Sinology goes public: Rezeptionsästhetik chinesischer Videospiele – Ästhetische Darstellung in Video- und Computerspielen

Am Donnerstag, den 24. Februar 2022 starten wir in unserer Vortragsreihe „Sinology goes public“ im neuen Jahr mit Chang Ming Ly und seinem Vortrag über „Rezeptionsästhetik chinesischer Videospiele – Ästhetische Darstellung in Video- und Computerspielen“. „Sinology goes public bietet Nachwuchswissenschaftler:innen eine Plattform, um ihre Forschungsthemen einem interessierten Publikum vorzustellen.

Video- und Computerspiele haben in Deutschland ihren Weg aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft gefunden, doch wird deren Rezeption weiterhin von der Debatte über Gewalt(darstellungen) in Videospielen dominiert. So beschränkte sich der öffentliche Diskurs oft auf die negativen Auswirkungen, sowie die Herabsetzung angeborener und kulturell bedingter Hemmschwellen der Rezipient:innen. Die akademische Welt befeuerte diesen Diskurs lange Zeit, indem auch sie ihre Forschungsschwerpunkte auf die mögliche Manipulation der Rezipient:innen durch Video- und Computerspiele und deren Langzeitfolgen in den Fokus rückte. Dass Videospiele jedoch auch das Potential besitzen, Menschen eine diverse Bandbreite von Emotionen auf unterschiedlichen Ebenen intensiv durchleben und spüren zu lassen, wurde in der Debatte eher selten thematisiert.

Inzwischen haben mehrere Forschungszweige dazu beigetragen, dass die Untersuchungen zu Videospielen facettenreicher und ausgewogener ausfallen. Allen voran sind die Bemühungen und Erkenntnisse der noch jungen Disziplin „Game Studies“ im Hinblick auf ästhetische und narrative Aspekte von Computerspielen zu nennen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einheitliche Analysemethoden zur Ästhetik des Mediums zu entwickeln.

Innerhalb dieses Rahmens untersucht die Rezeptionsästhetik, wie Rezipient:innen Computerspiele warhnehmen, stellt dabei Fragen nach dem Inhalt zugunsten von Fragen nach ausgelösten Wahrnehmungen in den Hintergrund und legt einen besonderen Wert auf die dabei ablaufenden Prozesse. Über welche partikularen Elemente zur ästhetischen Gestaltung verfügt das Medium und in welcher Wechselwirkung stehen diese zu den Rezipient:innen? Zeigen chinesische Videospiele in dieser Hinsicht Besonderheiten auf, die als ein “chinesischer Stil” bezeichnet werden können?

Mit diesen – und anderen – Fragen beschäftigt sich Chang Ming Ly in seinem Vortrag.

Die Veranstaltung findet online statt, eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Um zur Veranstaltung zu gelangen, klicken Sie bitte hier:

Chang Ming Ly ist Mitarbeiter des Konfuzius-Institut Heidelberg und promoviert derzeit im Rahmen des a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne Programms an der Universität zu Köln im Fachbereich Chinastudien. Er hat in Köln und Zhuhai studiert.

ChinaCool-Online: Wo sich die Tiger tummeln

Die erste Ausgabe von ChinaCool in diesem Jahr findet wieder einmal online statt. Referentin Wang Shangshang studierte in Heidelberg und promoviert nun an der Ludwig-Maximilians Universität in München. Am 1. Februar begann das Jahr des Tigers. Passend dazu befasst sich unser ChinaCool-Vortrag dieses Mal mit Tigern in der chinesischen Sprache und Kultur.

Beim Chinesischlernen begegnen einem oft “Tiger”. Recht früh beispielsweise lernt man den Ausdruck 马马虎虎 mǎmǎ hǔhǔ (wörtl. “Pferd Pferd, Tiger Tiger”, bedeutet “so lala”) kennen. In der Februarausgabe von ChinaCool 2021 (Vom Übersetzen und seinen Tücken) wurde das Sprichwort 骑虎难下 qíhǔ nánxià (wörtl. “Wenn man auf einem Tiger reitet, ist es schwer, abzusteigen”, etwa “Wer A sagt muss auch B sagen”) angesprochen. Dies sind nur zwei Beispiele von Sprichwörtern und Redewendungen, die in Verbindung zu “Tigern” stehen. Darüber hinaus werden im Vortrag auch einige Mythen und Geschichten mit und über “Tiger” angesprochen. Seien Sie gespannt!

Die Veranstaltung findet online statt. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Um zur Veranstaltung zu gelangen, klicken Sie bitte hier:

Was ist ChinaCool?

Was wissen Deutsche eigentlich über China? Wie denkt man in Deutschland über China und welche Vorstellungen haben Chines:innen im Gegenzug von Deutschland und was denken Chines:innen über Deutsche?

Bei Chinacool hinterfragen wir gängige Vorurteile und Stereotypen über China und Deutschland und lernen den kulturellen Hintergrund des “anderen” Landes besser kennen. In Kurzvorträgen stellen wir Themen vor, die uns persönlich interessieren, die in China oder Deutschland gerade aktuell sind und uns Einblicke geben in Denken und Kultur in China wie in Deutschland. In kleinen Gruppen unterhalten wir uns in deutscher und chinesischer Sprache und lernen so China und Deutschland nicht nur aus einer oft ganz neuen Perspektive kennen, sondern haben auf diese Weise auch die Möglichkeit, unsere Sprachkenntnisse zu vertiefen, Sprachpartner:innen und Freunde zu finden.

Wir wollen gemeinsam lernen, dabei viel Spaß haben und Themen diskutieren, die uns ganz persönlich interessieren. Chinacool wird gemeinsam mit den Teilnehmer:innen organisiert. Ihr könnt eure Ideen einbringen und gemeinsam mit uns das Format gestalten. Wir freuen uns auf euch!

Neujahrskonzert 2022 – Trommelwirbel zum Jahr des Tigers

Am 04.02.2022 wünschte das Konfuzius-Institut Heidelberg schon zum zweiten Mal in diesem Jahr allen ein frohes neues Jahr—diesmal jedoch in Form eines eindrucksvollen Konzerts in der Hebelhalle Heidelberg anlässlich des chinesischen Frühlingsfests, das den Beginn des Jahrs des Tigers markierte.

Die beiden Künstlerinnen des Abends, die Multi-Perkussionistin Shengnan Hu und die Pianistin Fang Liao, performten in der Hebelhalle vor insgesamt 111 Gästen ein eigens arrangiertes Set, bestehend aus Werken von Komponisten aus unterschiedlichen Regionen und Zeiten, unter anderem Huanzhi Li, Johann Sebastian Bach und Arturo Marquez. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in die Besonderheiten des chinesischen Frühlingsfests durch Dr. Petra Thiel, Direktorin des Konfuzius-Institut Heidelberg, erklang der charakteristische Auftakt der Frühlingsouvertüre von Huanzhi Li aus dem Jahre 1956, einem Klassiker, der auf keiner Neujahrsgala fehlen darf.

Bereits die angekündigten Namen der Komponisten versprachen im Vorfeld für den Abend eine große Varietät an Klangbildern—eine künstlerische Überlegung, die sich wie ein roter Faden durch das Programm zog. So verwunderte es niemanden, dass die musikalisch vertonten, wilden Straßenfeste Chinas in die majestätischen Klänge der Barockzeit überleiteten. Dynamisch und kontrastreich trugen die beiden Künstlerinnen den ersten Satz des italienischen Konzerts von Johann Sebastian Bach vor und hinterließen das Publikum in einer von Gegensätzen bestimmten Atmosphäre zurück, indem sie hinter den schwarzen Vorhängen der Bühne verschwanden. 

 

  • Simplizität, Virtuosität und offene Münder

Kleine Trommel

 

Die „Kleine Trommel“, ein kleines, geradezu unscheinbares Instrument, wurde im abgedunkelten, ehemaligen Lagerhaus, der passenden Kulisse für diesen Konzertabend, als einziges Objekt auf der Bühne vom Scheinwerferlicht angestrahlt. Einige Minuten lang schauten mehr als hundert Menschen in andächtiger Stille gebannt auf das reduzierte Instrumentenarrangement: die kleine Trommel, die daneben liegenden Schlagstöcke und einen Jazzbesen, ohne zu wissen, was sie wohl als nächstes erwarten sollte.

Als die Spannung kaum mehr auszuhalten war, erlöste Shengnan Hu das Publikum, indem sie die Bühne wieder betrat – diesmal jedoch ohne ihre Begleitung Fang Liao, um sogleich das Snare Drum Solo „Asventuras“ von Alexej Gerassimez mit Schlägen der beiden Schlagstöcke aufeinander einzuleiten. Was zunächst so leicht anmutete, entwickelte sich jedoch – das Publikum ahnte es auch bereits – zu einem Sturm, der sich entlud, als beide Schlagstöcke das Fell der kleinen Trommel zum ersten Mal berührten. Spätestens ab diesem Moment, an welchem zwei einfache Schlagstöcke in Kombination mit einer kleinen Trommel so klangen, als würde eine gesamte Trommelparade gleichzeitig spielen, war jedem im Raum bewusst, dass vor ihnen eine wahre Virtuosin ihres Instrumentes steht.

Die präzise, aber dennoch druckvolle Zurschaustellung der Dynamik des Stücks mit nur einer Trommel, begleitet vom mittlerweile tosenden Regen, sorgte im Publikum reihenweise für offene Münder. So bescheiden wie das anfängliche Bühnenbild nahm Shengnan Hu die stehenden Ovationen entgegen und leitete mit Fang Liao in das nächste Stück von Geramissez, „Piazonore“, über, was mit seinen jazzigen Klängen auf die Zuschauer wie eine kleine Pause und ein gelungenes Gegenstück zu „Asventuras“ wirkte. Einen kleinen Eindruck der geschilderten Szenen könnt ihr hier erhalten.  

  

  • Verträumt und leidenschaftlich 

Atmosphärische Szenerie

 

Nach der beachtlichen Demonstration von roher Gewalt und Präzision an der kleinen Trommel deuteten alle Zeichen auf einen erneuten Bruch im Programm hin. Ähnlich wie zuvor wurde das Publikum abermals mit seinen Eindrücken allein gelassen, doch diesmal erstrahlte die Bühne in einem angenehmen rötlichen Licht, was an die Farben einer Abenddämmerung erinnerte.

Anders als Shengnan Hu spannte Fang Liao das Publikum nicht in einer spannungsvollen Stille auf die Folter, sondern fügte sich schnell mit ihrem passenden roten Kleid in die rot erleuchtete Szenerie ein und ließ sogleich die ersten Töne des Solostücks für Klavier, „Colourful Clouds Chasing the Moon – 彩云追月“ von Ren Guang, erklingen. Weich, warm aber dennoch mit einer erstaunlichen Präzision und Klarheit wurde das poetisch anmutende Stück vorgetragen, das wohl jedes chinesische Kind mindestens ein Mal im Klavierunterricht spielen musste. Die verträumte lyrische Melodie in der typischen chinesischen Pentatonik klang wie das genaue Gegenstück zum Solobeitrag von Shengnan Hu und ließ ein zweites Mal keinen Spielraum für Zweifel an den Fähigkeiten der Künstlerin zu.

Für den Schlusstakt standen wieder beide Virtuosinnen auf der Bühne und ließen mit der „inoffiziellen Nationalhymne“ Mexikos, dem „Danzon No. 2“ von Arturo Marquez an diesem Abend lateinamerikanische Rhythmen in Heidelberg erklingen. Ursprünglich als Tango für ein gesamtes Orchester komponiert, arrangierten die beiden Künstlerinnen das Stück für ein Duett für Klavier und Perkussion um, in dem die Eigenheiten ihrer Instrumente bestens in Szene gesetzt wurden, ohne dabei den eigentlichen Charakter des Stücks zu verlieren. Der Lohn: tosender Applaus.

Zugabe!

 

Bevor der Konzertabend jedoch tatsächlich zu Ende gehen konnte, verkündete Shengnan Hu augenzwinkernd mit den Worten Ihr erkennt das alle!“ ihre Zugabe. Mit „Csárdás“, dem wohl bekanntesten Werk des italienischen Komponisten Vittorio Monti, schloss das Neujahrskonzert angemessen. Ursprünglich ein Wandergedicht, begleitet von Violine, Mandoline und Klavier, zeigten Shengnan Hu und Fang Liao noch einmal ihr ganzes Können an ihren Instrumenten. Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus und stehenden Ovationen. Wer an diesem Abend nicht dabei war, hat wirklich etwas verpasst!    

Eindrücke:

Dr. Petra Thiel

Präzision und Wucht

Gruppenbild