ChinaCool: Vom Übersetzen und seinen Tücken

Wir haben uns sehr gefreut, Johanna Bernatzky als Referentin für unseren ChinaCool Online-Vortrag im Februar begrüßen zu dürfen! Nach einer kurzen Einführung zu sich selbst und zu den Unterschieden zwischen Übersetzen und Dolmetschen begann sie auch gleich mit den drei „W“s in der Werkzeugkiste des Übersetzens: Wörter, Wissen und Wagemut.

 

Wörter:

Schon beim ersten „W“ der Werkzeugkiste zeigen sich viele Tücken des Übersetzens und Dolmetschens. Als gutes Beispiel eignen sich Sprichwörter. „Wenn man auf einem Tiger reitet ist es schwer, runterzukommen“ 骑虎难下 ist ein sehr bildlicher Ausdruck und für Deutsche auf Anhieb vielleicht nicht ganz einleuchtend. Auf der anderen Seite würde „Wer A sagt muss auch B sagen“, was von der Bedeutung her ähnlich ist, für Chinesen ebenso wenig Sinn ergeben. Bei anderen Sprichwörtern ist es dann etwas leichter (z.B. 倾盆大雨 „Regen wie aus umgeschütteten Kübeln“). Neben Sprichwörtern gibt es noch andere Tücken. Zum Beispiel wären da Eigennamen (默克尔 für Angela Merkel), tückische Wortkombinationen (半 „halb” 天 „Tag“ und 半天 „Eine lange Zeit“) oder auch regional unterschiedliche Ausdrücke (土豆 oder 马铃薯 für Kartoffel).

 

Wissen:

Neben der Sprache, die fürs Übersetzen natürlich maßgeblich ist, muss man sich auch noch einiges an Wissen aneignen. Zuerst ein Beispiel, das vielen Chinesischlernenden Kopfschmerzen bereitet: Das eigene Wort für die Zahl 10.000 万. Wenn man das Zählen in Tausenderschritten gewohnt ist, schleichen sich da schnell Fehler ein. Besonders beim Dolmetschen, welches schnelles Denken erfordert, kann sich dies als tückisch erweisen. Johanna hat für diese Fälle auf der letzten Seite ihres Notizblocks eine Tabelle mit den Umrechnungen. Der Notizblock ist eines der wichtigsten Werkzeuge für das Konsekutivdolmetschen. Hier macht man sich schnell Notizen des Gesagten, dass man beim Dolmetschen nichts vergisst. Zwar gibt es dafür auch in Lehrwerken vorgeschlagene Systeme, aber am Ende ist das Wichtigste, dass man selbst mit den eigenen Notizen zurecht kommt. So hat auch Johanna ihr eigenes System, welches Sie an einem Beispiel kurz zeigte.

 

Wagemut:

Alles beginnt mit dem Wagemut, eine Sprach überhaupt erst so gut zu lernen, dass man sie auch übersetzen oder dolmetschen kann. Man muss den Mut fassen, die Sicherheit des eigenen Landes zu verlassen und sich in dieses hybride Dasein zu begeben. Auf diesem Weg lernt man viel Unbekanntes, auch über sich selbst.

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