Prof. Barbara Mittler: Immer noch Konfuzius?

Immer noch Konfuzius? China, das 21. Jahrhundert und die Lehren der Tradition.

Termin: Mittwoch, 20. Oktober 2010
Referentin: Prof. Barbara Mittler
Ort:  Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, 69115 Heidelberg

ZUM VORTRAG:

Jedes Management-Handbuch, jeder Reiseführer, jeder Medienbericht über den wirtschaftlichen Aufschwung des großen Landes der Mitte weist heute darauf hin: China ist ein konfuzianisches Land. Die moralischen Grundprinzipien des Konfuzianismus, so heißt es oft, bestimmen noch heute die Gedanken und das Verhalten der Chinesen. Und in der Tat lässt sich zeigen, dass eine der bekanntesten chinesischen Seifenopern der frühen 1990er Jahre eine ganze Reihe solcher moralischen Grundwerte vermittelt: Die Hauptperson ist die immer altruistische, immer hilfsbereite, immer ehrliche, aber nie belohnte, sich selbst aufopfernde Huifang, ein Inbild von menschlicher Tugendhaftigkeit. Die Serie wird dafür gepriesen, dass sie, in einer Zeit, in der immer mehr gerade diese Werte in Vergessenheit zu geraten scheinen und jeder sich nur für die eigenen Belange interessiert, endlich einmal diese konfuzianisch-chinesischen Tugenden wieder hervorhebt. Ist das China der Reformen also konfuzianisch? Kann es das denn überhaupt sein? Haben nicht der Kommunismus und dann vor allem die Jahre der Kulturrevolution mit Erfolg die chinesischen Traditionen, allen voran den Konfuzianismus, erfolgreich und nachhaltig zerstört? Ist der Konfuzianismus also doch tot? Prof. Mittler arbeitete in ihrem Vortrag die Widersprüche des gegenwärtigen China und noch mehr die Ungereimtheiten seiner Darstellung in unseren Medien heraus und hinterfragte diese kritisch.  Konfuzianismus ist zwar heute noch tief verwurzelt in China, doch überhaupt nicht wirtschaftsfördernd.

Prof. Barbara Mittler ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins Konfuzius-Institut Heidelberg e.V. Sie studierte unter anderem in Oxford und Taibei und ist seit 2004 Professorin für Moderne Sinologie am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg, dessen Leitung sie seit 2004 auch inne hat. Vielen wird Prof. Mittler durch ihren begeisternden Festvortrag anlässlich der Eröffnung des Konfuzius-Instituts Heidelberg über Konfuzius und seine Beziehung zur Musik noch in lebhafter Erinnerung sein. Die Kombination von fundiertem Wissen und mitreißendem Vortragsstil macht Prof. Mittler zu einer Referentin, die Sie nicht verpassen sollten. Weitere Informationen zu unserer Referentin finden Sie hier.

KONFUZIUS-REIHE:

Konfuzius-Institute sind nach einem der bekanntesten Philosophen und Gelehrten der chinesischen Geschichte benannt. Über Konfuzius und seine Lehren wurde viel gesprochen und geschrieben. Aber was hat Konfuzius denn nun wirklich „gesagt“ und was davon hat vielleicht heute noch Gültigkeit. Das Konfuzius-Institut Heidelberg lädt Experten aus verschiedenen Bereichen der Sinologie ein, um Ihnen ein fundiertes, facettenreiches und detailliertes Bild des chinesischen Philosophen zu zeichnen.

Weitere Vorträge zu diesem Thema.

Prof. Rudolf Wagner: Konfuzius, ein Bild das nicht zur Ruhe kommt

Prof. Thomas Fröhlich: Chinas Moderne aus Konfuziuanischer Sicht

Prof. Hans van Ess: Konfuzius heute

TCM Dr. phil. Karin Sitte

Vorträge von Dr. phil. Karin Sitte zur Traditionellen Chinesischen Medizin:

Termine: Oktober, November, Dezember 2010
Ort: Universitätsplatz

Ernährung im Wechsel der Jahreszeiten – Ernährung und Lebenspflege im Winter:

Unsere Ernährung heute ist vom Wechsel der Jahreszeiten weitgehend unabhängig. Beinahe alle Lebensmittel sind zu allen Zeiten des Jahres zu haben. Dennoch ist es sinnvoll, den Zusammenhang zwischen körperlichen Bedürfnissen und Jahreszeiten zu berücksichtigen. Die TCM bietet hierzu einen Fundus an Erfahrungen, den wir uns zunutze machen können, um Vitalität und Lebensfreude zu stärken. Auch der Genuss muss darüber nicht zu kurz kommen.

„Die Mitte stärken“ – Essen und Trinken und die Klarheit im Kopf:

Was haben Essen und Trinken mit der Klarheit im Kopf zu tun? Wir mögen darüber rätseln, der chinesischen Medizin sind solche Zusammenhänge nicht fremd. Sie setzt ihre Mittel zeitig ein, nicht erst bei einem Befund, sonder schon bei Störungen der Befindlichkeit wie: „sich im Kopf wie benebelt fühlen“. Und sie setzt ihre Mittel umfassend ein: Körper, Geist und Gemüt werden gleichermaßen in die Lebenspflege einbezogen. Inwiefern die Ernährung zur Klarheit im Kopf beitragen kann soll im Vortag erläutert werden.

„Morgens Ingwer, abends Rettich“ Eine Einführung in die Diätetik der TCM:

Die Empfehlung „morgens Ingwer, abends Rettich“ zu sich zu nehmen klingt für unsere Ohren nicht sonderlich einladend. Hinter diesem Rat aus der Chinesischen Medizin steckt die Erfahrung, dass der Stoffwechsel mit einer warmen Speise morgens besser in die Gänge kommt.  Abends hingegen hat das Kühlende, Absenkende, Besänftigende seinen Platz, wie der Rettich. An diesem Beispiel lassen sich die grundlegenden Vorstellungen der Ernährungslehre der Chinesischen Medizin anschaulich darstellen.

Zur Referentin:

Dr. phil. Karin Sitte, Jahrgang 1946, studierte Erziehungs-wissenschaften an den Universitäten   Frankfurt und Bielefeld, und war zunächst in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen tätig. Seit 2001 erfolgten Ausbildung und Weiterbildung in der Diätetik der Chinesischen Medizin. Karin Sitte ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Chinesische Medizin und arbeitet auf dem Gebiet der Ernährungsberatung in Kooperation mit Arztpraxen in Heidelberg und Mannheim.Weitere Informationen: www.karinsitte.de E-Mail: karinsitte@t-online.de