Christoph Rehage: Neuschweinstein. Mit zwölf Chinesen durch Europa

Christoph Rehage: Neuschweinstein. Mit zwölf Chinesen durch Europa

Lesung und Autorengespräch

Termin: Dienstag, 08. November 2016
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Ort: Stadtbücherei Heidelberg, Poststr. 15, 69115 Heidelberg
Eintritt: 8,00 EUR / ermäßigt 5,00 EUR 

Christoph Rehage berichtete im Interview mit Joachim Ziebe (Konfuzius-Institut Frankfurt) von seinen Erlebnissen als Tourist in einer chinesischen Reisegruppe auf Europatour. Dabei stand für ihn nicht das Betrachten weltberühmter Sehenswürdigkeiten im Fokus, denn diese hatte er als Europäer bereits gesehen. Rehages Anliegen war es, den einzelnen Reisenden in einer solcher Gruppe kennen zu lernen, da gerade chinesische Reisegruppen in Deutschland häufig mit Verwunderung und Skepsis betrachtet werden. Gleichzeitig sah er in dieser Reise eine willkommene Gelegenheit für ein neues Buchprojekt: Auf knapp 300 Seiten schildert Rehage die gemeinsamen Erlebnisse der 13tägigen Reise, die die Gruppe von Peking nach München, Venedig, Florenz, Pisa, Rom, Luzern, Paris und schließlich nach Frankfurt zum Rückflug nach China führte. Dabei urteilt Rehage nicht, sondern begegnet seiner Gruppe stets auf Augenhöhe und versucht ein „normaler“ Mitreisender zu sein. Diese Haltung wurde auch bei seinem Besuch in Heidelberg deutlich. Fast wehmütig erzählte er, wie er aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung, die ihn eindeutig als Nicht-Chinesen kategorisierte, immer wieder für den Reiseleiter oder Busfahrer der Gruppe gehalten wurde und er um seine Gleichbehandlung kämpfen musste. Innerhalb der Gruppe entwickelte sich ein herzliches Gemeinschaftsgefühl, dass ihn einschloss. Zentral sei dafür die Erfahrung des gemeinsamen Leidens gewesen – dieses „Leiden“ war das Essen, denn es war in jedem Restaurant aufs Neue unfassbar schlecht! Rehage erklärte, der enorme Konkurrenzkampf zwischen Reiseveranstaltern führte zu so niedrigen Preisen, dass am Essen stark gespart wurde. Sowohl in den zahlreichen Chinarestaurants, in denen die Gruppe in separaten Räumen „abgefertigt“ wurde, als auch beim „italienischen Dinner“ in Venedig bot sich der Gruppe stets ein trauriger Anblick lieblos zusammengewürfelter Zutaten, die allenfalls den Magen zu füllen vermochten. Da dies für die meisten Teilnehmer die einzige Europareise sein würde, stand für sie im Fokus die Reise mit vielen Fotos zu dokumentieren und für sich und meist auch für viele Bekannte Dinge einzukaufen. Schließlich sei das Essen zuhause in China ohnehin am besten!

Einen weiteren Schritt den Einzelnen in der scheinbar homogenen Gruppe sichtbar zu machen, ging Rehage indem er seine Mitreisenden einige Monate später in China besuchte. Illustriert durch zahlreiche Fotos, die er mitgebracht hatte, lernte der Zuschauer nun mehr über die Teilnehmer der Gruppe und deren Ängste, Sehnsüchte und Sorgen des Alltags.

Es entwickelte sich ein lockeres Gespräch zwischen Rehage und Ziebe, auch das deutsch-chinesische Publikum stellte interessiert Fragen und tauschte sich mit Rehage aus. Dank des Büchertischs, der von der Bücherstube an der Tiefburg organisiert wurde, konnte man sich direkt ein Exemplar signieren lassen. Christoph Rehage, der mit seinem Blog und späterem Buch The Longest Way. Zu Fuß durch China bekannt wurde, verfolgt weiterhin seinen Plan die ganze Strecke von Peking in seinen Heimatort Bad Nenndorf, wenn auch in Etappen, abzulaufen. Bis zur Grenze zu Usbekistan hat er es vor seiner Lesereise bereits geschafft, wir sind gespannt wie es weitergeht!

Christoph Rehage, 1981 geboren, studierte in München Sinologie und lebte zwei Jahre in Beijing. Von dort aus begab er sich 2007 auf seine große Wanderung durch China, über die er in seinem bei Malik erschienenen Buch »The Longest Way«, das auch in China zum Bestseller wurde, berichtet hat. Er wurde mit dem Globetrotter Reisebuchpreis und dem ITB-BuchAward ausgezeichnet. www.christophrehage.de, www.thelongestway.com

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