Sinologie in den Beruf digital mit Dr. Christian Straube

Am 01.12.2020 stellte Dr. Christian Straube, Programm-Manager im China-Programm der Stiftung Asienhaus, seinen Werdegang einem interessierten Publikum an Studierenden und AbsolventInnen des Instituts für Sinologie in Heidelberg vor. Der Vortrag war Teil der Reihe „Sinologie in den Beruf“ des Sinologie Heidelberg Alumni Netzwerkes (SHAN) e.V., das auch Kooperationspartner des Konfuzius-Instituts war.

Christian Straube war bereits in jungen Jahren, nämlich vier Jahre vor seinem Abitur, mit der Austauschorganisation AFS in Malaysia, und kam dort zum ersten Mal mit chinesischen Schriftzeichen in Kontakt. Während seines Austauschjahres erfuhr er jedoch nicht nur etwas über unterschiedliche Sprach- und Schriftsysteme, sondern auch über religiöse Praktiken und Migrationsprozesse innerhalb Asiens. Dies weckte das Interesse, sich tiefergehend mit Asien zu beschäftigen, genauer mit China, und so ging es nach dem Abitur zum Sinologie-Studium nach Heidelberg. Ein DAAD-Stipendium führte Christian Straube für ein Jahr nach Peking, an die Tsinghua-Universität, wo er seine Sprachkenntnisse vertiefen konnte; zwischendurch reiste er immer wieder gen Osten – nach China und nach Taiwan – unter anderem als Reisegruppenleiter. Neben Sinologie entschied er sich für Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften Südasiens in den Nebenfächern – eine sinnvolle Kombination, wie seine jetzige Tätigkeit zeigt.

Doch nicht nur der asiatische, auch der afrikanische Kontinent und die großen Infrastrukturprojekte Chinas in afrikanischen Ländern beschäftigten Christian Straube und führten ihn schließlich nach seinem Magisterabschluss in Heidelberg zu seinem Promotionsthema und zum Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle. Dort wollte er ursprünglich eine ethnografische Studie zu Konflikten und Integrationsprozessen im Kontext chinesisch-sambischer Zusammenarbeit im Bergbau durchführen, musste jedoch aufgrund einiger Hürden in der Verwirklichung des Projekts von seinem Plan abrücken und konzentrierte sich schließlich auf die sozio-ökonomischen und räumlichen Dimensionen kolonialer Beständigkeit am Beispiel des Bergbau Township Mpatamatu in Luanshya.

Christian Straube berichtete, dass zahlreiche Faktoren mitbestimmten, für welche Branche er sich letzten Endes professionell entscheiden würde. Familie und Freunde mitzudenken sei genauso wichtig wie die inhaltliche Tätigkeit oder die Frage nach der Höhe des Gehaltes. Dass nicht nur eine Note auf einem Abschlusszeugnis entscheidend ist, ob man bei der Bewerbung erfolgreich ist, betonte Christian Straube während seines sehr persönlichen Vortrags. So erkannte er im Zuge der Bewerbungszeit nach erfolgreicher Promotion in Halle, wie wichtig das Netzwerk war, das er während seiner Forschungsjahre aufgebaut hatte.

Doch was genau bedeutet nun Dialogarbeit? Das China-Programm der Stiftung Asienhaus arbeitet eng mit chinesischen NGOs zusammen und bringt so Akteure beider Länder zusammen. Durch gemeinsame Projekte soll eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die zulässt, von dem jeweiligen Gegenüber zu lernen und die jeweilige Methodenpraxis zu verstehen. Ziele der Arbeit sind kooperative Wissensbildung und der Gewinn neuer Erkenntnisse. Wie komplex es ist, Dialogarbeit mit China zu gestalten, zeigt die unterschiedliche Auffassung von „Zivilgesellschaft“ auf deutscher und chinesischer Seite. Auch erschweren neu verabschiedete Gesetze, die ausländische NGOs in China betreffen, die Dialogarbeit vor Ort.

Doch nicht nur die Dialogarbeit zählt zu Christian Straubes Aufgaben. Auch das Schreiben von Anträgen, um die Finanzierung des Arbeitsbereiches zu sichern, sowie entwicklungspolitische Bildungsarbeit, das Pflegen und Erweitern von Netzwerken, Lobby- und Advocacy-Arbeit, Buchhaltung und das Verfassen von Artikeln und Handreichungen bestimmen seinen Arbeitsalltag. Das Sinologie-Studium hat Christian Straube nach eigener Aussage u.a. darauf vorbereitet, sich in kurzer Zeit Informationen zu beschaffen, diese auszuwerten und zügig in Textform zu bringen. Auch seine im Studium erworbenen Sprachkenntnisse kommen zum Zuge. Alle weiteren Fähigkeiten ließen sich parallel zum Berufseinstieg in der Stiftung Asienhaus erlernen.

Wie sehr diese Art von Stiftungsarbeit die Zuhörer*innen interessierte, zeigte der rege Austausch am Ende der Veranstaltung. Die Fragen reichten von berufspraktischen Dingen bis zu Fragen der Diplomatie in der Zusammenarbeit mit China. Wir danken Christian Straube für die Einblicke in seinen Werdegang und seine Arbeit! Wer mehr über den Referenten erfahren möchte, kann seine Webseite besuchen unter. www.christianstrau.be

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