huo Zhe – Leben!” gezeigt.

Nach der Vorlage von Yu Hua schuf Zhang Yimou ein aufwendig inszeniertes, auch ohne Scheu am populären Kino orientiertes, zudem mit starken Gefühlen durchwirktes Familiendrama der chinesischen Unterschicht. Diese Familie konfrontiert er mit dem Verlauf der Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. Im Zentrum steht dabei die Vorstellung, dass bei allen Katastrophen dieser Welt, sei es der Krieg, sei es die Armut, die Liebe untereinander und das Mitgefühl nicht völlig zerstört werden können. Einer der ganz typischen chinesischen Filme aus den frühen 90ern, natürlich mit der weltberühmten Gong Li in der Hauptrolle.

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Centrum für Asienwissenschaften und transkulturelle Studien, dem Völkerkundemuseum und dem Karlstorkino.

Film: Ba Wang Bie Ji – Lebewohl, meine Konkubine

Am Samstag, den 12. Januar 2019 fand der Filmabend im Karlstorkino statt.

China 1993 | Regie: Chen Kaige | 171 min. | mit Leslie Cheung, Zhang Fengyi, Gong Li | chinesisches Original mit englischen Untertiteln | FSK 12

Der Kaiser und seine Konkubine als Grundfigur: Chen Kaiges opulentes und komplexes Werk gilt als Musterbeispiel chinesischer Kulturvermittlung dem Westen gegenüber. Im Zentrum der Handlung stehen zwei Waisenkinder, die in den 20er Jahren Schauspieler an der Pekingoper werden möchten. Ihr Lehrer ist sehr hart zu ihnen, aber die Oper wird zu ihrem Lebensinhalt. Draußen dagegen tobt die Welt, die Besetzung ihres Landes durch die Japaner, die Befreiung durch den Kommunismus und die späteren Probleme, die die Kulturrevolution mit sich bringt. Der vielfach preisgekrönte Film erhielt 1993 u.a. die Goldene Palme von Cannes.


Einführung: Prof. Dr. Barbara Mittler

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Centrum für Asienwissenschaften und transkulturelle Studien, dem Völkerkundemuseum und dem Karlstorkino

Prüfung zur Erlangung des “Internationalen Zertifikats für Chinesischlehrer” (国际汉语教师证书) 12.01.2019

Am 12.01.2019 fand die mündliche Prüfung zur Erlangung des “Internationalen Zertifikats für Chinesischlehrer” statt.

Die Prüfung zur Erlangung des “Internationalen Zertifikats für Chinesischlehrer” ist eine standardisierte Prüfung, organisiert durch die Zentrale der Konfuzius-Institute / Hanban (Office of Chinese Language Council International). Gemäß den „Internationalen Standards für Chinesischlehrer“ dient diese Prüfung zur Feststellung folgender fünf grundlegenden Kompetenzen: Grundkenntnisse über Chinesischunterricht, Methoden des Chinesischunterrichts, Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung, chinesische Kultur und interkulturelle Kommunikation, Berufsethik und fachliche Weiterbildung. Es gilt zu bewerten, ob der Prüfungskandidat über die Fähigkeit verfügt, als Lehrer des Fachs Chinesisch als Fremdsprache zu arbeiten. Die Prüfung zur Erlangung des “Internationalen Zertifikats für Chinesischlehrer” ist vor allem für Lehrende und Freiwillige gedacht, die in den Konfuzius-Instituten (Konfuzius-Klassenzimmer / Confucius Classrooms) im Ausland in der Vermittlung der chinesischen Sprache tätig sind. Gleichzeitig richtet sich die Prüfung an weitere Interessierte verschiedener Arten, die sich der Lehre des Chinesischen als Fremdsprache widmen möchten, einschließlich Lehrkräfte diverser Bildungseinrichtungen im In- und Ausland sowie Lernende relevanter Fächer. Die Prüfung umfasst einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.

Das offiziell von chinesischer Seite ausgestellte „Internationale Zertifikat für Chinesischlehrer“ bestätigt die Fähigkeit, Chinesisch als Fremdsprache in einem professionellen Rahmen zu unterrichten. Das Zertifikat gilt zudem als bevorzugte und/oder obligatorische Qualifikation bei der Auswahl derjenigen Sprachlehrer und Volontäre, die vom Hanban an die 500 Konfuzius-Institute bzw. 1.000 Konfuzius-Klassenzimmer weltweit entsendet werden.

Prüfungsort: 海德堡大学孔子学院 Konfuzius-Institut Heidelberg, Speyerer Straße 6, 69115 Heidelberg

Chinesisches Neujahrsfest Heidelberg 2019