Konfuzius-Institut Heidelberg ist „2014 Confucius Institute of the Year“

Das Konfuzius-Institut Heidelberg ist “2014 Confucius Institute of the Year”

Termin: Dezember 2014
Ort: Xiamen

Das Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg e.V. ist auf der diesjährigen Jahrestagung der Konfuzius-Institute als “2014 Confucius Institute of the Year” ausgezeichnet worden und ist damit eines von nur 25 Instituten weltweit, die unter den insgesamt 475 Konfuzius-Instituten für diese Ehrung ausgewählt wurden.

Der Preis, der vom Hauptbüro der Konfuzius-Institute (Hanban) in Peking vergeben wird, würdigt unter anderem die kontinuierliche Weiterentwicklung des Instituts, darunter die Angebote zur Sprachausbildung, das breitgefächerte, innovative Angebot des Kulturbereichs, aber auch Kriterien wie Sichtbarkeit des Instituts in der Presse und der allgemeinen Öffentlichkeit werden honoriert. Die gute Zusammenarbeit des Instituts mit lokalen und ausländischen Partnern sowie das Einwerben zusätzlicher Stipendien, Konferenzzuschüsse und die Organisation von Summer Camps wurden ebenfalls lobend hervorgehoben. Prof. Dr. Dieter W. Heermann, Prorektor für internationale Angelegenheiten der Universität Heidelberg, nahm den Preis als Vertreter der Universität Heidelberg aus den Händen der zweiten Vize-Ministerpräsidentin der Volksrepublik China, Liu Yandong, entgegen. Die Geschäftsführende Direktorin des Instituts Petra Thiel und die chinesische Direktorin Assoc. Prof. Liu Nan waren bei der Ehrung in Xiamen ebenfalls zugegen.

Das Konfuzius-Institut Heidelberg ist in den letzten Jahren immer mehr zu einer Stätte der Begegnung zwischen Deutschland und China, einem Ort des interkulturellen Austauschs und der interkulturellen Zusammenarbeit herangewachsen. Diese Entwicklung wäre nicht möglich gewesen ohne den Einsatz, das Vertrauen, die kulturelle Offenheit, das Interesse und das Engagement vieler Mitarbeiter, Förderer und Partner, Mitglieder der Gremien und nicht zuletzt unserer zahlreichen Kursteilnehmer, Freunde und Besucher bei denen wir uns auf diesem Weg herzlich bedanken möchten.

Kinderoper im Shanghai der 1920er Jahre

Kinderoper im Shanghai der 1920er Jahre – zwischen Kinderbühne und Politik

Vortrag von Johannes Sturm

Termin: Mittwoch, 03. Dezember 2014
Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg, Speyerer Str. 6, 69115 Heidelberg

Am 3. Dezember sprach Johannes Sturm zum Abschluss der Reihe Sinology goes Public für dieses Kalenderjahr zum Thema seiner Magisterarbeit „Kinderoper im Shanghai der 1920er Jahr – zwischen Kinderbühne und Politik. Er schilderte wie in der florierenden Musikszene Shanghais in den 1920er Jahren ein ganz besonderes Musikgenre entstand, dass sich immer größerer Beliebtheit erfreute, die Kinderoper. Kinderoper bedeutet in diesem Fall kurze, fantasievolle Theaterstücke deren Hauptcharaktere Tiere, Feen und Kinder sind, die sprechen, singen, tanzen und so ihr Publikum, zu dem nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch die allgemeine Öffentlichkeit zählte, verzaubern. Darüber hinaus dient die Kinderoper in China ganz im Sinne der Vierten-Mai-Bewegung in deren Kontext ihre Entstehung zu verorten ist, auch zur Vermittlung von Lehrinhalten und anderen pädagogischen Funktionen wie z. B. dem ungezwungenen Üben der Aussprache des Hochchinesischen. Als ein Beispiel für die pädagogische Funktion der Kinderoper führte Johannes Sturm in seinem Vortrag eine Szene aus der Kinderoper „Die Freude am Frühling” aus der Feder des  Komponisten Li Jinhui (1891-1967), mit dessen Person Entstehung und Untergang des Genres der Kinderoper in China untrennbar verbunden sind, an. In dieser Kinderoper, die wie Johannes Sturm anschaulich erläuterte, in Anlehnung an die berühmte Kunqu-Oper „Der Päonien-Pavillon“ 牡丹亭 von Tang Xianzu, entstand, fragt die Prinzessin Melancholie nach der Ursache für ihre Traurigkeit. Die Antwort der Kinderoper auf diese Frage ist ebenso einfach wie belehrend: Arbeit, so die Antwort des Stückes, würde Prinzessin Melancholie von ihrer Traurigkeit befreien. Li Jinhui, der Autor dieses Stücks versuchte aber nicht nur Lehrinhalte über seine Stücke zu verbreiten. Seine Karriere begann er, inspiriert durch die Vierte-Mai-Bewegung, als Musiklehrer. Seine Musikschule in Shanghai, die im Lauf der Jahre immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, brachte ebenso wie das von ihm geleitete „Heller Mond-Ensemble“ (Mingyuetuan), Show-Größen hervor, die später in ganz China berühmt wurden. Aber nicht nur Erfolg bestimmte das Leben, dieser im Musikleben Shanghais bis heute zu den schillerndsten Persönlichkeiten zählenden musikalischen Ausbilders und Komponisten. Auch Neid und Missgunst verfolgten Li Jinhui mit fatalen Folgen für die  von ihm so stark geprägte Gattung der Kinderoper. Äußerst lebhaft schilderte der Musikwissenschaftler und Sinologe Johannes Sturm nicht nur den Erfolg, sondern auch den finanziellen Überlebenskampf des Künstlers Li Jinhuis ebenso wie dessen emotionalen Kampf um die methodische Ausbildung der Eleven seiner Musikschule, den Erfolg und die Akzeptanz seiner Stücke und nicht zuletzt um seinen persönlichen Ruf und sein persönliches Glück.

Johannes Sturm (*1983) studierte an der Universität Heidelberg sowie an der Tianjin Waiguo Yuxueyuan Sinologie und Musikwissenschaft. Seine Magisterarbeit verfasste er über die Kinderopern von Li Jinhui. Seit 2012 unterrichtet er als Lehrbeauftragter der Universität Würzburg Kurse zum Thema Musik in China und publiziert zu diesem Thema. Im Rahmen seiner Promotionsarbeit zur Stuttgarter Hofmusik im 18. Jahrhundert erforscht er die Musikkultur Württembergs. Derzeit ist er im Projekt Digital Archive of Chinese Studies (DACHS) des Instituts für Sinologie der Universität Heidelberg beschäftigt.