Podiumsdiskussion: Zwischen Phantasie und Perfektion

Podiumsdiskussion: Zwischen Phantasie und Perfektion – Erziehung und Bildung in China und Deutschland

Termin:  Freitag, 02. Dezember 2011
Uhrzeit: 14.00 – 18.30 Uhr
Ort: Heidelberg Marriott Hotel, Friedrich-Hegel-Saal, Vangerowstr. 16, 69115 Heidelberg
Eintritt: frei, Anmeldung erforderlich

Erziehung und Bildung, insbesondere die Frage nach der besten Förderung der Kinder, sind in Deutschland und China viel diskutierte und emotional besetzte Themen. Die Podiumsdiskussion „Zwischen Phantasie und Perfektion“, die vom Konfuzius-Institut Heidelberg veranstaltet und von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde, konnte einige Klischees zurechtgerücken, das Bild beider Seiten über das jeweilige Erziehungssystem erweiterten und nachahmenswerte Potentiale der jeweiligen Erziehungssysteme aufgezeigen. Referenten aus Erziehungswissenschaft, Sinologie, Neurobiologie und Bildungswesen aus Deutschland und China griffen verschiedenste Aspekte des Themas aus Sicht ihrer Fachgebiete auf und diskutierten Probleme, Entwicklungswege und Erziehungsmodelle. Gerade diese interdisziplinäre Mischung erwies sich als besonders fruchtbar sowohl für die Gäste als auch für Referenten und Veranstalter. Zur Podiumsdiskussion waren über 130 Zuhörer erschienen, darunter auch zahlreiche Vertreter von Schulen und aus dem Bildungswesen.

Dr. Jiang Feng, Gesandter-Botschaftsrat für Bildungswesen der Botschaft der VR China, berichtete in seinem Vortrag „Gemeinsame Herausforderung für Deutschland und China. Gemeinsamer Weg?“ über seine Erfahrungen mit beiden Bildungssystemen, sowohl aus beruflicher wie auch  privater Perspektive. Er betonte die unterschiedlichen Voraussetzung beider Länder und gleichzeitig die Wertschätzung für beide Systeme. Prof. Dr. Jürgen Henze (Leiter des Instituts für Erziehungswissenschaften, Abt. Vergleichende Erziehungswissenschaft Humboldt- Universität Berlin) ging der Frage nach „Erfolgreich sein oder glücklich werden?“ und berichtete aus seiner Forschung in China. Er betonte besonders die unterschiedliche Bewertung von guter Erziehung in Abhängigkeit vom jeweiligen kulturellen Kontext. Mit Prof. Gu Baoyan (Beijing Open University) wurde neben Dr.  Jiang einer weiteren Stimme aus China Gehör verliehen. Frau Prof. Gu stellte besonders die Frage der sozialen Gerechtigkeit im Bereich Bildung in den Vordergrund und zeigte die Bemühungen Chinas auf, unteren Einkommensschichten Bildungschancen zukommen zu lassen. Dabei berichtete sie auch von ihren eigenen Erfahrungen während der Kulturrevolution und ihrem Studium zur Zeit der Öffnungs- und Reformpolitik.

Über die kulturellen Hintergründe von Bildung in China sprach die Sinologin Prof. Dr. Gotelind Müller-Saini (Institut für Sinologie, Universität Heidelberg), die Schulbücher auf historische Darstellungen untersuchte. Eine völlig andere Perspektive stellte Prof. Dr. Anna Katharina Braun (Leiterin des Instituts für Biologie, Abt. Zoologie/Entwicklungsneurobiologie, Universität Magdeburg)  vor, die als Neurobiologin den Prozess des Lernens im Gehirn erläuterte und auf die Untrennbarkeit von Wissen und Emotion für den Lernprozess verwies. Abschließend stellte Prof. Dr. Eckard Klieme (Leiter der Arbeitseinheit Bildungsqualität und Evaluation am DIPF, Frankfurt) die Ergebnisse der letzten PISA-Studie und weiterer Untersuchungen vor. Nachdem die Schüler einer Shanghaier Schule bei der letzten PISA-Studie im Bereich Mathematik als beste weltweit abgeschnitten hatten, hatte dies einige Fragen aufgeworfen. Prof. Klieme untersuchte die Ergebnisse im Detail und zeigte, dass die chinesischen Schüler nicht etwa nur bei einfachen Aufgaben gut abschnitten, sondern vor allem bei den Transferaufgaben – im Gegensatz zu den deutschen Schülern. Das Klischee, chinesische Schüler könnten nur auswendig lernen, konnte somit nicht bestätigt werden. Doch auch viele weitere Faktoren, welche die PISA-Studie zum Teil ebenfalls untersuchte, wie z.B. die Lernmethodik beleuchtete Prof. Klieme. Offen bleibt fraglich wie weit diese Ergebnisse auf ganz China übertragbar sind und welche Rolle die traditionell starke Gewichtung der Mathematik in Asien spielt. Abschließend berichtete noch Sophia Zasche von ihren Erfahrungen als Schülerin in China und Deutschland. Im Anschluss folgte eine rege Diskussions- und Fragerunde, die nochmals zeigte, wie vielfältig und komplex die Themen Erziehung und Bildung sind.

Die Podiumsdiskussion wurde von Petra Aldenrath, freie Journalistin und China-Expertin, moderiert und von Julia Kahlich-Zhang und Pei Albat-Ma simultan gedolmetscht. Insgesamt war die Podiumsdiskussion eine gelungene Veranstaltung, wie sowohl die Referenten als auch Stimmen aus dem Publikum bestätigten. Der „Deutsch-Chinesische Dialog der Kulturen“ wird 2012 voraussichtlich im Herbst mit einer Veranstaltung zu „Alt sein in Deutschland und China“ fortgesetzt.

Referenten:

Dr. Jiang Feng: Gemeinsame Herausforderung für Deutschland und China. Gemeinsamer Weg?

Prof. Dr. Jürgen Henze: Erfolgreich sein oder glücklich werden? Anmerkungen zur Entwicklungsdynamik im chinesischen Bildungswesen

Prof. Gu Baoyan: Ist Bildung für die unteren Einkommensschichten in China eine der drei neuen Hauptbelastungen?

Prof. Dr. Gotelind Müller-Saini: Bildung in China: Hintergründe, Probleme und Chancen aus kultureller Sicht

Prof. Dr. Anna-Katharina Braun: Tuning für die Neuronen – Wie optimiert Lernen das Gehirn?

Prof. Dr. Eckard Klieme: China und Ostasien im Spiegel internationaler Schulstudien

Sophia Zasche (Kurzbeitrag über ihre Erfahrungen als Schülerin in China)

Moderation: Petra Aldenrath

Dolmetscherinnen: Julia Kahlich-Zhang und Pei Albat-Ma

Alle Beiträge zum Nachlesen als Online-Dokumentation:

Chinesische Version: 幻想与完美之间 中德教育和文化

Deutsche Version: Zwischen Phantasie und Perfektion – Erziehung und Bildung in Deutschland und China

Pressestimmen:

Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung www.rnz.de

Abteilung für Bildungswesen der Botschaft der VR China (chinesisch-sprachig)

Chinesische Handelszeitung (chinesisch-sprachig)

Southern Base of Confucius Institute Headquarters (chinesisch-sprachig)

Hanban (chinesisch-sprachig)

Campus China (chinesisch-sprachig)

Zhongguo jiaoyu xinwenwang (chinesisch-sprachig)

SHAN

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