Über die Grenzen von Raum und Zeit

Als die Trisolaris-Trilogie von Bestsellerautor LIU Cixin erstmals in China veröffentlicht wurde, war Baoshu (eig. LI Jun) noch Doktorand in Belgien. Baoshu ließ sich Seite um Seite des Werks abfotografieren und zusenden, um dann in nur drei Wochen eine eigene Fortsetzung zu verfassen. Was als Fan-Fiction begann, wurde bald zur neuen Berufung, auch dank der Unterstützung durch das große Vorbild Liu Cixin. Inzwischen hat Baoshu zahlreiche Kurzromane, Novellen und Kurzgeschichten verfasst, die auch in einschlägigen englischsprachigen Science-Fiction-Publikationen veröffentlicht wurden. Baoshus Texte wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; zuletzt war er Finalist im Wettbewerb des renommierten Hugo-Awards. In einem Gespräch und mit Lesungen ausgesuchter Textstellen werden wir in Baoshus ferne Welten eintauchen, die so fern gar nicht zu sein scheinen. Auch wenn sie die Grenzen von Raum und Zeit überschreiten, stellen sie doch die drängenden Fragen der Zeit: Wie wird Künstliche Intelligenz unser Leben beeinflussen? Wie werden sich Beziehungen zukünftig gestalten lassen? Und wie könnte Leben in fernen Galaxien aussehen?

Foto © privat

Über den Autor:

Baoshu 宝树 (eig. Li Jun), geb. 1980, ist ein chinesischer Science-Fiction-Autor, Übersetzer und Mitglied des Science-Fiction-Ausschusses des chinesischen Schriftstellerverbandes. Nach seinem Abschluss an der Universität Peking wurde er im Fach Philosophie an der Katholischen Universität Löwen in Belgien promoviert. Er hat in den USA und Europa gelebt und arbeitet heute als freiberuflicher Schriftsteller in China. Seit 2010 hat Baoshu zahlreiche Romane, Novellen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Mehrfach wurde er mit dem chinesischen Nebula- und dem Galaxy-Award ausgezeichnet. Mit seinem Roman Botschafter der Sterne (Übersetzung Marc Hermann), der im Jahr 2021 in deutscher Sprache veröffentlicht und von Liu Cixin persönlich als Fortsetzung von dessen preisgekrönter Trisolaris-Trilogie anerkannt wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch. Weitere Kurzgeschichten in deutscher Übersetzung erschienen in den Anthologien Zerbrochene Sterne (Hg. Ken Liu) und Quantenträume (Hg. Jing Bartz) sowie im Science-Fiction Magazin Kapsel (Hg. Lukas Dubro und Felix Meyer zu Venne). Seine Kurzgeschichte Meishi san pin 美食三品 (Eine dreimalige Verköstigung zukünftiger Delikatessen) stand in diesem Jahr als Finalist im Wettbewerb des renommierten Hugo Awards, der wichtigsten internationalen Auszeichnung innerhalb des Genres Science-Fiction.

Diese Veranstaltung fand im Rahmen des 10. Literaturherbstes Heidelberg statt.

Comics aus China: Finissage

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Die Finissage bot eine letzte Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen. Jun.Prof. Dr. Lena Henningsen und Damian Mandzunowski vom neu im CATS angesiedelten ERC-Projekt “ChinaComx” sprachen in ihrer Präsentation „Into the Maoverse: Heroes and Villains in Chinese Comics” über die Rollen von Helden und Schurken in Comics der Kulturrevolution. Im Anschluss wurden drei Filme junger chinesischer Künstler:innen der Nanjing University of the Arts gezeigt. Wir danken den ursprünglichen Organisatoren der Ausstellung, Dr. Andreas Seifert und Dr. Monica Klasing-Chen, sowie dem Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien und der Nanjing University of the Arts für ihre Unterstützung! Die Gestaltung der Ausstellung war Teil eines Seminars des Instituts für Ostasiatische Kunstgeschichte; die Namen der teilnehmenden Studierenden sind auf der Website der Ausstellung zu finden.

Programm:

 Foyer, CATS-Bibliothek

18:30     Begrüßung und Ausstellungsbesichtigung

 CATS-Auditorium (R.010.01.05)

19:00     Keynote: “Into the Maoverse: Heroes and Villains in Chinese Comics,”

Lena Henningsen & Damian Mandzunowski (ERC-ChinaComx)

19:45     Filmscreening: Animierte Shorts aus der Nanjing University of the Arts 南京艺术学院:

当我再次走进厨房 (Now Im in the Kitchen), Regie: Yana Pan 潘亭钰, 2022

每天朝山顶推一秒的石头 (Being Sisyphus for One Second a Day), Regie: Peixuan Cheng 成佩轩, 2021

雾上清晨 (Beyond the Fog), Regie: Xue Feng 薛峰, 2021

 

FREIHEIT I mit Werken von WANG Xilin und Isang YUN (Konzert)

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ensemble aisthesis
Leitung | Ekkehard Windrich

Konzert mit Werken von WANG Xilin und Isang YUN und Gespräch mit Wang Xilin zum Dokumentarfilm „Man in Black“ (2023) von WANG Bing.

 

Isang YUN (1917-1995) ist einer der wichtigsten klassischen Komponisten Koreas. Als Freiheitskämpfer im 2. Weltkrieg von den Japanern gefoltert, wurde er 1967 durch den südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul verschleppt und dort der Spionage für Nord-Korea angeklagt. Im Gefängnis wurde er erneut gefoltert. Die Intervention der internationalen Musikwelt konnte eine lebenslange Freiheitsstrafe verhindern. WANG Xilin 王西麟 (*1936) ist einer der wichtigsten modernen klassischen Komponisten Chinas. Während der Kulturrevolution war er schwerer Verfolgung ausgesetzt und musste Schläge, Gefängnis und Folter ertragen. Sein musikalisches Oeuvre reflektiert diese Erfahrungen. Das Klangforum rahmt mit den Oktetten von WANG Xilin und Isang YUN ein Gespräch mit dem chinesischen Komponisten zum Screening des Dokumentarfilms von WANG Bing 王兵 (*1967) Man in Black (2023). Der Film zeigt Körper und die Seele eines Mannes, der von einem Leben voller Folter und Leiden gezeichnet ist und dennoch zu tiefem und aufrichtigem Mitgefühl fähig ist. Zu den Klängen seiner Musik lässt er die schrecklichen Ereignisse Revue passieren, die in seiner Erinnerung als Zeugnis einer (andauernden) Epoche lebendig sind, in der die gesamte chinesische Nation entmenschlicht und aller ihrer Freiheiten beraubt wurde und wird.

Das Konzert fand im Rahmen des EnjoyJazz Festivals und in Kooperation mit dem KlangForum Heidelberg, der Universität Heidelberg und im Verbund mit einer Ausstellung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften „Vom Willen zur Freiheit” statt, die Teil ist der Initiative PERSPEKTIVE: FREIHEIT der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2024 – Freiheit gefördert wird.

VERNISSAGE: VOM WILLEN ZUR FREIHEIT – CHINA IM GLOBALEN KONTEXT: BEITRAG ZUM WISSENSCHAFTSJAHR 2024 – “FREIHEIT”

Ausstellung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Landesakademie von Baden-Württemberg) und der Universität Heidelberg (Universitätsmuseum)

Die Ausstellung findet im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2024 – Freiheit, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, und als Teil der Reihe „PERSPEKTIVE: FREIHEIT“ der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften statt. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Landesakademie von Baden-Württemberg) führt unter der Leitung des Akademiemitglieds Prof. Dr. Barbara Mittler eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel „Vom Willen zur Freiheit – China im globalen Kontext“ durch, die auch in Kooperation mit der Universität Heidelberg, dem dort angesiedelten Konfuzius Institut und dem KlangForum Heidelberg veranstaltet werden. 

Waren alle Künste in China seit jeher untrennbar mit Politik und Strukturen der Macht verbunden, so insbesondere die Kalligraphie, die als eine Art Lingua franca, nicht nur das riesige Territorium mit seinen vielfältigen regionalen Kulturen und Dialekten zusammenhielt und so den kulturellen Zusammenhalt in dem riesigen Reich gewährleistete, sondern auch denjenigen, die die Disposition hatten, diese Medien zu nutzen und zu verstehen, sozialen Status verlieh und Zugang zur Macht gewährte. Die kulturelle Elite und die Beamten des chinesischen Reiches, die sogenannten Literati, die durch die kaiserlichen Prüfungen rekrutiert wurden, setzten Maßstäbe für die traditionelle Kultur. Die erfolgreich bestandenen kaiserlichen Prüfungen (keju kaoshi 科举考试) waren der Schlüssel zu Positionen in der kaiserlichen Verwaltung und damit zum sozialen Aufstieg. Das Hauptelement dieser Prüfungen bestand darin, nach strengen stilistischen Regeln Aufsätze oder Gedichte zu Themen aus den kanonischen Schriften zu verfassen. Doch nicht nur der literarische Stil und das Verständnis der Klassiker waren dabei Qualitätskriterien, sondern vor allem auch die Handschrift des Prüflings, sein kalligraphischer Stil. Nach Pierre Bourdieus Konzept des kulturellen Kapitals hatten die Literaten auf gleich mehrfache Weise Teil an diesem kulturellen Kapital: 1. inkorporiert– sie erbten und erwarben die Disposition, kulturelle Objekte zu verstehen und zu konsumieren, 2. objektiviert – sie besaßen Sammlungen antiker Gegenstände, Gemälde und Kalligraphien, sowie 3. institutionalisiert – sie verfügten über akademische Grade und Titel und waren daher die Instanz, die gültige ästhetische Urteile abgab. Die so sich manifestierende enge Verknüpfung von Kunst und Kalligraphie mit Politik und den dahinterliegenden Machtstrukturen resultierte in einer subtilen Codierung der repräsentierten Inhalte und verlieh der Kalligraphie, wie auch der damit eng verwandten traditionellen Tuschmalerei, ein transformatives, revolutionäres Potential.

Die Ausstellung zeigt zeitgenössische Positionen von Künstlern chinesischen Ursprungs, die sich dieses Potentials von Kalligraphie und Kunst bedienen. Die ausgestellten Werke umfassen Malerei, Kalligraphie, Skulptur, Fotografie und Video. Sie verbinden traditionelle Elemente – Techniken, Materialien und Ästhetik – mit zeitgenössischen Konzepten und Medien. Spannungsreich, unorthodox und humorvoll zeichnen sie ein lebendiges Bild der zeitgenössischen Kunst in China und in der Diaspora.

Künstler der Ausstellung:

CHEN Tong (*1962, lebt in Guangzhou)

HUANG Rui (*1952, lebt in Beijing und Paris)

LI Zhengtian (*1942, lebt in Guangzhou)

YANG Jiechang (*1956, lebt bei Heidelberg und in Paris)

ZHENG Guogu (*1970, lebt in Yangjiang)

Yangjiang Group (CHEN Zaiyan (*1971) / SUN Qinglin (*1974) leben in Yangjiang)

Harald Kröner (*1962, lebt in Pforzheim)