Übersetzt aus der Zukunft III: Im Nebel kann man nur vorwärts und rückwärts fahren. Wie übersetzt man Zeitschleifen und Grammatiken des Möglichen?

Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur

Stellen wir uns vor, wir könnten im Kryoschlaf Jahrzehnte überbrücken, bis unheilbare Krankheiten besiegt sind. Doch wie fühlt es sich an, in einer Welt zu erwachen, in der unsere Freunde und Verwandte nicht mehr leben? Und wie sieht eine Welt aus, in der eine Pandemie dazu geführt hat, dass dort nur noch Kinder leben?

Am dritten Abend des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« geht es um die Frage, wie sich Gefühle übersetzen lassen, die man selbst (noch) nicht kennt. Milena Adam übersetzte aus dem Englischen und dem Französischen und brachte unter anderem in »Ice Cream Star« von Sandra Newman und in »Die Horde im Gegenwind« von Alain Damasio Zukunftsszenarien ins Deutsche.

Im Gespräch mit Buchhändler Wolfgang Tress und der chinesischen Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Xia Jia widmen wir uns Herausforderungen, die beim Übersetzen von neuen Slangs und unbekannten Zeit- und Körpererfahrungen in Literatur entstehen – und wie die Überlegungen weitergehen, wenn diese Literatur dann in weitere Sprachen übertragen werden. Wie lange stochert man dabei im Dunkeln – oder übersetzt man gar gegen den Sturm, der sich auch im Inhalt widerspiegelt?

Milena Adam, Wolfgang Tress, Spezialist für Science-Fiction, Fantasy und Horror, und Xia Jia, die an der Xi’an Jiaotong University zu Science-Fiction als Genre forscht, werden den Nebel im Gespräch für uns lichten.

 

Biographien

Foto ©: Wang Jianhua

Xia Jia 夏笳 schreibt Science-Fiction, setzt sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinander und übersetzt. Sie lehrt als Professorin an der Jiaotong University in Xi’an chinesische Literatur. Ihr Stil wird als ›Porridge Science Fiction‹ bezeichnet, da ihre Geschichten mit zahl­reichen für das Genre untypischen Elementen gespickt sind, zum Beispiel Referenzen auf Mythen. Ihre Kurzgeschichten In den Wolken, Nachtstreifzug des Drachenpferds und Tongtongs Sommer wurden in Kapsel-Publikationen veröffentlicht.

Felix Meyer zu Venne ist Sinologe, Übersetzer und Chinesischlehrer. Seit 2018 gehört er der Redaktion der Science Fiction-Zeitschrift »Kapsel« an; seit 2021 ist er Mitherausgeber der Zeitschrift. Er hat u. a. Werke von Jia Pingwa, Xia Jia, Jiang Bo, Baoshu, Regina Kanyu Wang und Chi Hui ins Deutsche übersetzt.

Milena Adam, Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen und Dolmetscherin.

Wolfgang Tress, Buchhändler

 

Die Veranstaltung ist Teil III des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« – initiiert von Lukas Dubro, Tim Holland und Sarah Käsmayr, in Kooperation mit dem Kapsel Magazin und dem Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.

Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.

Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.

 

Gefördert von:

 

 

Kooperationspartner:

 

 

 

 

 

 

Theateraufführung BABYLOL – Babylonische Sprachverwirrung nach einer Kurzgeschichte von von Xia Jia

BABYLOL – Babylonische Sprachverwirrung — nach einer Kurzgeschichte von von Xia Jia

Im Anschluss an die Performance findet eine Podiumsdiskussion zum Stück BABYLOL mit Prof. René Harder, Xia Jia und Studierenden der Alanus Hochschule statt.

Das Theaterstück BABYLOL erzählt von Anni, einer jungen Frau, deren beste Freundin Lia an einem unheilbaren Virus erkrankt und infolgedessen jegliche sprachlichen Fähigkeiten verliert. Das sogenannte Babel-Syndrom zerstört die Kommunikationszentren in Lias Gehirn und lässt sie eine Sprache entwickeln, die nur sie selbst versteht. Um den Austausch mit der besten Freundin beraubt, gerät Anni in eine sich immer weiter verschärfende Krise, in der sie sich mit ihrer Einsamkeit und Abhängigkeit auseinandersetzen muss. Wie können die Freundinnen trotz des Sprachverlusts miteinander kommunizieren? Finden sie neue Wege zueinander?

Ablauf

19:00 Uhr  Einführung in das Werk Xia Jias durch Dr. Petra Thiel (Direktorin des Konfuzius-Instituts an der Universität Heidelberg)

19:20 Uhr Preisverleihung des deutsch-chinesischen Übersetzungswettbewerbs nach einem Text von Xia Jia

19:30 Uhr Performance „BABYLOL – Babylonische Sprachverwirrung“ nach einer Kurzgeschichte von Xia Jia

Über Xia Jia 

Die Schriftstellerin Xia Jia (*1984) zählt zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen chinesischen Science-Fiction und Fantasy. Nach ihrer Promotion in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Peking University im Jahr 2014 lehrt sie heute chinesische Literatur an der Xi’an Jiaotong University. Für ihre Kurzgeschichten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit acht Galaxy Awards; ihre Werke erscheinen regelmäßig in renommierten internationalen und chinesischen Magazinen und wurden in zahlreiche Sprachen, darunter auch Deutsch, übersetzt.

In ihren Erzählungen verbindet sie wissenschaftliche Neugier mit poetischer Imagination und einem feinen Blick für zwischenmenschliche Beziehungen. Ihre Geschichten zeigen nicht selten Zukunftswelten, in denen technologische Entwicklungen mit Fragen nach Erinnerung, Identität und Fürsorge verknüpft sind. Statt dystopischer Zuspitzungen stehen häufig Empathie, kulturelle Traditionen und die leisen Veränderungen des Alltags im Mittelpunkt.

In Kooperation mit Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft und dem Konfuzius-Institut Bonn.

Abschied von Gestern: Das Tagelied und die Gegenwartslyrik

Zwei Liebende wachen nach einer gemeinsam verbrachten Nacht auf – und müssen sich trennen. Diese Situation beschreibt und diskutiert das Tagelied, die berühmteste Untergattung der mittelalterlichen Liebeslyrik. 2020 startete die UNESCO City of Literature Heidelberg das Langzeit-Projekt „Abschied von Gestern“ mit Schreibenden aus der UNESCO City of Literature Melbourne, die der Einladung gefolgt waren, eigene neue Versionen des Tagelieds zu verfassen. Weiter ging es 2021 mit sieben in Deutschland lebenden Dichter:innen, 2022 stellten Dichter:innen aus der UNESCO-Literaturstadt Granada ihre jeweiligen Aktualisierungen des Tagelieds vor, 2024 war die UNESCO-Literaturstadt Leeuwarden zu Gast. Dieses Jahr präsentieren Lyriker:innen aus der UNESCO City of Literature Nanjing ihre auf Chinesisch verfassten Adaptionen des Tagelieds in Lesung und Gespräch mit Kurator Tristan Marquardt und dem Übersetzer-Team Lea Schneider und Dong Li. Gedichte von: Hanjing, Hu Xian, Liu Ligan, Sun Dong und Zou Shengnian. 

Tristan Marquardt, Lyriker, Mediävist und Mitherausgeber der Anthologie „Unmögliche Liebe“ (2017), in der u. a. zahlreiche mittelalterliche Tagelieder neu übersetzt wurden.

Eine Kooperationsveranstaltung der Kulturverwaltungen der UNESCO Cities of Literature Nanjing und Heidelberg, des Literaturherbst Heidelberg und des Konfuzius–Instituts an der Universität Heidelberg. 

Die am Tagelied-Projekt beteiligten Lyriker:innen sind:

Sun Dong (female), born in 1969, is a poet, translator, and professor at Nanjing University of Finance and Economics. She has published the poetry collections The Cruel Crow(《残酷的乌鸦》, 2010, Nanjing University Press), Broken Crow(《破乌鸦》, 2017, Phoenix Jiangsu Literature & Art Publishing House)and Writing Animals(《书写动物》, 2023, Phoenix Jiangsu Literature & Art Publishing House).

Her poetry, essays, and criticism have appeared in numerous literary and academic journals and anthologies in China and abroad. She has received the Yangtze River Poetics Award, the Southern Poetry Award (Poet Award), among others. Her latest translation, The Buried Child: Selected Plays of Sam Shepard(《被埋葬的孩子:山姆·谢泼德戏剧选集》)was published by Nanjing University Press in August 2024.

孙冬,女,生于1969年,诗人,译者,南京财经大学教授。出版诗集 《残酷的乌鸦》(2010年南京大学出版社)《破乌鸦》(2017年凤凰江苏文艺出版社)和《书写动物》(2023年凤凰江苏文艺出版社);曾获得扬子江诗学奖、南方诗歌奖诗人奖等多种奖项。散文、评论和诗歌散见国内外学术、文学期刊和诗歌合集。最新的一部译著《被埋葬的孩子:山姆·谢泼德戏剧选集》于2024年8月由南京大学出版社出版。

Hu Xian, born in 1966 and based in Nanjing, has published the poetry collections The Hourglass(《沙漏》), Beyond the Tune(《定风波》)and the essay collection The Man Who Can Never Return Home(《永远无法返乡的人》).

His works have been honored with numerous awards, including annual poetry prizes from Poetry, Stars, October, and Zhongshan magazines, the Wen Yiduo Poetry Award, the Xu Zhimo Poetry Award, the Rou Gang Poetry Award, the Tencent Academy Literature Award, the Huadi Literary Award (Poet of the Year), the October Literature Award, and the Lu Xun Literature Prize.

生于1966年,出版诗集《沙漏》《定风波》、散文集《永远无法返乡的人》等。诗作曾获《诗刊》《星星》《十月》《钟山》等杂志年度诗歌奖、闻一多诗歌奖、徐志摩诗歌奖、柔刚诗歌奖、腾讯书院文学奖、花地文学榜年度诗人奖、十月文学奖、鲁迅文学奖等。现居南京。

Liu Ligan, born in 1967 in Suzhou, Jiangsu, graduated from Nanjing University in 1989. He has published the poetry collections Flying Low(《低飞》)and Dust Museum(《尘埃博物馆》)and the short story collection Every Night and Every Morning(《每个夜晚,每天早晨》).

1967年生于江苏苏州,1989年毕业于南京大学中文系。出版有诗集《低飞》《尘埃博物馆》,短篇小说集《每个夜晚,每天早晨》。

Han Qing (real name Zhao Hanqing), born in 1991 in Nanjing, is a university lecturer. His works have appeared in Poetry and other major literary journals, and were included in the China Poetry Society’s annual anthology The Carriage Beyond Time(《时间之外的马车》, 2021).

He has been recognized as one of the Top Ten Young Poets of Jiangsu, and received the Jinling Literary Award, Youth Literature Award, and others. He currently lives in Nanjing.

汗青,本名赵汗青,1991年生,江苏南京人,高校教师。作品散见于《诗刊》等文学刊物,入选2021中国诗歌学会年度诗选《时间之外的马车》。曾获江苏十佳青年诗人称号,金陵文学奖、青春文学奖等文学奖项。现居南京.

Zou Shengnian, born in 1988 in Nanjing, is a member of the China Writers’ Association. His poetry has appeared in People’s Literature, Poetry, October, Zhongshan, and other major journals.

He participated in the 40th Youth Poetry Seminar organized by Poetry magazine. His awards include the Chen Zi’ang Young Poet of the Year Award (Poetry magazine), the Yangtze River Annual Youth Poet Award, the Zijin Mountain Literary Award, and the Li Bai Poetry Award (Emerging Poet Award). His poetry collection Catching the Sacred Bird(《捕捉神鸟》)was selected among the “Top Ten Poetry Collections of 2024” by Chinese Poetry Network.

邹胜念  江苏南京人,中国作协会员。1988年生于南京,作品见于《人民文学》《诗刊》《十月》《钟山》等。参加《诗刊》社第40届青春诗会。曾获《诗刊》陈子昂诗歌奖年度青年诗人奖、扬子江年度青年诗人奖、紫金山文学奖、李白诗歌奖新锐奖等。诗集《捕捉神鸟》入选“中国诗歌网2024年度十佳诗集”。

Ephemeral Time: A Conversation with Chinese Science Fiction Author Xia Jia on Moments of Transformation in Contemporary Chinese Science Fiction

Contemporary Chinese science fiction offers a rich and polyphonic panorama of transformative moments in a future that, in many ways, seems already to be unfolding in our present. These narratives explore questions of control over emerging technologies, of human autonomy within systems that shape ourexistence, of how interpersonal relationships can be reimagined in an increasingly fragmented world, and of whether language and time can still serve as reliable structures and stable carriers of meaning.

Writers such as Xia Jia imagine literary futures that seek answers, open up new possibilities for insight, and envision alternative ways of being and living together. In conversation with the translator and editor Lukas Dubro and publisher Sarah Käsmayr, Xia Jia will discuss speculative visions of the future that unfold along a narrow ridge between fascination and unease. These scenarios present natural phenomena and technological developments as deeply ambivalent forces: as mirrors of human longing, as projections of our fears, or as autonomous agents with unpredictable consequences. At the heart of the event is the new anthology Flüchtige Zeit (“Ephemeral Time”), which brings together a wide range of literary visions of the future that continually renegotiate the relationship between humanity, the environment, and technology.

 

Guests:

Foto ©: Wang Jianhua

Xia Jia 夏笳 writes science fiction, researches the genre academically, and works as a translator. She is a professor of Chinese literature at Xi’an Jiaotong University. Her distinctive style has been described as “Porridge Science Fiction,” as her stories combine the conventions of science fiction with a wide range of elements not typically associated with the genre, including references to mythology. Her short stories In the Clouds, Night Journey of the Dragon Horse, and Tongtong’s Summer have been published in Kapsel publications.

Foto ©: Lin Nowicki

Sarah Käsmayr is a Book designer, editor, and publisher at the Augsburg-based MaroVerlag

Foto ©: Yanina Isla

Lukas Dubro is a journalist and literary scholar. He studied Applied Literary Studies at Freie Universität Berlin. In 2017, he founded the literary magazine Kapsel. Since 2018, he has worked as a freelance contributor for the German Press Agency (dpa), and since 2021, for the RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Petra Thiel studied Modern Chinese Studies, Romance Languages, and Religious Studies in Heidelberg and Shanghai. Her doctoral research explored the Chinese coming-of-age novel within broader global literary contexts. Since 2012, she has served as Director of the Confucius Institute at Heidelberg University, fostering intercultural dialogue and promoting academic and cultural exchange between Heidelberg and China.

 

Kooperationspartner:

 

 

 

 

 

 

Ausstellungseröffnung: „49 Entwürfe aus der Zukunft” der Illustrationsgruppe an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle

Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur

Im Saalbau des Betriebswerks Heidelberg sind im Oktober 49 Bilder zu sehen, die uns eine mögliche Welt von morgen zeigen. Angefertigt wurden diese von der Studiengruppe Illustration von Prof. Georg Barber (ATAK) und Markus Färber an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zu der Anthologie »Flüchtige Zeit« (2026, MaroVerlag). Das Buch versammelt acht prägende Stimmen der chinesischen Science-Fiction, darunter auch den Hugo-Award-Gewinner Liu Cixin.

Zu sehen sind die Arbeiten von: Josephine Baridon, Nora Blümel, Leonie Bogun, Milena Breiter, Bettina Serpa Chernicoski, Nora Dorgathen, Marie Bo Ehrentraut, Meiling Fan, Lisa Hansemann, Polly Härle, Paula Janser, Jakub Klimeš, Ana Lutzenberger, Larissa Martins Gerich, Camilla Mücksch, Nabberduk, Charlotte Ramsbrock, Pauline Saul, Sophie Schantl, Maite-Elisabeth Schönherr, Clara Vastano, Charlotte Winkler, Miriam Wiskemann

Die Ausstellung wird vom 12.10. bis zum 30.10. montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr zu sehen sein.

Das Buch

Miniklone helfen dabei, in kürzester Zeit die Liebe des Lebens zu finden. Eine tote Katze nimmt Kontakt zu ihrer ehemaligen Besitzerin auf. Riesige Seifenblasen lassen es in der Wüste regnen und jahrelanger Kälteschlaf schafft Heilsversprechen bei bislang tödlichen Krankheiten. Algorithmen bringen Sprachbarrieren zum Verschwinden – oder entscheiden darüber, wer bei einer Katastrophe evakuiert wird und wer nicht.

Die acht Kurzgeschichten der Anthologie beleuchten das Verhältnis zwischen Mensch, Umwelt und Technik. Übersetzt von Karin Betz und Marc Hermann sowie den Kapsel-Machern Lukas Dubro, Felix Meyer zu Venne, Chong Shen und Konrad B. Winkler.

»Flüchtige Zeit«

304 Seiten, Broschur, MaroVerlag

Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.

Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.

Kooperationspartner:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übersetzt aus der Zukunft II: Aliens, Hologramme, Tote und Menschen. Wie übersetzt man anwesende und abwesende Körper?

Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur

Hologramme bestimmen unser Leben, künstliche Doppelgänger vertreten uns beim Geburtstagsfest, damit wir uns die Sterne anschauen können und ein Reality-TV-Star verwandelt sich in einen Gott. Doch wie verleiht man fantastischen Körpern Gestalt, wenn sie die Sprache wechseln, und welche Möglichkeiten gibt es, Unbekanntes und visuell in unserer Welt noch nicht Wahrnehmbares in Bildwelten zu überführen?

Xia Jia ist eine der aufregendsten Stimmen der jungen Science-Fiction-Generation Chinas. In ihren Texten tauchen Körper in unterschiedlichsten Formen auf. Marc Hermann gab schon vielen chinesischen Science-Fiction-Autoren eine Stimme, darunter Liu Cixin, Chen Qiufan, Wang Jinkang und auch Xia Jia. Auf der Bühne geben der Übersetzer und die Autorin Einblicke in den Übersetzungsprozess.

Die Klasse von ATAK und Markus Färber an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle ließ sich von Szenarien und Zukunftsvisionen acht verschiedener chinesischer Kurzgeschichten inspirieren. Die Studierenden interpretierten die Stimmungen, Sehnsüchte, Ängste und Vorstellungen aus den Geschichten und übersetzten sie schließlich in zweifarbige Zeichnungen. Welche Herausforderungen die Übersetzung von einer Sprache in die andere und von Wort zu Bild bedeuten, wird im Gespräch mit Camilla Mücksch und Miriam Wiskemann beleuchtet.

Die Veranstaltung ist Teil II des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« – initiiert von Lukas Dubro, Tim Holland und Sarah Käsmayr, in Kooperation mit dem Kapsel Magazin und dem Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.

Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.

Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.

Wir danken Wortreich Heidelberg für die Bereitstellung des Büchertischs!

Biographien

Foto ©: Wang Jianhua

Xia Jia 夏笳 schreibt Science-Fiction, setzt sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinander und übersetzt. Sie lehrt als Professorin an der Jiaotong University in Xi’an chinesische Literatur. Ihr Stil wird als ›Porridge Science Fiction‹ bezeichnet, da ihre Geschichten mit zahl­reichen für das Genre untypischen Elementen gespickt sind, zum Beispiel Referenzen auf Mythen. Ihre Kurzgeschichten In den Wolken, Nachtstreifzug des Drachenpferds und Tongtongs Sommer wurden in Kapsel-Publikationen veröffentlicht.

Foto ©: Mark Herrmann

Marc Hermann studierte Sinologie und promovierte über Ideologie und Moralkritik im Werk von Zhang Ailing. Heute lebt er als Übersetzer aus dem Chinesischen und Dozent in Bonn. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen Yan Lianke und Liu Cixin. An der Universität Bonn leitet er Seminare zu moderner und zeitgenössischer chinesischer Literatur und Übersetzung.

Foto ©: Yanina Isla

Lukas Dubro ist Journalist und Literaturwissenschaftler. Er studierte Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2017 initiierte er die Zeitschrift Kapsel. Seit 2018 arbeitet er als freier Mitarbeiter bei der Deutschen Presse-Agentur, seit 2021 beim Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Foto©: Miriam Wiskemann

Miriam Wiskemann ist eine deutsche Illustratorin. Nach Stationen in Leipzig, Stockholm und Berlin studiert sie seit 2021 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, seit 2023 im Schwerpunkt Illustration bei Georg Barber / ATAK. In ihrer Technik ist sie oft multimedial unterwegs, wobei ihr die Arbeit mit Scherenschnitt, Aquarell und Gouache am meisten Freude bereitet. Zusammen mit befreundeten Illustrator*innen stellte sie bei verschiedenen nationalen und internationalen Comicfestivals aus und nahm zuletzt bei einer Artist Residency in Fengersfors, Schweden teil. Auch im Schwerpunkt Grafik- und Posterdesign arbeitet sie, und konnte ihre Werke schon bei der Shanghai Graphic Design Biennale (2025) und bei der International Poster Exhibition (2024) in Glasgow, Schottland präsentieren.

 

Foto©: Camilla Mücksch

Camilla Mücksch ist Illustratorin, aufgewachsen im Ruhrgebiet und seit 2021 studiert sie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle (Saale). Ihre Arbeiten sind häufig geprägt von einer Vorliebe für schräge Charaktere, der Komik im Alltag und dem Ausreizen ihrer (großen) Materialsammlung im Arbeitsprozess. Der Begriff der Illustration wird in ihren Arbeiten weit gefasst — so arbeitet sie neben dem Zeichnen von Comics oder Bilderbüchern beispielsweise häufig auch mit unterschiedlichsten Textilien, der Punchneedle, oder baut Figuren, die aus ihren Geschichten entstammen.

 

 

 

 

 

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Übersetzt aus der Zukunft I: Wenn der Nacktmull spricht. Wie übersetzt man mehr-als-menschliche Erzähler*innen?

Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur

 

Ein Nacktmullweibchen kommt nach Brüssel, um den Menschen das Ruder aus der Hand zu nehmen, denn dieses kluge Tier hat längst verstanden, wer dem Planeten schadet. Doch wie lassen sich die ungewöhnlichen Sinne einer tierischen Erzählerin ins Deutsche übertragen? Wie gefühlig darf man eine KI sprechen lassen? Und welche Bilder bewahren das Fremde einer Stimme, die nicht menschlich ist?

Zum Auftakt des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« versammelt der Abend drei Übersetzer:innen, die dem Nicht-Menschlichen eine Sprache geben. In Lesung und Gespräch wird spürbar, was Übersetzen mit dem »Noch-Nicht« zu tun hat: das Ringen um Bilder für das, was die Welt ist und was sie sein könnte.

Lisa Mensing berichtet aus ihrer Übersetzung von Tijl Nuyts’ Roman »Erdarbeiten«, in dem ein Nacktmullweibchen das europäische Verwaltungszentrum aufmischt. Karen Nölle übersetzt seit Jahren die legendäre Science Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin und leiht dabei ganz unterschiedlichen Lebewesen ihre Stimme. Und der Sinologe Felix Meyer zu Venne, der schon Ratten, KI und Drachenpferde übertragen hat, reist regelmäßig nach China und gibt einen Einblick in das nicht-menschliche Erzählen chinesischer Science Fiction. Die Moderation übernimmt Tim Holland.

 

Biographien

Lisa Mensing, 1989 geboren, arbeitet als Übersetzerin aus dem Niederländischen und moderiert Lesungen. Sie hat u. a. Gaea Schoeters, Hanna Bervoets, Frank Martinus Arion und Christien Brinkgreve ins Deutsche übertragen. Sie lebt in Münster.

Felix Meyer zu Venne ist Sinologe, Übersetzer und Chinesischlehrer. Seit 2018 gehört er der Redaktion der Science Fiction-Zeitschrift »Kapsel« an; seit 2021 ist er Mitherausgeber der Zeitschrift. Er hat u. a. Werke von Jia Pingwa, Xia Jia, Jiang Bo, Baoshu, Regina Kanyu Wang und Chi Hui ins Deutsche übersetzt.

Karen Nölle lebt als Literaturübersetzerin, Lektorin und Autorin in der holsteinischen Schweiz. Sie übersetzt aus dem Englischen, fast nur Belletristik, fast immer von Autorinnen, zurzeit meistens Annie Dillard und Ursula K. Le Guin, von der im Herbst 2025 zuletzt der Band »Der Tag vor der Revolution« mit 26 Erzählungen erschienen ist.

Tim Holland lebt als Autor, Literaturvermittler und Co-Verleger von hochroth München in Berlin. Zuletzt erschien das Langgedicht »wir zaudern, wir brennen« (Matthes & Seitz, 2022), das auch als kinetische Installation umgesetzt wurde. Wichtiger Teil seiner künstlerischen Praxis ist die Vermittlung von Literatur.

 

Die Veranstaltung ist Teil I des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« – initiiert von Lukas Dubro, Tim Holland und Sarah Käsmayr, in Kooperation mit dem Kapsel Magazin und dem Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.

Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.

Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.

 

Gefördert von:

 

 

Kooperationspartner:

 

 

 

 

 

 

The Space of Negotiation: My Art across Borders

At one glance:

Start: MON., 2026, July 6th, 6:00 PM

Venue: CATS Auditorium (Map)

Speaker: XIAO Lu

Event language: English

Xiao Lu is a pioneering figure in contemporary Chinese art and one of the earliest artists associated with Chinese feminist practice. Long before she consciously embraced feminism, her body had already become a site of artistic and social intervention. Throughout her career, she has remained committed to translating lived experience into art. In this lecture, she reflects on the changing space available for artistic practice in China and internationally, discussing the opportunities, constraints, and negotiations that have shaped her work across different cultural and institutional contexts.

In cooperation with the Institute for East Asian History at Heidelberg University

 

Lin Hierse: Das Verschwinden der Welt

„Alles wird sich ändern, mein Kind, nichts bleibt.“

Foto: © Linda Rosa Saal / Piper Verlag

Das große Haus am Fluss verspricht Marta einen Neuanfang. Sie verliebt sich in das alte Gebäude, das Zeuge zahlloser Leben, Träume und Verluste geworden ist. Nur wenige sind noch hier: neben Marta nur Herr Yi, die Dichterin und Lu. Als Marta kurz nach ihrem Einzug erfährt, dass das Haus abgerissen werden soll, will sie kämpfen, findet in den anderen aber keine Verbündeten. Also stemmt sie sich allein gegen das Verschwinden der Geschichten, Erinnerungen und einer ganzen Welt.

Ein berührender Roman über das Aufbrechen und Zurücklassen, über Erinnerung und Verlust. Und eine traumwandelnd kluge Parabel auf das Leben in einer dauerbedrohten Welt.

Lin Hierse ist Schriftstellerin und Journalistin sowie stellvertretende Ressortleiterin der wochentaz. Ihre Texte und Kolumnen erscheinen unter anderem in der taz, der Zeit und in Literaturzeitschriften. Nach ihrem hochgelobten Debüt Wovon wir träumen (Piper 2022) ist Das Verschwinden der Welt (Piper 2024) ihr zweiter Roman. Im Herbst 2026 ist Lin Hierse Max Kade Writer in Residence an der University of Michigan.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit feeLit Internationales Literaturfestival Heidelberg.

International Graduate Student Conference 2026 – “Memory—Between Experience, Culture and Transculturality”

Memory has become one of the central categories through which the humanities interrogate the past, the self, and the conditions of historical knowledge. Far from being a mere repository of bygone events, memory unfolds at the intersection of experience, narration, embodiment, and cultural transmission. This conference invites graduate students from across the humanities to explore memory as a dynamic and contested field—one in which individual recollection, communicative exchange, and culturally sedimented forms of remembrance are in constant dialogue.

Drawing on theories of cultural memory, this conference encourages reflections on how societies stabilize, ritualize, and transform images of the past through texts, images, practices, and institutions, while also attending to communicative memory as it circulates in everyday interactions and lived social relations. Equally central is the notion of collective memory, which foregrounds the ways in which remembering is never purely private but shaped by social frameworks, power relations, and shared imaginaries. What are the functions of different dimensions of memory, how should its media (such as writing, images, or monuments) be evaluated, and what forms of dealing with stored knowledge exist that attach growing importance not only to history, politics, and science, but also to art? In an increasingly interconnected world, different dimensions of memory further cannot always be adequately understood without addressing questions of transculturality: the movement of memories across borders, languages, and historical contexts, as well as the frictions and creative reconfigurations that arise from such encounters.

This conference particularly welcomes interdisciplinary and comparative approaches that open new perspectives on memory beyond national or disciplinary boundaries.

Conference program and schedule can be found here.