Tag der offenen Tür im Konfuzius Institut 2021

Am 10.10.2021 öffnete das Konfuzius-Institut Heidelberg von 14 bis 18 Uhr seine Türen und lud die Besucher:innen herzlich dazu ein, „chinesische Luft“ in Heidelberg zu schnuppern. Mit den Sprachlehrerinnen Chen Chen und Dang Xu konnten sie in die Welt der chinesischen Sprache und Schriftzeichen eintauchen und ein erstes Gefühl, für die Sprache erhaschen. Einige Besucher:innen vertieften diese Reise in der neuen Bibliothek des Konfuzius-Instituts, schauten sich die Bücher an und tauschten sich über ihre Eindrücke aus.

Chinesische Schriftzeichen wurden dank der Buchkünstlerin Yi Meng Wu zum Star des Tages. Bei ihrem Collage-Workshop konnten die Besucher:innen die künstlerischen Aspekte der Schriftzeichen erleben. Gemeinsam mit Yi Meng Wu collagierten sie ihre eigenen Postkarten und fanden dabei Inspiration in den verschiedensten Symbolen, Worten und Traditionen Chinas. Der Collage-Workshop wurde inspiriert durch das von Yi Meng Wu verfasste und designte Buch „Yaotaos Zeichen“, welches selbst in aufwändiger Collagetechnik, analog und digital, kreiert wurde und in dem chinesische Schriftzeichen ebenso eine besondere Rolle spielen. So erzählt Yi Meng Wu anschließend im Rahmen der gut besuchten Lesung zu „Yaotaos Zeichen“ von der Reise, die sie zu der Buch-Idee geführt hat, der Reise durch den Entstehungsprozess des Buches und der Reise, die in dem Buch erzählt und erlebt wird.

Die Geschichte „Yaotaos Zeichen“ spielt in Frankreich und China. Die Idee wurde bei einem Aufenthalt Yi Meng Wus in Lyon geboren. Hier ist sie auf ein in der Region als „chinesische Festung“ (fort chinois) bekanntes Gebäude gestoßen, welches zwischen 1921 und 1950 eine zentrale Anlaufstelle für angehende chinesische Studierende in Frankreich war. Zu dem Zeitpunkt Yi Meng Wus Reise (2012) war die historische und transkulturelle Bedeutung dieses Ortes kaum noch ersichtlich und es entstand in ihr der Wunsch, die Geschichte wiederzubeleben. In ihrem Buch wird auf wunderschön künstlerische Weise die Geschichte des Chinesen Yaotao erzählt, der von China nach Lyon kam und an dieser Institution studiert hat. Lucie, die Urenkelin von Yaotao findet in einem Koffer chinesische Schriftzeichen, die ihr im Laufe des Buches die Lebensgeschichte ihres Urgroßvaters, geprägt von Krieg, Liebe, Flucht und dem Ankommen in einer neuen Kultur erzählen. Die liebevolle Gestaltung des Buches und die besondere Ausarbeitung der Schriftzeichen ist inspiriert durch intensive Recherchearbeit in dem Archiv der Stadt Lyon und orientiert sich an Schriftzeichen aus echten Briefen, die die chinesischen Studierenden damals verfasst haben, und anderen historischen Materialien der 1930er und 1940er Jahre. Ausschnitte aus dem Buch wurden im Rahmen der Lesung am Konfuzius-Institut sowohl auf Chinesisch als auch auf Deutsch von Yi Meng Wu selbst und der Schauspielerin Johanna Withalm vorgetragen.

Yi Meng Wu (吴祎萌) ist in Shanghai geboren und lebt seit sie acht Jahre alt war in Deutschland. Sie studierte an der Folkwang Hochschule der Künste (Essen), an der ENSAD (Paris) und an der Universität der Künste in Berlin. Die Buchkünstlerin und Designerin ist Gründerin des Designbüros „Studio Wu 無“ in Berlin und hält regelmäßig Kreativ-Workshops an Hochschulen und Institutionen wie dem Goethe Institut. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und international ausgezeichnet, u. a. mit dem German Design Award, den Joseph Binder Award (Österreich) und dem Golden Pin Award Taiwan.

Diese von Kreativität angefüllte Reise durch den Tag der offenen Tür fand ihren Abschluss in angeregten Gesprächen mit der Buchkünstlerin Yi Meng Wu, zwischen Büchern und Schriftzeichen in der Bibliothek des Konfuzius-Instituts.

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