Mondfest 2012

Mondfest 2012: Ein großes Fest in China, ein gelungenes auch in Heidelberg!

 

Termin: Samstag, 29. September 2012
Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg, Speyerer Straße 6, 69115 Heidelberg

Am Samstag, den 29. September 2012 waren Freunde, Förderer und Gäste ins Konfuzius-Institut Heidelberg eingeladen, um mit einem Tag der offenen Tür zum einen das chinesische Mondfest und zum anderen das dritte Jubiläum der Gründung des Konfuzius-Instituts Heidelberg zu feiern. Dieser Einladung zum Kennenlernen des Instituts und unseres Teams kamen rund 300 Gäste nach.

In ihrer Begrüßung erzählte die geschäftsführende Direktorin des Konfuzius-Instituts Petra Thiel auch eine der zahlreichen Legenden, die sich um das Mondfests ranken. Besonders die Kinder lauschten gespannt der Legende vom Bogenschützen Hou Yi, der während einer großen Dürre auf Bitten des Himmelskaisers Yao neun von zehn Sonnen, die damals über der Erde brannten, vom Himmel schoss. Die kleinste Sonne ließ Yao am Leben, weil es sonst auf der Erde unerträglich kalt und dunkel gewesen wäre, sie sollte von jenem Tag an jeden Morgen im Osten aufgehen und am Abend hinter den Bergen im Westen wieder untergehen. Zur Belohnung für diese Tat erhielt Hou Yi vom Himmelskaiser für sich und seine Frau Chang’e das Mittel der Unsterblichkeit. Allerdings wurde er gewarnt, dieses Mittel auf keinen Fall alleine und auf einmal einzunehmen. Seine Frau Chang‘ e, die mit Hou Yi aus dem Reich der Unsterblichen zur Erde gekommen war, konnte es eines Tages nicht mehr erwarten wieder dorthin zurückzukehren. Sie nahm alles davon ein, wurde immer leichter und entschwebte zum Mond. Seitdem lebt sie dort getrennt von ihrem geliebten Hou Yi. Nur einmal im Jahr, am Mondfest, wenn der Mond besonders rund und strahlend ist, darf Hou Yi seine Frau besuchen.

Nach dieser Einstimmung startete das Programm in vier verschiedenen Räumen. Die Geschichte von Hou Yi und Chang’e wurde von der Kinderlesegruppe Heidelberger Bücherwürmer mit bunten Kostümen nachgespielt. Auch viele andere Geschichten in chinesischer und deutscher Sprache konnten die Kinder an diesem Tag noch gemeinsam lesen. Im Chinesisch-Schnupperkurs wurden die ersten Worte und Sätze erlernt und bei Zhang Zhenran im Kalligraphiekurs die ersten Schriftzeichen zu Papier gebracht. Auch bei den Heidelberger Go Spielern herrschte großer Andrang. Hier konnten Besucher eine Partie Weiji, eine Art chinesisches Schachspiel, ausprobieren. Eine Einführung in die kunstvolle Art der chinesischen Teezeremonie erhielten die Besucher von Kaja Müller-Wang und ihrem Mann Thomas Wang vom Heidelberger Tee-Salon Tea&Zen. Während Thomas Wang die Teezubereitung kunstvoll zelebrierte, erklärte Kaja Müller-Wang den Gästen die Abläufe dieser Zeremonie und informierte über die vielen verschiedenen Teesorten und ihre Besonderheiten. Vom Geschmack von Oolong-Tee oder Perlentee (珍珠奶茶) konnten sich die Besucher dann selbst überzeugen. Auf große Begeisterung stießen die traditionellen Lieder, die Zhang Yuanfang ihrer Guzheng entlockte. Manchmal von Gesang begleitet, manchmal durch den Gitarristen Ralph Kern, verzauberte sie mit dem Klang ihres Instruments und mit ihrem Charme das Publikum. Besonders die Kinder folgten gebannt dem virtuosen Spiel über die Saiten des großen Holzinstruments. Für die kleinen Gäste gab es außerdem chinesischen Scherenschnitt und Comiczeichnen, und viele gingen mit ihrem chinesischen Sternzeichen als Comiczeichnung nach Hause. Am Buffet konnten die Gäste nicht nur Mondkuchen, sondern später auch köstliche Jiaozi und frisch zubereiteten Perlentee kosten.

Marie Sander, Kulturwissenschaftlerin und derzeit Doktorantin im Fach Ethnologie am Exzellenzcluster der Universität Heidelberg „Asien und Europa im globalen Kontext“ beschloss mit ihrem Vortrag Nächster Halt Shanghai – Geschichten deutscher Jugendlicher aus Chinas Megastadt den Abend.

Globalisierung und Internationalisierung von Unternehmen haben unsere Lebenswelten verändert. Fernreisen oder Produkte aus allen Ländern der Welt im Supermarkt zu kaufen, zählt mittlerweile schon fast zur Normalität. Für Angestellte in international tätigen Unternehmen und ihre Familien sind die Auswirkungen dieser Entwicklung aber von ganz anderer Dimension. Mit diesem Thema, insbesondere mit den Erfahrungen und Erlebnissen Jugendlicher „Expats“ an der Deutschen Schule in Shanghai, beschäftigt sich die Ethnologin Marie Sander in ihrer Forschung, deren Ergebnisse sie in ihrem Vortrag am Mondfest 2012 im Konfuzius-Institut Heidelberg vorstellte. Der Begriff „Expat“ bezeichnet ganz allgemein Menschen, die für eine gewisse Zeit nicht in ihrem Heimatland leben und arbeiten. Wie auch in Shanghai leben diese Gruppen oft abgegrenzt von der Bevölkerung in eigenen Wohngebieten und kommen mit der Kultur des Landes, in dem sie leben, häufig kaum in Kontakt. Dies berichten auch die Jugendlichen, die Marie Sander im Rahmen ihrer Feldforschung interviewen konnte. Ihr Wochenalltag ist geprägt von Schule, Lernen, Sport und ihren Hobbies. Mit Freunden essen gehen und „Party machen“ sind dagegen fester Bestandteil der Wochenendplanung. Mit chinesischer Kultur kommen sie dabei nicht wirklich in Kontakt. Dies bemerken die Jugendlichen in ihrem täglichen Leben und viele bedauern diesen Zustand sehr. Manche fühlen sich „eingesperrt“ in ihrer Wohngegend. Freiheit finden sie in der Mittagspause und nach dem Unterricht in den kleinen Straßen und Restaurants in der Umgebung ihrer Schule. Mit der Methode des „Mental Mappings“ erforscht Marie Sander, Doktorandin am Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“, wie die Schüler „ihr Shanghai“ und ihre Position darin sehen. So zeichnen die einen neben Schule und Wohnhaus bekannte Shanghaier Nachtclubs, Ketten wie Starbucks oder Subway in ihre persönliche Shanghai-Karte sowie andere Wahrzeichen wie den Pearl-Tower oder die Wohnhäuser ihrer Freunde. Aber nicht nur über Freiheit und ihre Position innerhalb der Kultur Shanghais machen sich die Jugendlichen Gedanken. Auch die Bedeutung von Heimat, ihr Familienleben, das Berufsleben und die Karriere der Eltern sind Themen, mit denen sich viele der interviewten Schüler sehr reflektiert und intensiv auseinander setzen, so Marie Sander. Heimat ist ein wichtiger Bestandteil in der Herausbildung der eigenen Identität. Wie baut man sich jedoch eine eigene Identität auf, wenn der Begriff Heimat mehr mit Umzügen als mit einem „richtigen“ Zuhause im Sinne eines beständigen, bleibenden Wohnsitzes verbunden ist? Wie fühlt es sich an, wenn sich Freundeskreis, Klassenverband und das Land, in dem man lebt, immer wieder verändern? Wie verhindert man, dass man „wie eine Seerose ohne Wurzel im Wasser treibt“, wie es ein Schüler in einem der zahlreichen Interviews sehr treffend beschrieb? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen die Jugendlichen und ihre Familien. Haben manche mit dem bildlich gesprochenen „wurzellosen Treiben“ ihre Schwierigkeiten, so ist vielen Schülern dennoch bewusst, welche Bedeutung der Wechsel nach Shanghai für die Karriere ihrer Eltern hat. Viele zeigen großes Verständnis für ihre Eltern und deren Wunsch, die Familie „mitzunehmen“- auch wenn einige Jugendliche erst mit dem Gedanken spielten, ins Jugendheim zu gehen, oder sich zunächst fragten, warum sie mit nach China kommen sollen, wenn sie dort dann doch keine Zeit mit ihren Eltern verbringen können, da sich der Schulalltag der mitgereisten Kinder oftmals nicht so leicht mit dem umfangreichen und mit häufigen Reisen verbundenen Arbeitsalltag der Eltern verbinden lässt. Die Alternative -ein Wechsel des Arbeitsplatzes – könnte schließlich einen Karriereknick oder auch den Arbeitsplatzverlust des Elternteils bedeuten. Und das wissen die Jugendlichen nur zu gut. Am Tag, an dem das zweitgrößte chinesische Familienfest, das Mondfest, im Heidelberger Konfuzius-Institut gefeiert wurde, brachte Marie Sander einem interessierten Publikum die komplexe Lebenssituation dieser jungen Menschen näher. Sie zeichnete ein lebendiges Bild von Jugendlichen, die privilegiert aufwachsen und viel von der Welt sehen, und für die, wie für andere Kinder und Jugendlichen auch, Freunde und Familie letztlich am wichtigsten sind.

Wir danken allen Mitwirkenden, die zum Erfolg des Fests beigetragen haben, ganz besonders unseren Gästen, deren großes Interesse uns beflügelt hat! Wenn Sie über weitere Veranstaltungen des Konfuzius-Instituts Heidelberg informiert werden möchten, melden Sie sich bitte unter info@konfuzius-institut-heidelberg.de für unseren Verteiler an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Bericht über das Mondfest im Konfuzius-Institut Heidelberg im Rheinneckarblog.

Summer School 2012

Summer School 2012 in Shanghai und Beijing

 

Termin: August / September 2012
Ort: Shanghai, Hangzhou, Beijing

Auch in diesem Jahr hatten wieder Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen die Möglichkeit, mit dem Konfuzius-Institut Heidelberg nach China zu reisen. Zweieinhalb Wochen erweiterten die rund zwanzig Teilnehmer ihre Chinesisch-Kenntnisse an der Partneruniversität des Heidelberger Konfuzius-Instituts, der Jiaotong Universität in Shanghai und erhielten darüber hinaus noch Unterricht in chinesischer Kampfkunst (wushu) und Kalligrafie. Die neu erworbenen Sprachkenntnisse konnten nach dem Unterricht gleich in die Praxis umgesetzt werden – jedoch nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Zum Beispiel kann Essen bestellen in China ganz schön schwierig sein, wenn man noch nicht viele Schriftzeichen kennt. In welchem Gericht ist Fisch, wie bekomme ich, was mir gestern so gut geschmeckt hat? Wo gibt es die besten Jiaozi (饺子 chinesische Teigtaschen) und wie hieß doch gleich dieses grüne Kraut, das in den Garküchen immer so großzügig über alle Gerichte gestreut wird? Diese wichtigen Fragen bewegten vor allem in den ersten Tagen die Gemüter. Aber auch hier war der Lernfortschritt rasant. Am Ende der Reise konnten alle ihre Lieblingsgerichte und Getränke bestellen und auch andere Alltagssituationen sprachlich meistern. Neben chinesischer Sprache,  Kunst und Kultur lernten die Teilnehmer auch Shanghai, seine Menschen, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten kennen. „Was mich besonders an Shanghai begeistert hat, war die Mischung aus Alt und Neu, von Tradition und Moderne“, sagt Anna Schiller, Studentin am Institut für Sinologie in Heidelberg. „In Tianzi Fang kann man durch gemütliche, kleine Gassen schlendern, während man sich in Pudong zwischen den riesigen Wolkenkratzern wie ein Zwerg fühlt. Toll war, dass wir während des Summercamps auch genügend Freizeit hatten, um Shanghai richtig zu erkunden.“ Auch gemeinsame Unternehmungen standen auf dem Programm. Die Teilnehmer besuchten die frühere Residenz von Song Qingling, der als „Madame Sun Yat-sen“ bekannt gewordenen Ehefrau des ersten Präsidenten der Republik China und den berühmten Yu-Garten, sie sahen die höchste Bar der Welt und sangen Karaoke. Ein besonderes Erlebnis war für Jan-Martin Spreitzenbarth der Besuch des Konfuzius-Tempels in Shanghai. „Im Konfuzius-Tempel habe ich mich richtig wohl gefühlt“, berichtet er, „sobald die Leute dort erfahren hatten, dass wir vom Konfuzius-Institut Heidelberg kommen, um in Shanghai Chinesisch zu lernen und die chinesische Kultur kennenzulernen, waren sie sehr begeistert und sofort bereit, uns an ihrer Kultur teilzuhaben.“ In Hangzhou besuchte die Gruppe den berühmten Westsee(西湖), den Lingyin-Tempel (灵隐寺) und am Abend einen chinesischen Nachtmarkt. In China sagt man: „Im Himmel gibt es das Paradies, auf der Erde gibt es Suzhou und Hangzhou.“ (上有天堂,下有苏杭) – eine sehr prägnante Liebeserklärung der Chinesen an diese beiden in der Provinz Zhejiang gelegenen und häufig angesteuerten Reiseziele. Aus Hangzhou, so erfuhren die Teilnehmer, stammen nicht nur berühmte chinesische Dichter, sondern auch die schönsten Konkubinen aller Zeiten. Auch wenn man darüber in anderen chinesischen Städten natürlich anderer Meinung ist. Wie bekannt Hangzhou ist, entdeckten die Teilnehmer selbst: Als sie auf der Rückseite der Ein-Yuan-Noten den Westsee wiedererkannten, war die Begeisterung groß. Die letzte Reiseetappe, bevor es wieder zurück nach Deutschland ging, hinterließ bei Anna Schiller einen ganz besonderen Eindruck. „Besonders spannend war die Fahrt mit dem Nachtzug von Shanghai nach Beijing, da konnte man so richtig in das chinesische Alltagsleben eintauchen und China noch einmal ganz neu kennen lernen.“ Nachdem die anfängliche Skepsis, ob man in den „kleinen“ Betten auch wirklich würde schlafen können und ob es sich überhaupt bewerkstelligen ließe, in das obere der drei Hochbetten hinein zu klettern, verflogen war, wurde die Fahrt für alle zu einem echten Erlebnis. In Peking standen schließlich die großen Wahrzeichen Chinas auf dem Programm: Der Platz des Himmlischen Friedens, derehemalige Kaiserpalast und die Große Mauer. Mit einer Rikscha erkundete die Gruppe die typischen engen Pekinger Gassen mit ihren traditionellen Wohnhöfen – ein starker Kontrast zu den vielen Hochhäusern, die das Shanghaier Stadtbild prägen.  Ein großes Pekingente-Essen bildete den Abschluss dreier Wochen voller neuer Erlebnisse in China.

Auch im nächsten Jahr findet wieder eine Summer School in China statt. Die Bewerbungsfrist geben wir auf unserer Homepage bekannt.