Chinesische Medizin: Eine Einführung (Teil I)

In ihrem Vortrag “Einführung in die chinesische Medizin” am 22.10.2020, der in unserer bewährten Vortragsreihe “Chinesische Medizin” in Kooperation mit der Akademie für Ältere stattgefunden hat, stellte Referentin Dr. Dr. Andrea- Mercedes Riegel den interessierten Hörern die wesentlichen Charakteristika der chinesische Medizin vor. Dabei ist es grundlegend zu verstehen, dass es sich bei der chinesischen Medizin um ein holistisches System handelt, welches Mensch und Kosmos als Einheit sieht, den Menschen wieder als Einheit in sich. Dieses Menschenbild  hat Auswirkungen auf das Erkennen und Definieren pathologischer Zustände. Der Therapeut kommt in seiner Diagnose nicht zu einer klar definierten Krankheit, sondern stets zu einem Disharmoniemuster, welches jeweils individuell behandelt wird. Dieses Denkmuster der individuellen Behandlung sollte ebenfalls verstanden sein. In einem Erstgespräch ist es für den Patienten unerlässlich, Zeit mitzubringen, da der Behandelnde zahlreiche Fragen zu seinem Befinden stellen wird. Diese Fragen mögen ihm möglicherweise zunächst sogar etwas befremdlich vorkommen. Andrea-Mercedes Riegel stellte einführend Fragen der Anamnese vor sowie verschiedene diagnostische Möglichkeiten. Wegen der Pandemie war dies der zunächst letzte mögliche Termin vor Ort. Die folgenden Termine fanden und finden bis auf Weiteres  online statt.

 

Moderation: Heidi Marweg

Hier finden Sie die Powerpoint-Präsentation zum Vortrag: 2020_Grundlagen_CM_Einführung_Teil I

 

 

Buchmesse digital: Lesetipps – Literatur aus China für die Welt

Herbstzeit ist Buchmessen-Zeit, und so hat das Konfuzius-Institut an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt wie in jedem Buchmessen-Herbst ein umfangreiches digitales Literaturprogramm zusammengestellt, an dem sich in diesem Jahr auch das Konfuzius-Institut Heidelberg beteiligen durfte. Am 16.10. präsentierte die Direktorin des Heidelberger Konfuzius-Instituts, Dr. Petra Thiel, gemeinsam mit Prof. Shuangzhi Li (Fudan University / Universität Hamburg), Prof. Richard Trappl (Wien), der Verlegerin Dr. Nora Frisch (Drachenhaus Verlag, Esslingen) und Heiko Lübben (Mannheim) Lieblingsbücher aus und über China. In zehnminütigen Kurzvorträgen wurden gleich zwei Romane des chinesischen Gegenwartsautors Cao Wenxuan vorgestellt („Das Schilfhaus“; „Libellenaugen“), sowie „Die Tränenfrau“ von Su Tong, Stephan Thomes „Der Gott der Barbaren“ und der Lyrikband „Nachrichten aus der Hauptstadt der Sonne“ (Hg. Wolfgang Kubin). Die Moderation übernahm die Direktorin des Konfuzius-Instituts in Frankfurt, Christina Werum-Wang.

Wir danken den Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt für diese schöne Idee und den regen Literaturaustausch! Für diejenigen, die die Veranstaltung verpasst haben: diese kann auf dem YouTube-Kanal des Konfuzius-Instituts Frankfurt nachgesehen werden unter https://www.youtube.com/watch?v=fnjC_hjgHu4&feature=youtu.be

10 Jahre kritischer Diaolog mit China – 10 Jahre Konfuzius-Institut Heidelberg

Mit einem Trailer mit Szenen aus 10 Jahren interkultureller Arbeit des Konfuzius-Instituts an der Universität Heidelberg wurde der live aus der Aula der Alten Universität gestreamte Festakt zum 10jährigen Jubiläum eröffnet. In schnellen Schnitten, ohne große Worte, zogen Szenen auf, die die Vielfalt des Sprach- und Kulturprogramms und die Menschen, die es zum Leben erwecken, sichtbar machten.

Programm der Zehnjahresfeier

Es ging nahtlos festlich zu dem feinfühlig von J. Marc Reichow am Flügel interpretierten Stück aus Robert Schumanns Kinderszenen „Von fremden Menschen und Ländern“ über und deutete damit auch schon auf das Augenmerk der Jubiläumsfeier hin!

Zum Festakt mit Literatur und Musik hatte das Konfuzius-Institut Heidelberg eingeladen und blieb demselben Leitspruch von Konfuzius „Sei erhoben durch Dichtung, gefestigt durch Riten, vollendet durch Musik“ treu, der schon der Eröffnungsfeier vor 10 Jahren den roten Faden gab und es durch all die Jahre trug.

Es folgte ein weiteres Zitat des Konfuzius, Namensgeber des Instituts, eindrucksvoll und nachdrücklich vorgetragen auf Chinesisch von Lu Zhinan, auf Deutsch von der Schauspielerin und Sprecherin Johanna Withalm, mit dem zum Ausdruck kam, dass es sich lohne, ein Ziel zu verfolgen, auch wenn der Weg manchmal steinig und mühevoll, langwierig und endlos scheint, und dass doch das Aufgeben keine Alternative darstellt, auch nicht bei Widrigkeiten, dass ein Ringen für die Sache nicht umsonst ist.

Dichtung, Gesang und zahlreiche freundliche Grußworte machten diese Jubiläumsfeier zu einem festlichen Abend, auch wenn auf Gäste wegen der Covid 19-Pandemie hatte verzichtet werden müssen, auch wenn eine gewisse Melancholie diesen Abend begleitete.

In einer aufgezeichneten Videobotschaft würdigte der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Eitel, die Arbeit des Konfuzius-Instituts und seinen fest in Heidelberg verankerten Platz im Kontext wissenschaftlicher Einrichtungen, dankte hier auch explizit der Stadt Heidelberg, in der die Universität eine Verbündete gefunden hat für die Etablierung des Konfuzius-Instituts und drückte seine feste Überzeugung aus, dass das Konfuzius-Institut Heidelberg vorbildhaft für viele andere Einrichtungen in Deutschland und der Welt weiterarbeiten könne.

Für die Partneruniversität des Konfuzius-Instituts Heidelberg sandte der Vorsitzende des Universitätsrats der Shanghai Jiao Tong University, Herr Yang Zhenbin, sehr persönliche Grüße: War er doch einst als Gastwissenschaftler in Stuttgart und hatte dabei Heidelberg besucht, das einen schönen und bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat. Er gratulierte zum zehnjährigen Bestehen auch im Namen von Herrn Prof. Lin Zhongqin, Präsident der Shanghai Jiao Tong Universität. Das Konfuzius-Institut Heidelberg nehme eine Vorreiterrolle im deutschsprachigen Raum mit seinem Massive Open Online Course (MOOC) für Lernende im deutschsprachigen Raum ein, darüber hinaus erforsche es aktiv neue hybride Online- und Offline-Lehrmodi („blended learning“). Mit seinen kulturellen Veranstaltungen und seinen Aktivitäten im wissenschaftlichen Bereich in Zusammenarbeit mit anderen Instituten der Universität biete es ein Fenster zum besseren Verständnis Chinas.

Mit einem Ausschnitt aus „Bronze und Sonnenblume“, einem Roman für Kinder, den der Andersen-Preisträger und Pekinger Literaturprofessor Cao Wenxuan verfasst hat, wurde einfühlsam versinnbildlicht, was Bildung bedeutet: Die Eröffnung „wunderbarer neuer Welten“. Der Autor Cao Wenxuan, der 2017 Gast des Konfuzius-Instituts war, als in Kooperation mit der Stadtbücherei Heidelberg eine Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Bilderbücher eröffnet wurde, weihte damals unter anderem in die Magie des Schreibens ein und das Konfuzius-Institut Heidelberg griff diese Magie erneut für den Festakt auf.

Mit einem weiteren Grußwort aus Peking wandte sich Herr Zhao Lingshan, Vizepräsident und Generalsekretär der „Chinese International Education Foundation“, die sich der Vermittlung der chinesischen Sprache weltweit widmet und in Zukunft auch für die Entwicklung der Konfuzius-Institute weltweit einsetzen wird, an die Gäste, gefolgt von dem Gesandten-Botschaftsrat der Bildungsabteilung der chinesischen Botschaft in Berlin, Dr. Liu Lixin.

Zhao Lingshan betonte insbesondere, dass sich das Heidelberger Konfuzius-Institut an den lokalen Bedürfnissen orientiere, sich aktiv in das kulturelle und gesellschaftliche Leben einbringe und intensiv die Entwicklung des chinesischen Sprachunterrichts fördere. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie habe es ohne Unterbrechung seinen Sprachunterricht fortgeführt und dank der Expertise und mit Unterstützung der Shanghai Jiao Tong University Online-Kurse durchgeführt. In den vergangenen zehn Jahren habe das Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg einen großen Beitrag zur Ausbildung lokaler Lehrkräfte geleistet und sei für seine Bemühungen im Jahr 2014 zum „Konfuzius-Institut des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Dr. Liu Lixin hob die unterschiedliche historische und kulturelle Tradition Deutschlands und Chinas hervor und gleichzeitig das Interesse beider Länder, die Zusammenarbeit in der Sprachausbildung zu verstärken und dadurch den Kulturaustausch zu fördern, die Kommunikation und das Verständnis zwischen den Menschen beider Länder zu verbessern, was auch dem Interesse beider Länder entspreche. Schon vor mehr als 300 Jahren sei der deutsche Denker Leibniz für die Stärkung des geistigen und kulturellen Austauschs zwischen den beiden Ländern, für gegenseitiges Lernen und gegenseitige Wertschätzung sowie für gemeinsamen Fortschritt eingetreten.

Mit dem Gedicht der Lyrikerin Xiao Xiao „Ein Tropfen fällt in die Seele“, das im chinesischen Original und in seiner deutschen Übersetzung vorgetragen wurde, griff das Konfuzius-Institut Heidelberg auf den erstmaligen Besuch dieser bemerkenswerten Intellektuellen/Schriftstellerin zurück, den sie mit ihrem deutschen Übersetzer, dem Literaturwissenschaftler und Sinologen Wolfgang Kubin, auf Einladung des Konfuzius-Instituts 2019 in Heidelberg abstattete. Kubin beschreibt die vielfach preisgekrönte Autorin, deren Texte oft nur vordergründig rein poetisch erscheinen, als „mutig und offen“. Auch das Gedicht „Ein Tropfen fällt in die Seele“ ist vielschichtig, handelt von einem Wiedersehen nach langer Abwesenheit – auf das auch wir alle in diesen unsicheren Zeiten hoffen.

Dr. Joachim Gerner, Bürgermeister für Familie, Soziales und Kultur der Stadt Heidelberg und Vorstandsmitglied des Konfuzius-Instituts Heidelberg seit der ersten Stunde, hob den idealen Standort Heidelberg für ein Konfuzius-Institut hervor: Diese Stadt stehe weltweit für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sei geprägt durch internationale Forschungszentren wie die vier Max Planck Institute, das Europäische Laboratorium für Molekulare Biologie, das Deutsche Krebsforschungszentrum und auch das im vergangenen Jahr feierlich eröffnete Center for Asian and Transcultural Studies und verbinde Top-Wissenschaft vor Ort mit Kooperationen weit über ihre Grenzen hinaus. Als UNESCO Creative City of Literature sei Heidelberg ein Ort der gelebten Kultur, heiße Künstler aus aller Welt ebenso willkommen wie das internationale Publikum und die vielen Gäste, die die Stadt Jahr für Jahr besuchen. Mit über 28.000 Studierenden sei Heidelberg geprägt durch seine besonders junge und internationale Gemeinschaft, die Weltoffenheit lebe. Dank gebühre der Universität Heidelberg, die die Stadt als Partner mit ins Boot geholt habe. Als kulturelle Heimat für die chinesische Community der Stadt und als Brückenbauer zwischen Heidelberg und China folge das Konfuzius-Institut dem Weltoffenheits-Prinzip der Stadt und auch der Universität und stelle sich daher, wie Konfuzius einst, immer wieder gerne die rhetorische Frage: Wenn Freunde aus der Ferne kommen, ist das kein Grund zur Freude?

Nachdenklich wurde es mit der Arie des Königs Zuoxian aus der Oper „Wenji: 18 Songs of a Nomad Flute“ der Komponistin Lam Bun-Ching, die in Heidelberg ihre Uraufführung 2019 erlebte. Die von Matthias Horn hervorragend dargebotene Arie „If you change your mood…If you look with different eyes“ erinnert an Grenzüberschreitungen und ihre Folgen, wie Prof. Dr. Barbara Mittler, Vorstandsvorsitzende des Konfuzius-Instituts Heidelberg, in ihrer prägnant formulierten Festrede richtig festhielt. Der Verlust der Heimat sei tief gehend, und doch sei es wichtig, auch wenn man sich nicht immer einig in allem ist, stets mit den Augen des anderen zu sehen, in der Sprache des anderen zu sprechen, zu verstehen. Sie konstatierte, dass Grenzüberschreitungen und ihre Folgen Ängste schürten, Schmerz und die Schwierigkeiten oft heruntergespielt würden und doch eines darüber oft vergessen werde: Grenzüberschreitungen erlauben Horizonterweiterungen. Sie blieben eine Herausforderung und das Heidelberger Konfuzius- Institut habe sich dieser Herausforderung gestellt. Mit der Eröffnung des Konfuzius- Instituts vor 10 Jahren sollten Grenzüberschreitungen ermöglicht werden, nicht nur für ein immer größeres Verständnis für die Sprache, sondern auch für Kultur, Geschichte und Gesellschaft. Vor fünf Jahren wurde im damaligen Festakt festgehalten, dass in so kurzer Zeit Entgrenzung stattgefunden habe und die Möglichkeit zum kritischen Dialog und Austausch mit diesem so anderen, nicht immer leicht zu verstehenden Land durch das Konfuzius-Institut Heidelberg geschaffen wurde. Nun sei die Zehnjahresfeier mit Worten des Konfuzius begonnen worden, der zur Stetigkeit aufruft und dazu mahnt, nicht aufzugeben und lehrt, dass jeder noch so kleine Schritt ein Schritt nach vorne ist, und das gerade heute, wo es viel Unverständnis gibt für Dinge, die jenseits unserer Grenzen und gerade auch im fernen China passieren. Prof. Mittler wies darauf hin, dass Grenzüberschreitungen nicht unproblematisch und auch nicht ungefährlich seien, und nahm hier wieder Rückbezug auf die Oper „Wenji“ ebenso wie auf Xiao Xiaos Gedicht. Sie appelierte daran, dass, nur wenn wir die Sprache des anderen sprechen, nur wenn wir den Dialog nicht abbrechen lassen und uns Wissen über den anderen aneignen, wir nur dann kritisch aufeinander zugehen und miteinander kommunizieren könnten. Grenzüberschreitungen seien Horizonterweiterungen, und nur wenn wir bereit sind, neue Welten kennenzulernen, könnten wir austarieren, wo wir uns positionieren, wo wir ja und wo wir nein sagen müssen. Das Konfuzius-Institut Heidelberg ermögliche es, immer wieder zusammenzukommen, um China zu diskutieren und also anders darauf zu schauen—und das sei wichtig im Sinne der Quintessenz der Arie„If you look with different eyes … ”.

Den musikalischen Abschluss bildete ein Stück des schwedischen Komponisten Sigurd von Koch, „Das Los des Menschen“, eine Vertonung eines weiteren Konfuzius-Zitats, das mahnt, dass es das Los des Menschen sei, nur dies eine Leben zu haben, während die Jahreszeiten immmer wiederkehren.

Mit dem Konfuzius-Zitat „Sei erhoben durch Dichtung, gefestigt durch Riten, vollendet durch Musik“ wurde der Festakt in Erinnerung an die große Eröffnungsfeier des Konfuzius-Instituts vor zehn Jahren eingeleitet, wie Dr. Petra Thiel, Direktorin des Konfuzius-Instituts Heidelberg, zum Abschluss zusammenfassend sagte. Auch sei in den Reden und Beiträgen immer wieder das Schicksalhafte heraufbeschworen worden, zum Teil der besonderen Situation und der Pandemie geschuldet. Petra Thiel setzte diesem Gedanken am Ende der Feier einen anderen Blick entgegen und griff auf die große Philosophin Hannah Arendt zurück, die sich vehement dagegen gewehrt habe, einem Los ausgesetzt zu sein und vielmehr dazu anregte, die eigene Lust am Handeln zu entdecken. So seien es laut Arendt auch keine Gruppen, sondern immer Personen, die handelnd miteinander in Beziehung träten – und nur so, nur im zwischenmenschlichen Austausch, im gemeinsamen Handeln und im Dialog, sei ein „In der Welt Sein“ überhaupt erst möglich, könnten die Eigenarten, die Besonderheiten des jeweiligen Gegenübers überhaupt erst wahrgenommen werden. Das Handeln sei auch keine Last, kein Schicksal, sondern vielmehr notwendige, ja lebensnotwendige Tätigkeit.

Das Konfuzius-Institut Heidelberg, so Petra Thiel weiter, sähe sich daher ebenfalls als Sprachvermittler und dazu da, Künstler, Autoren, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler aus China und aus aller Welt zusammenzubringen, und sei keinesfalls irgendeinem Schicksal ausgesetzt. Das Konfuzius-Institut Heidelberg habe Lust zu handeln, zu gestalten, Begegnungen zu ermöglichen, Räume für den Dialog zu öffnen. Dies sei in den vergangenen Jahren nicht immer leicht gewesen, doch immer lohnend, rückblickend auf die vielen Begnungen mit China und den vielen Menschen, die dies wahrnahmen. Es sei Aufgabe weiterzumachen und den differenzierten Blick auf China zu ermöglichen, gemeinsam mit den vielen Wegbereitern, Wegbegleitern und langjährigen Kooperationspartnern.

Danksagungen erfolgten an alle Mitwirkenden, die den Abend so wunderbar und trotz aller Widrigkeiten mit Leichtigkeit mitgestaltet haben, den Rednern, dem KlangForum Heidelberg, Matthias Horn – nicht nur, aber auch, als König Zuoxian – und J. Marc Reichow am Flügel, an Johanna Withalm und Lu Zhinan für die Lesungen, an David Nussbaum, Harry Seidel und Song Xin hinter den Kameras, den Förderern und Partnern aus Heidelberg und China, den Vorstandsmitgliedern aus Heidelberg und Shanghai, den Vereinsmitgliedern, Sprachschülerinnen und Sprachschülern, Freundinnen und Freunden des Vereins „Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg“. Gedankt wurde auch allen Künstlern, Autoren, Übersetzern, Musikern und Wissenschaftlern, die mit ihren Vorträgen, Lesungen, Konzerten und Aufführungen begeistert und zum Nachdenken angeregt haben, allen Förderern, wie der Robert Bosch Stiftung aus Stuttgart, und allen Kooperationspartnern für die stets produktive und professionelle Zusammenarbeit, allen Kolleginnen und Kollegen der weiteren Konfuzius-Institute im deutschsprachigen Raum für Anregungen, für gemeinsame Projekte und den wertschätzenden Austausch, und nicht zuletzt dem Team, klein, aber fein, das so viel auf die Beine stellt und sich mit Kreativität und guter Laune einbringt und gestaltet, immer wieder.

Mit leichter Melancholie beging das Team des Konfuzius-Instituts diese Feier: Es konnte nicht, wie geplant, mit all seinen Freunden, Mitgliedern, Partnern, Sprachschülerinnen und Sprachschülern, den Kolleginnen und Kollegen sowie den Vorstandsmitgliedern unserer Partneruniversität, der Shanghai Jiao Tong University, feiern, alle Gäste und Zuschauer weilten fern an ihren Bildschirmen und nicht in der Aula der Alten Universität. So fiel trotz all der Freude über das bislang Erreichte „ein Tropfen in die Seele“, doch bleibe die Hoffnung auf ein baldiges persönliches Wiedersehen!

Auszüge aus Zuschriften und Feedbacks:

„Herzlichen Glückwunsch zu dieser sehr gelungenen Jahresfeier, die die Chancen und Herausforderungen der grenzüberschreitenden Begegnung den Zuhörern eindrucksvoll vor Augen geführt hat! Es war wirklich eine ausgesprochen ausgewogene und vielseitige Veranstaltung, die sich nicht in einem Lob auf die langjährige Zusammenarbeit erschöpfte, sondern durch den variantenreichen Rückgriff auf einzelne Programminhalte der letzten Jahre, ergänzt durch weitere klug ausgewählte Beiträge aus Dichtung und Musik, einen eindrucksvollen Einblick in die vielseitige und bereichernde Arbeit des KI gegeben hat. Sehr schön auch die nachdenklichen Töne am Ende, die in feiner Weise die Ambivalenzen und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit anklingen ließen, aber eben auch die Notwendigkeit des stetigen Lernens und Wissens über die Besonderheiten des „Anderen“ und der eigenen Positionierung im Dialog zum Ausdruck brachten. Das war wirklich alles sehr erhebend!“

„Herzlichen Glückwunsch zu der großartig gelungenen Festveranstaltung in der Alten Aula. Es war ein sehr würdiger und gelungener Festakt. Vielen Dank für die Mühe der Vorbereitungen in dieser nicht einfachen Zeit an Sie und an alle, die daran mitgewirkt haben.“

„Sehr schade, dass die gegenwärtige Corona-Situation das gemeinsame Begehen dieses wirklich bemerkenswerten Jubiläums gegenwärtig nicht “live” zulassen kann. An dieser Stelle aber erst recht ein großes Kompliment dafür, wie ihr euch auch für Zeiten wie diese professionalisiert habt. Eure jüngste Veranstaltung zu den 8 Zeichen für ein tieferes Verständnis von China erzeugte bei mir auch noch einen intensiven Nachhall.“

„Herzlichen Dank für Ihre Einladung zum 1ojährigen Jubiläum! Ich durfte ja vor 10 Jahren schon mit Ihnen gemeinsam die Gründung feiern und erinnere mich gerne an den sehr anregenden Abend. Diesmal waren persönliche Begegnungen nicht möglich…Wir haben einfach nur profitiert von Ihrer Arbeit. Deshalb möchte ich Ihnen unseren Respekt, Ihnen und Ihren Mitarbeitern unseren Dank für Ihre langjährige und wertvolle Arbeit aussprechen. Es hilft uns, unser Verständnis und die Freundschaft zwischen China und Deutschland zu fördern.“

China erklärt an 8 Zeichen: Wie man das “Reich der Mitte” mit wenigen Pinselstrichen erklären kann

Marcus Hernig, promovierter Sinologe und Germanist und seit mehr als dreißig Jahren in Shanghai lebend,  brachte am 29.9.2020 auf persönliche und unterhaltsame Weise in seinem Online-Vortrag “Wie man das „Reich der Mitte“ mit wenigen Pinselstrichen erklären kann”  Chinas Kultur anhand von acht ausgewählten Schriftzeichen näher. Er stellte die Frage, was sich dazu wohl besser eignen würde als die Schrift, denn wie kaum eine andere ist Chinas Kultur auf Schriftlichkeit gebaut. Herausgekommen ist viel Wissenswertes!

In seinem bebilderten Vortrag griff Hernig dabei auf die folgenden acht  Zeichen zurück:

歷 LI: Geschichte: Geschichte ist der Fußabdruck und der Schatten einer Kultur, in ihr steckt das Selbstverständnis – besonders wenn in der Geschichte der so wichtige Kalender der Landwirtschaft enthalten ist, auf den sich China viele Jahrhunderte gründete.

食 SHI essen: Das Essen gilt als sozialer Akt des Gemeinsamen. Essen ist das zentrale Thema chinesischer Kultur und Lebensfreude. Alle Gefühle des Menschen, Freud und Leid stehen mit dem Essen in Verbindung. Dieses Schriftzeichen erklärt vieles über die Gemeinschaftserfahrung des Genießens.

園 YUAN Garten: Der Garten ist eigentlich ein Ort der Bäume und Früchte, gleichzeitig auch der der Vögel. Hernig stellt hier eine Beziehung zum Verhältnis Mensch und Natur her.

和 HE Harmonie: Harmonie ist kein Ideal, sondern etwas Existenzielles. Harmonie existiert dann, wenn die Getreidespeicher gefüllt sind.

學 XUE Lernen: Lernen bestimmt die chinesische und die anderen ostasiatischen Gesellschaften wie kaum andere auf der Welt. Das alte Schriftzeichen erzählt uns davon.

革 GE Leder/ (Revolution):  Eine Revolution ist wie Leder herstellen, ist wie das Häuten eines Tieres: radikal und das Ende für das, was einmal war. So haben sich auch in China mehrere Revolutionen zugetragen, Hernig spricht von drei, wenn nicht vier Revolutionen, politischen wie kulturellen.

商 SHANG Handel: Der Handel verbindet das „Äußere mit dem Inneren“, bringt Dinge in Bewegung und schafft sie zu denen, die konsumieren. Die Shang waren dazu eine der ältesten Dynastien – auf Außenhandel baut die chinesische Politik.

機 JI Maschine: Der Webstuhl war eine der ersten Maschinen auf dem Weg zur Industrialisierung. Maschinen bieten Chancen (機會), sind die Chance in der Krise (危機 ). Die Maschine treibt das moderne China bis zur künstlichen Intelligenz.

Hernig verfolgte in seinem Vortrag einen sehr persönlichen Ansatz: Mitdenken, Mitempfinden und Nachvollziehen waren gefragt. Acht ist die chinesische Glückszahl, so dass acht Zeichen eine glückliche Form darstellen, um China aus ungewöhnlicher Perspektive zu betrachten.

Der Vortrag fand in Kooperation mit der China Initiative Heidelberg statt.

 

Dr. Marcus Hernig, Sinologe und Germanist, Dozent, Autor und Berater, lebt in Shanghai seit 1992 und pendelt seit nun bald drei Jahrzehnten zwischen Deutschland und China. Er ist Autor verschiedener China-Bücher und zahlreicher Artikel zu aktuellen Chinathemen, hat langjährige Erfahrung in der Vermittlung von Fremdsprachen und Chinakompetenz und war viele Jahre tätig für chinesisch-deutsche Austausch- und Kooperationsprogramme bei deutschen Mittlerorganisationen. In führender Position war er am Goethe-Institut Shanghai u.a. zuständig für Sprache, Literatur und Bildungskooperationen und Direktor am Goethe- Institut in Kyoto. Marcus Hernig lehrt als Professor sowie Lehrbeauftragter an der TU Shanghai (USST), der Tongji-Universität Shanghai und der TU Berlin Chinakompetenz.

Moderation: Heidi Marweg, Konfuzius-Institut Heidelberg und Dr. Elisabeth Bach, China- Initiative e. V. Heidelberg

“School of Dreams” by We.n.u

An einem sonnigen Septemberwochenende fand die zweite Kooperations- veranstaltung mit dem Metropolink Festival of Urban Art in Heidelberg statt – diesmal jedoch nicht auf dem Gelände des Patrick Henry Village, sondern in Bergheim, in unmittelbarer Nähe des Campus des Zentrums für Asien- und transkulturelle Studien (CATS), nämlich am Luisenhaus des Kurfürst Friedrich Gymnasiums. Dessen Rektor, Dr. Alperowitz, hatte sich freundlicherweise dazu bereiterklärt, eine Wand des Gebäudes dem Künstlerkollektiv zur Verfügung zu stellen.

We.n.u besteht aus Friendly Liu, einer Hongkonger Künstlerin, sowie drei Berlinern aus der Graffiti-Szene, deren großflächige Wandbemalungen sich dadurch auszeichnen, dass sie durchgängig in Schwarz-weiß gehalten sind und – ähnlich wie Wimmelbilder – zahlreiche Szenen, Figuren, Gebäude miteinander verbinden. Dabei werden immer wieder Bezüge zu China eingeflochten, sei es durch Schriftzeichen oder Figuren aus der Popkultur.

Für das Metropolink-Festival gestaltete We.n.u eine „School of Dreams“ (梦想学校), ein zerklüftetes Gebäudearrangement, das auf einer Eisscholle zu schwimmen scheint, und neben einer Denk- und Wissenszentrale unterschiedliche Bildungsräume, so z.B. auch einen botanischen Garten, in sich vereint.

Passanten, Familien und Kleingruppen beobachteten das Entstehen des „Murals“ mit Neugier und Begeisterung für urbane Kunst. So kam das Künstlerkollektiv während seiner zweitägigen Schaffensphase mehrfach in Kontakt mit dem Heidelberger Publikum und beantwortete geduldig Fragen zum Entstehungsprozess, zu den Materialien und zu den Biographien der einzelnen We.n.u-Mitstreiter.

Wir danken Pascal Baumgärtner, dem Kurator des Metropolink Fesitvals, für diese erneute Kooperation und dem We.n.u Künstlerkollektiv, dass es seine kreativen Spuren auch in Heidelberg hinterlassen hat!

Das Kunstwerk wird dauerhaft an der Wand des Luisenhauses zu besichtigen sein.

Hier finden Sie noch einen Artikel des Kurfürst Friedrich Gymnasiums zu diesem Projekt.

Digital Calligraffiti by Michael Ang – Metropolink Festival

Foto-Credits @Wang Yizhou

Das Konfuzius-Institut freut sich sehr, dass das Metropolink Festival für urbane Kunst in diesem Jahr trotz erschwerter (Corona-)Bedingungen erneut im Patrick Henry Village stattfinden konnte. Dank der hervorragenden Organisation des Kurators Pascal Baumgärtner und seines Teams konnten international anerkannte Street Artists zehn Tage lang Hauswände in Kunst verwandeln und leere Flächen auf dem Gelände neu in Szene setzen. Das Publikum wurde aufgrund eines durchdachten Hygienekonzepts ansteckungssicher durch das Gelände geleitet. So konnten die maximal zugelassenen 500 Gäste entspannt – und mit Mundschutz ausgestattet – die neu entstandenen Kunstwerke sowie das musikalische, visuelle und kulinarische Begleitprogramm auf der weiten Festivalfläche über eine Woche lang bei sommerlichen Temperaturen ausgiebig genießen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Lichtinstallationen und neuen Medien. So gestaltete der spanische Künstler Demsky nicht nur eine Hauswand, sondern gleich noch ein Auto in eine Reflektionsfläche für phosphorisierende und rotierende Raster und Formen. In Kooperation mit dem Konfuzius-Institut konnte dem Heidelberger Publikum zudem Michael Angs spezielle Interpretation der digitalen Verschmelzung von Kalligrafie und Graffiti – Digital Calligraffiti – vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um eine interaktive Lichtinstallation, die mit dem eigens dafür erfundenen Infl3ktor Projektionssystems farb- und leuchtgewaltig auf große Flächen projiziert wird.

Ursprünglich als Ingenieur und Computertechniker ausgebildet, interessierte sich Michael Ang im Zuge seines Berufseinstiegs als Programmierer zunehmend für die künstlerischen Möglichkeiten, die sich ihm durch den Einsatz von Computertechnik und neuen Medien eröffneten. Mithilfe des Infl3ktor Projektionssystems erschafft er an den unterschiedlichsten Orten der Welt Lichtobjekte und interaktive Installationen im öffentlichen Raum. Die Partizipation des Publikums ist dabei ausdrücklich erwünscht. Auch während des diesjährigen Festivals konnten (Medien-)Künstler und Publikum in den Dialog treten und ihrer Kreativität an einer Hauswand freien Lauf lassen.

Wir danken Pascal Baumgärtner und dem Metropolink-Team für die schöne Zusammenarbeit und freuen uns bereits jetzt auf eine Fortführung im September……

Michael Ang (CA / DE) ist ein Künstler und Ingenieur, der Lichtobjekte, interaktive Installationen und technologische Werkzeuge schafft, die die Möglichkeiten des menschlichen Ausdrucks und der menschlichen Verbindung erweitern. Unter Anwendung der Ästhetik eines Hackers verwendet er häufig vorhandene Technologien, um menschenzentrierte Erfahrungen im öffentlichen Raum und auf freiem Feld zu schaffen. Michaels Arbeiten wirken dem Trend der Technologie entgegen, uns von uns selbst und der Umgebung zu trennen, und verbinden uns miteinander und mit der Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks. Er ist Miterfinder des Infl3ctor, des Projektionssystems für Digital Calligraffiti.

Michaels Arbeiten wurden international gezeigt, beispielsweise im Moskauer Museum für Moderne Kunst, ISEA, auf der Biennale für Medienarchitektur, transmediale, White Wall Beirut, Stiftung für Kunst der Grauzone, Art Hack Day, NASA Ames Forschungszentrum, SPEKTRUM Berlin, Urban Media Art Academy, Calligrafreaks, Citilab Cornellà und viele andere. Er hat einen Master-Abschluss des Interactive Telecommunications Program (ITP) der New York University, USA, und einen Bachelor-Abschluss in Computertechnik der University of Waterloo, Kanada. Derzeit lebt und arbeitet er in Berlin.

Festival-Seite: https://www.instagram.com/metropolinkurbanartfestival/

Chinacool: 8 Jahre Peking – Meine Kindheit in China

8 Jahre im Reich der Mitte – Wie ist es, im fernen China groß zu werden? Chinacool-Referent Gregor Wiederrecht lebte zwischen 2004 und 2012 in der chinesischen Hauptstadt und verbrachte so einen großen Teil seiner Kindheit im Reich der Mitte. In seinem Vortrag berichtete er von seinem chinesischen Alltag mit Bildern, Anekdoten und tollen Geschichten.

Angefangen hatte alles 2004 mit der Entscheidung von Gregors Eltern, eine Stelle an der Deutschen Botschaftsschule in Peking anzunehmen und mit ihren drei Kindern nach China zu ziehen. Das Leben in China unterschied sich in vielerlei Hinsicht von dem in Deutschland: Wohnen im Compound (abgeschlossene, bewachte Wohnanlage) mit zahlreichen anderen lokalen und internationalen Familien; zuhause eine „ayi“, die sich um Haushalt und Kinder kümmerte; ein Auto mit Botschaftskennzeichen, welches jeden Tag fahren durfte (damals durften Autos mit bestimmten Kennzeichen nur an bestimmten Tagen fahren).

Auch der Schulalltag war anders als in Deutschland: Anfangs besuchte Gregor noch die Deutsche Botschaftsschule in Peking. Dort lernten er und seine Geschwister auch Chinesisch, freiwillig in einer Chinesisch- AG. Chinesisch war kein Pflichtfach. Das letzte in Peking zugebrachte Schuljahr besuchte Gregor eine internationale Schule. Dort erwartete ihn einiges für ihn Ungewohntes: Zum einen trugen alle Schuluniform, die es an deutschen Schulen nicht gibt. Außerdem kamen seine Klassenkameraden jetzt nicht mehr nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt und die Unterrichtssprache war Englisch.

Für Gregor waren diese acht Jahre in China eine prägende Zeit: Egal, ob beim Leben in der Hauptstadt oder bei seinen zahlreichen Reisen wie z. B. zur Expo Shanghai oder zu den Bergen in Guilin, überall konnte er wertvolle Erfahrungen und unvergessliche Eindrücke sammeln. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland bemüht sich Gregor, sein Chinesisch nicht zu vergessen. Er ist sich sicher, dass ihn seine ungewöhnlichen Kindheitserfahrungen für immer begleiten werden.

Leider gab es technische Problem während unseres Livestreams. Dadurch wurde die Fragerunde frühzeitig unterbrochen. Doch die Aufzeichnung bis dahin können Sie sich gerne hier ansehen:

 

Chinacool: Campusleben in China während der Pandemie

Wir haben uns gefreut, am 18. Juni Alexej Apelganz als Referent in der zweiten Online-Ausgabe von Chinacool zu begrüßen. Alexej studiert an der Universität Heidelberg Sinologie und hat die letzten beiden Semester mit einem Konfuzius-Stipendium einen Austausch an der Universität Nanjing gemacht. Als einer von nur etwa 30 Austauschstudierenden ist er auch nach dem Ausbruch der Pandemie in China geblieben und sein Campusleben an der Universität Nanjing hat sich dementsprechend verändert.

Als Einführung stellte er erst die Stadt Nanjing und sein Leben dort vor Ausbruch der Pandemie vor: Präsenzkurse, freier Zugang zum Campus und ohne Restriktionen mit Freunden ins Restaurant gehen. Danach ging es chronologisch Monat für Monat voran und man bekam einen guten Eindruck von den Veränderungen, die sich zugetragen haben. Hier nun ein paar Highlights des Vortrags:

Im Februar reiste Alexej nach Japan (zu dem Zeitpunkt war dies noch möglich). Nach seiner Rückkehr musste er für zwei Wochen in die Quarantäne in einem eigens dafür freigemachten Stockwerk seines Wohnheims. Während dieser Zeit half ihm sein Mitbewohner, indem er Einkäufe über den Fahrstuhl zu Alexej ins Stockwerk schickte. Nach der Quarantäne zog Alexej wieder in sein altes Zimmer zu seinem Mitbewohner zurück. Obwohl sich nur sehr wenige ausländische Studierende an der Universität Nanjing dazu entschlossen haben, in China zu bleiben und das Gebäude entsprechend leer ist, ist es aus verwaltungstechnischen Gründen unmöglich, das Zimmer zu wechseln. So sind Alexej und sein Mitbewohner nun die einzigen Studierenden im Wohnheim, die sich noch ein Zimmer teilen.

Auch das Campusleben blieb von der Pandemie nicht verschont. Der Unterricht wurde, wie bei uns auch, auf ein Online-Format umgestellt und man darf das Wohnheim nur für eine begrenzte Zeit jeden Tag verlassen. Auch die Wege ändern sich: Ein Gang ins Nebengebäude um die Wäsche zu waschen wird zu einem Spaziergang um den Block, da einige Straßen gesperrt sind.

Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. Man darf wieder etwas länger raus (allerdings immer noch begrenzt) und auch die Mensa auf dem Campus hat, mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, wieder geöffnet. Gleich zwei Apps, eine von der Stadt und eine von der Uni, werden zum Contact-Tracing benutzt. Flüge kann man auch wieder buchen, die sind allerdings etwas teuer.

Online-Podiumsgespräch: Typisch Chinesisch?

Prof. Dr. Thomas Heberer und Prof. Dr. Richard Trappl über chinesische Denk- und Verhaltensweisen: Lin Yutangs Betrachtungen aus heutiger Sicht neu interpretiert

Die Grundlage des Podiumsgesprächs mit Prof. Dr. Thomas Heberer und Prof. Dr. Richard Trappl, moderiert von Dr. Nora Frisch und Heidi Marweg, bilden Betrachtungen zum “chinesischen Charakter”, die Lin Yutang bereits in den 1930er Jahren anstellte. Im Gespräch beleuchteten Heberer und Trappl, wie die Analysen Lins aus heutiger Sicht zu interpretieren sind. Darauf, was aus unserer Sicht und was aus chinesischer Sicht “typisch chinesisch” ist. Lin Yutang analysiert in „Mein Land und mein Volk“ (in der originalen deutschen Übersetzung von Wilhelm Süskind aus dem Jahr 1935) mit großer Beobachtungsschärfe die mentale und ethische Verfassung, die Ideale des chinesischen Volkes, sein soziales, politisches und literarisches Leben, die Stellung der Frau, des Mannes, der Familie. Das Werk befasst sich mit dem China der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und dennoch ist sein Inhalt hochaktuell. Und genau darauf gingen die beiden Podiumsteilnehmer ein und der Frage nach, wie es uns gelingen kann, chinesisches Denken und Handeln besser zu verstehen. 

In ihrer Einführung ging Heidi Marweg auf die Person Lin Yutang ein. Lin Yutang, geboren 1895 in der Provinz Fujian als Sohn eines chinesischen presbyterianischen Geistlichen, studierte ab 1910 zunächst Theologie. Der frühe Tod seiner Schwester führte dazu, dass er sich vom Christentum abwandte. 1919 ging Lin in die USA und studierte zunächst an der Harvard Universität. Er arbeitete zunächst für den YMCA in Frankreich. Von 1921-1923 studierte er in Deutschland an der Universität Jena, dann an der Universität Leipzig, wo er 1923 mit einer Arbeit über das Thema Altchinesische Lautlehre (auf Deutsch) promovierte. Zurück in China wurde er Professor an der Englisch-Abteilung der Peking-Universität. 1926 übernahm er die Leitung der Englisch-Abteilung an der Pädagogischen Hochschule Pekings. Als er Kritik an der brutalen Warlord-Regierung in Peking übte, musste er aus Peking fliehen. Er kehrte in seine Heimatprovinz zurück, wo er Dekan am College für Kunst und Literatur der Xiamen-Universität wurde. Im Jahr 1927 nahm Lin Yutang den einzigen politischen Posten seines Lebens an und wurde Sekretär des Außenministers der Nationalregierung in Wuhan. Das war er allerdings nur wenige Monate lang. Nach 1927 lehrte Lin Yutang an der Dongwu-Universität von Suzhou und am Juristischen College von Shanghai.  1930 wurde er zum Direktor der Abteilung für Fremdsprachen an der Akademie der Wissenschaften berufen.

Im Jahr 1935 veröffentlichte Lin Yutang mit Hilfe der Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck in den USA sein erstes Buch Mein Land und mein Volk (My Country and My People) auf Englisch. Dieses Buch wurde zu einem Bestseller, der 1936 ins Deutsche, 1937 ins Französische und erst 1938 ins Chinesische übersetzt wurde. Damit war Lin Yutang der erste Literat Chinas, der seinen Ruhm im Ausland begründete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Lin hauptsächlich in den USA. Er starb im März 1976 und ist in Taipeh begraben.

In seinen Werken versuchte er, die kulturelle Kluft zwischen China und dem Westen zu überbrücken. Anders als viele Zeitgenossen versuchte er jedoch nicht, das Heil für China in westlichen Ideologien zu finden oder sich von Chinas Traditionen abzuwenden: vielmehr analysierte er sie in ihrer ganzen Tiefe. Da er auf diese Weise auch Schwächen zutage förderte, wurde er mitunter auch als “Nestbeschmutzer” diffamiert.

Prof. Heberer macht gerade auch in seiner Einführung zum Werk: Lin Yutang: “Mein Land und mein Volk”, das nun in der dritten Auflage im Drachenhausverlag mit ihm als Herausgeber erschienen ist, klar, wie bedeutend und aktuell Lins Analysen sind. “Mein Land und mein Volk” leiste “nach wie vor einen intensiven Beitrag zum Verständnis auch des gegenwärtigen China und seiner nicht immer leicht verständlichen Kultur”. Mit seinem Bemühen um “die Konkretisierung und Erklärung des “Fremden” wirke Lin als Vermittler zwischen Ost und West: “Er beleuchtet Hintergründe, gewährt tiefe Eindrücke und trägt so zu einem besseren Verständnis von Chinas andersartiger Denkweise bei.”

 

Die Teilnehmer:

Prof. Dr. Thomas Heberer studierte Politologie, Sinologie und Ethnologie in Frankfurt am Main, Göttingen und Heidelberg. Nach seiner Promotion 1977 arbeitete er zunächst als Dolmetscher und Übersetzer in China. 1989 habilitierte er sich in Bremen. 1998 übernahm er den Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ostasien an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2009 ist er Co-Direktor des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr mit Sitz in Duisburg und betreut den Programmteil Politik und Gesellschaft Chinas. Seine Forschungsschwerpunkte sind Prozesse, Strukturen und Akteure des politischen und sozialen Wandels in China. Durch zahlreiche Forschungsprojekte in China und über 35 Jahre Forschungstätigkeiten gehört er zu den führenden Ostasienexperten in Deutschland.

Prof. Dr. Richard Trappl studierte 1974/75 in Peking chinesisch und promovierte und habilitierte sich an der Universität Wien. Ab 1979 lehrte er dort am Institut für Sinologie (heute: Institut für Ostasienwissenschaften) alte und neue chinesische Literatur. Mit seiner langjährigen China-Erfahrung war er von 1998 bis 2011 China-Beauftragter der Universität Wien. Seit den 1980er Jahren unterrichtet er an der Diplomatischen Akademie Wien. Er ist Gastprofessor an der Beijing Language and Culture University und an der Changchun University. Seit 2006 leitet er das Konfuzius-Institut an der Universität Wien. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Dr. Nora Frisch, geboren in Wien, studierte Sinologie und Musikwissenschaften in Wien, Peking, Taipei und Heidelberg. Nach Abschluss der Promotion im Fach Moderne Sinologie an der Universität Heidelberg gründetet sie 2010 den Drachenhaus Verlag und verlegt seither chinabezogene Publikationen. Mit ihren Publikationen möchte sie China in allen Facetten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wissenschaftlich fundiert und zugleich spannend und vielseitig dargestellt näherbringen.

Chinacool: Online-Unterricht in China

Wir haben uns sehr gefreut, Raphael Senghaas dieses Mal als Referenten für Chinacool begrüßen zu dürfen. Eigentlich macht er gerade einen Austausch an der Tsinghua-Universität in Peking. Dort sollte er natürlich auch Kurse besuchen, was momentan aber nur online möglich ist. Als passendes Thema zur ersten Online-Edition von Chinacool erzählte er uns in seinem Vortrag über seine Erfahrungen mit dem Online-Unterricht.

Zuerst berichtete Raphael über seine persönlichen Erfahrungen am Anfang der Pandemie, als er noch in Peking war. Danach stellte er erst zwei allgemeine Formen des Online-Unterrichts vor, synchronen und asynchronen Unterricht. Beim synchronen Unterricht sind Dozenten und Teilnehmer gleichzeitig in einer Online-Konferenz und können sich gegenseitig unterhalten. Asynchroner Unterricht besteht beispielsweise aus Videos oder Powerpoints, die die Studierenden beliebig bearbeiten können.

Raphael Senghaas ging auch auf die Vor- und Nachteile ein, die Online-Unterricht seiner Ansicht nach mit sich bringt. So wird Online-Unterricht teilweise durch technische Probleme beeinträchtigt. Auch die Zeitverschiebung (wenn ein Austauschstudierender in sein Heimatland zurückkehrte und dann noch an synchronen Kursen in China teilnimmt), die eingeschränkten Möglichkeiten zur Interaktion und die lange Zeit, die man vor einem Bildschirm verbringt, sind negativ anzumerken. Auf der anderen Seite hat Online-Unterricht auch einige Vorteile: Er ist nicht ortsgebunden und man ist zeitlich flexibler. Besonders bei asynchronem Unterricht kann man außerdem gut in seinem eigenen Tempo lernen. Alles in allem bietet Online-Unterricht eine gute Alternative in der aktuellen Zeit und seine Möglichkeiten sollten auch in der Zukunft wahrgenommen werden.

Aufgrund der aktuellen Situation wurde Chinacool dieses Mal zum ersten Mal online durchgeführt. Wir bedanken uns bei allen Zuschauern und freuen uns, dass wir Chinacool als Livestream weiterführen konnten und solange es die Situation erfordert auch in dieser Form beibehalten. Bis zum nächsten Mal!