ChinaCool: Famulatur in Wuhan
/in 2020, ArchivFünf Studierende der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg – Yvonne, Lisa, Theresa, Rebecca und Jan – machten sich im Juli 2019 auf nach Wuhan, um dort erste klinische Erfahrungen zu sammeln. Im Zuge einer langjährigen erfolgreichen Universitätskooperation bietet die Medizinische Fakultät seinen Studierenden die Möglichkeit, eine ihrer Famulaturen am Tongji Medical College 同济医学院 der Huazhong University of Science and Technologie 华中科技大学 zu absolvieren. In der ChinaCool-Sitzung im November erzählten einige von Ihnen von ihren Erlebnissen dort.
Zuerst gab es eine kurze Einführung zu Wuhan als Stadt und eine Erklärung des Bewerbungsprozesses. Wuhan, die „Stadt der Hundert Seen und Parks“, ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Hubei und eine der drei heißesten Städte in China. Das Tongji Medical College in Wuhan ist ein Ableger des ursprünglich in Shanghai gegründeten Tongji Hospitals. Das Tongji Hospital wurde vom deutschen Arzt Dr. Erich Paulun gegründet, eine perfekte Basis für den deutsch-chinesischen Austausch an dieser Einrichtung!
Als Großstadt hat Wuhan auch einiges zu bieten. In der „Stadt der hundert Seen und Parks“ prägen eben diese das Stadtbild und bieten eine willkommene Abwechslung zu Hauptverkehrsstraßen und Hochhäusern. Clubs und vor allem Karaoke dürfen als Freizeitaktivität natürlich ebenfalls nicht fehlen. Essenstechnisch sind in Wuhan vor allem die règànmiàn 热干面 („Heiße trockene Nudeln“) bekannt. Ebenfalls die Frühstücksspeisen dort können überzeugen.
Natürlich waren die Heidelberger Famulanten nicht nur zum Spaß in Wuhan. Auch während ihrer Famulatur am Tongji Medical College haben sie einige interessante Sachen erlebt. Hier gab es einige Besonderheiten. Zum Beispiel wären da die Unterschiede im Dresscode im Vergleich zu deutschen Krankenhäusern. Während diese in Deutschland eher streng sind, konnte man während der Arbeit im Krankenhaus der Universität in Wuhan auch offene Schuhe wie Sandalen oder High Heels tragen. Was für die Studierenden aus Heidelberg sehr gut war, war die Chance in Bereiche hineinzuschauen, die jemandem bei einer Famulatur in einem deutschen Krankenhaus eher nicht begegnen würden. So entschieden sich einige aus der Gruppe, einige Zeit in der Abteilung für traditionelle chinesische Medizin zu verbringen. Was allen auch besonders gefallen hat, war die individuellere Betreuung bei der Famulatur. Durch eine kleinere Gruppengröße konnte man viel aktiver lernen. Die Famulatur in Wuhan abzuschließen konnten alle demnach nur empfehlen.
ChinaCool: Weihnachten in China und Deutschland
/in 2020, ArchivAnlässlich der Jahreszeit haben wir die letzte Ausgabe von „ChinaCool“ Jahr 2020 dem Thema „Weihnachten“ gewidmet. Insgesamt drei Studierende haben über ihre Erfahrungen in China und in Deutschland berichtet: Anne Joksch und Arved Bläschke studieren Sinologie in Heidelberg. Im Zuge ihres Studiums sind beide für ein Auslandsjahr nach China gegangen, Anne nach Nanjing und Arved nach Shanghai. Liu Wanying kommt ursprünglich aus Xi’an und macht nun ihren Master in Heidelberg. Alle drei erzählten uns von ihren Erfahrungen während der Weihnachtszeit im jeweils anderen Land.
Den Anfang machte Arved. Er begann mit dem Hinweis, dass Weihnachten in China natürlich kein gesetzlicher Feiertag ist und dass sie deshalb an den Tagen normal Unterricht hatten. Allerdings hatte seine Klasse eine Lehrerin, die einige Zeit in den USA gelebt hat und deshalb auch einige weihnachtliche Aktivitäten mit den Schülern organisierte. So kam es unter anderem dazu, dass Arveds Klasse wichtelte. Da sich alle noch nicht so lange kannten und man deshalb unsicher war, was den jeweiligen Wichtelpartnern gefallen könnte, haben die meisten am Ende Sachen aus ihrer Heimat verschenkt. So wurde aus dem Wichteln nicht nur ein Geschenk-, sondern auch ein Kulturaustausch. Zum Abschluss hatte Arved noch einen Tipp für die Weihnachtszeit in China: Wer die Möglichkeit hat, sollte die Gelegenheit zum Reisen nutzen. Da Weihnachten in China kein Feiertag ist, sind die meisten touristischen Reiseziele weniger besucht und man kann sie quasi für sich allein genießen.
Danach berichtete Wanying, wie sie als Chinesin Weihnachten in Deutschland wahrgenommen hat. In China sieht sie Weihnachten eher als ein Shopping-Festival als ein Fest für die Familie mit religiösem Hintergrund. Dann stellte sie einige Sachen vor, die für sie besonders waren. Am Frankfurter Weihnachtsmarkt hat sie beispielsweise zum ersten Mal ein Karussell gesehen. Auch Adventskalender kannte sie so aus China nicht und sie berichtete, wie sie ganz aufgeregt war, als sie die erste Tür in ihrem Kalender öffnete. Da sie in Deutschland keine Familie hat, ist Weihnachten für Wanying eine Zeit, die sie mit ihren Freunden verbringt, beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt. Dort hat sie auch schon einige Weihnachtsleckereien für sich entdeckt. Auf Reisen während der Weihnachtszeit konnte sie außerdem die schöne Dekoration in verschiedenen Städten Deutschlands und Europas bewundern.
Zum Abschluss erzählte uns Anne noch ein wenig über ihre besondere Erfahrung in Nanjing: Ihre Universität organisierte tatsächlich eine Weihnachtsfeier. Die war ihrer Meinung nach allerdings etwas kitschig und nicht so richtig weihnachtlich. Weihnachtsgefühle kamen auf, als sie von einer chinesischen Freundin Plätzchen bekam. Zudem wurde Anne noch selbst aktiv: Sie gründete kurzerhand einen eigenen Chor der ein paar Weihnachtslieder, auch aus Deutschland, einstudierte. An der deutschen Aussprache hatten einige der Choristen anfangs sehr zu knabbern, aber es lief am Ende sehr gut. Ihre Lieder konnten sie dann auf der kombinierten Weihnachts- und Neujahrsfeier der Universität aufführen. Neben der offiziellen Weihnachtsfeier der Universität organisierten einige Studierende noch eine eigene Weihnachtsfeier, für die sie extra eine Villa mieteten. Allerdings kam dort für Anne auch keine richtige Weihnachtsstimmung auf, da es eher einer normalen Party glich. Eine Kuriosität nannte sie noch zum Abschluss: Teilweise hängt und steht die Weihnachtsdekoration, beispielsweise an einigen Orten der Universität. das ganze Jahr über.
Der Vortrag war ein super Einblick in unterschiedliche Erfahrungen zur Weihnachtszeit. Wir hoffen, dass auch alle Teilnehmenden auf ihre Weise eine schöne Weihnachtszeit verbringen können!
Sinologie in den Beruf digital mit Dr. Christian Straube
/in 2020, Archiv, VeranstaltungenAm 01.12.2020 stellte Dr. Christian Straube, Programm-Manager im China-Programm der Stiftung Asienhaus, seinen Werdegang einem interessierten Publikum an Studierenden und AbsolventInnen des Instituts für Sinologie in Heidelberg vor. Der Vortrag war Teil der Reihe „Sinologie in den Beruf“ des Sinologie Heidelberg Alumni Netzwerkes (SHAN) e.V., das auch Kooperationspartner des Konfuzius-Instituts war.
Christian Straube war bereits in jungen Jahren, nämlich vier Jahre vor seinem Abitur, mit der Austauschorganisation AFS in Malaysia, und kam dort zum ersten Mal mit chinesischen Schriftzeichen in Kontakt. Während seines Austauschjahres erfuhr er jedoch nicht nur etwas über unterschiedliche Sprach- und Schriftsysteme, sondern auch über religiöse Praktiken und Migrationsprozesse innerhalb Asiens. Dies weckte das Interesse, sich tiefergehend mit Asien zu beschäftigen, genauer mit China, und so ging es nach dem Abitur zum Sinologie-Studium nach Heidelberg. Ein DAAD-Stipendium führte Christian Straube für ein Jahr nach Peking, an die Tsinghua-Universität, wo er seine Sprachkenntnisse vertiefen konnte; zwischendurch reiste er immer wieder gen Osten – nach China und nach Taiwan – unter anderem als Reisegruppenleiter. Neben Sinologie entschied er sich für Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften Südasiens in den Nebenfächern – eine sinnvolle Kombination, wie seine jetzige Tätigkeit zeigt.
Doch nicht nur der asiatische, auch der afrikanische Kontinent und die großen Infrastrukturprojekte Chinas in afrikanischen Ländern beschäftigten Christian Straube und führten ihn schließlich nach seinem Magisterabschluss in Heidelberg zu seinem Promotionsthema und zum Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle. Dort wollte er ursprünglich eine ethnografische Studie zu Konflikten und Integrationsprozessen im Kontext chinesisch-sambischer Zusammenarbeit im Bergbau durchführen, musste jedoch aufgrund einiger Hürden in der Verwirklichung des Projekts von seinem Plan abrücken und konzentrierte sich schließlich auf die sozio-ökonomischen und räumlichen Dimensionen kolonialer Beständigkeit am Beispiel des Bergbau Township Mpatamatu in Luanshya.
Christian Straube berichtete, dass zahlreiche Faktoren mitbestimmten, für welche Branche er sich letzten Endes professionell entscheiden würde. Familie und Freunde mitzudenken sei genauso wichtig wie die inhaltliche Tätigkeit oder die Frage nach der Höhe des Gehaltes. Dass nicht nur eine Note auf einem Abschlusszeugnis entscheidend ist, ob man bei der Bewerbung erfolgreich ist, betonte Christian Straube während seines sehr persönlichen Vortrags. So erkannte er im Zuge der Bewerbungszeit nach erfolgreicher Promotion in Halle, wie wichtig das Netzwerk war, das er während seiner Forschungsjahre aufgebaut hatte.
Doch was genau bedeutet nun Dialogarbeit? Das China-Programm der Stiftung Asienhaus arbeitet eng mit chinesischen NGOs zusammen und bringt so Akteure beider Länder zusammen. Durch gemeinsame Projekte soll eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die zulässt, von dem jeweiligen Gegenüber zu lernen und die jeweilige Methodenpraxis zu verstehen. Ziele der Arbeit sind kooperative Wissensbildung und der Gewinn neuer Erkenntnisse. Wie komplex es ist, Dialogarbeit mit China zu gestalten, zeigt die unterschiedliche Auffassung von „Zivilgesellschaft“ auf deutscher und chinesischer Seite. Auch erschweren neu verabschiedete Gesetze, die ausländische NGOs in China betreffen, die Dialogarbeit vor Ort.
Doch nicht nur die Dialogarbeit zählt zu Christian Straubes Aufgaben. Auch das Schreiben von Anträgen, um die Finanzierung des Arbeitsbereiches zu sichern, sowie entwicklungspolitische Bildungsarbeit, das Pflegen und Erweitern von Netzwerken, Lobby- und Advocacy-Arbeit, Buchhaltung und das Verfassen von Artikeln und Handreichungen bestimmen seinen Arbeitsalltag. Das Sinologie-Studium hat Christian Straube nach eigener Aussage u.a. darauf vorbereitet, sich in kurzer Zeit Informationen zu beschaffen, diese auszuwerten und zügig in Textform zu bringen. Auch seine im Studium erworbenen Sprachkenntnisse kommen zum Zuge. Alle weiteren Fähigkeiten ließen sich parallel zum Berufseinstieg in der Stiftung Asienhaus erlernen.
Wie sehr diese Art von Stiftungsarbeit die Zuhörer*innen interessierte, zeigte der rege Austausch am Ende der Veranstaltung. Die Fragen reichten von berufspraktischen Dingen bis zu Fragen der Diplomatie in der Zusammenarbeit mit China. Wir danken Christian Straube für die Einblicke in seinen Werdegang und seine Arbeit! Wer mehr über den Referenten erfahren möchte, kann seine Webseite besuchen unter. www.christianstrau.be

