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ZER-RIS-SEN Wenji: Auf der Suche nach Heimat

20. Juli, 20:00

ZER-
RIS-
SEN.
Wenji: Auf der Suche nach Heimat

Im Juli 2019 wird, in europaweiter Erstaufführung, Bun-Ching Lams Kammeroper Wenji: 18 Songs of a Nomad Flute (2002) aufgeführt. Inszeniert von Johann Diel, wird hier die Geschichte einer jungen chinesischen Frau, Cai Wenji, erzählt, die, fast 2000 Jahre ist es her, von den Hunnen aus China verschleppt wird. Die Zerrissenheit dieser Frau, ihre Identitäts- und Heimatsuche, Themen, die an Aktualität bis heute nichts eingebüßt haben, stehen dabei im Zentrum der Neuinszenierung, einer Koproduktion von KlangForum Heidelberg e. V. und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg GmbH (ADK), in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste HfBK Dresden, dem CATS—Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien (Universität Heidelberg) und dem Konfuzius-Institut Heidelberg.

Obwohl Grenzüberschreitungen im menschlichen Erleben nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sind, bleiben sie stets eine Herausforderung. Die europäische Erstinszenierung der zeitgenössischen Kammeroper Wenji: 18 Songs of a Nomad Flute der in Macau und Hongkong aufgewachsenen und in Paris und New York lebenden und arbeitenden Komponistin Bun-Ching Lam, macht es sich zum Ziel, das Thema neu zu beleuchten. Die Neu-Inszenierung des historischen Stoffs aus China durch Johann Diel, einem vielversprechenden Nachwuchstalent, Studierender der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg, ist ein vielschichtiges Experiment, das die Zerrissenheit der Protagonistin auf unterschiedlichen musikalisch-dramatischen Ebenen aufgreift.
Wenji ist Tochter eines gelehrten chinesischen Staatsmannes und wächst in der kosmopolitischen Kaiserstadt Chang’an (heute Xi’an) auf, bis sie als Kriegsbeute von den Hunnen, „barbarischen Nomaden“, in die Mongolei verschleppt wird. Wenji wird im Exil, ihrem Heimweh zum Trotz, heimisch, nur um 12 Jahre später, auf kaiserliches Geheiß, wieder „nach Hause“ zurückgerufen zu werden, während ihre Söhne in der Mongolei verbleiben sollen — so die Auflage des Hunnenkönigs, Vater ihrer Kinder, der die junge Frau einst mit seiner „barbarischen Nomadenflöte“ verzauberte.
Die Erzählung von der chinesischen Dichterin—das Libretto basiert auf ihren „18 Gedichten zur Nomadenflöte“ (Untertitel der Oper)—ist Grundlage für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Fragen zu Migration und Vertreibung, zu Dislokation und Isolation und, damit verbunden, zu Heimatlosigkeit; Fragen also, die gegenwärtig in Europa und Asien gleichermaßen eine wichtige Rolle spielen, Herausforderungen, mit denen sich unsere Gesellschaft in Zeiten politischer Konflikte, internationaler Krisen und globaler Migration täglich konfrontiert sieht. Ziel der Inszenierung ist es daher, Wenjis Schicksal, ihre Zerrissenheit und ihre Suche nach Heimat, unmittelbar erfahrbar zu machen: In der Neu-Inszenierung wird der Bogen über 18 Jahrhunderte, vom China der Han-Zeit zur Gegenwart und über 8000 Kilometer von der Mongolei nach Europa geschlagen, indem der chinesische Text in einen Dialog gestellt wird mit Gedichten von Ingeborg Bachmann (1926-1973). Diese Verschränkung stellt die Fragen nach Verwurzelung und Zerrissenheit in einen weiteren Echoraum, der musikalisch wie szenisch erfahrbar wird. Renommierte Musiker aus China und Taiwan treten in dieser europäischen Erstaufführung gemeinsam mit Sängern und Instrumentalisten des KlangForum Heidelberg auf. So öffnet die Inszenierung einerseits den Weg für eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Verloren-Sein in der Welt und mit der Zerrissenheit, die dieses nach sich zieht, und andererseits mit dem Halt, den Sprache, Dichtung und Musik hier bedeuten können, wie Bachmann schreibt:
„Meine Existenz ist eine andere, ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe. […] Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran.“
Die Aufführungen finden am 17. und 18. Juli in der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg sowie am 20. und 21. Juli in der Hebelhalle in Heidelberg statt.

Komponistin: Bun-ching Lam | Libretto: Xu Ying | Regisseur: Johann Diel (Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg) | Ausstattung: Romy Rexheuser | KlangForum Heidelberg— SCHOLA HEIDELBERG & ensemble aisthesis | Musikalische Leitung: Walter Nußbaum

Aufführungen:
17. Juli, 19:30 Uhr I Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg
18. Juli, 19:30 Uhr I Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg
20. Juli, 20:00 Uhr I HebelHalle Heidelberg
21. Juli, 18:00 Uhr I HebelHalle Heidelberg

Details

Datum:
20. Juli
Zeit:
20:00
Veranstaltungkategorie:

Veranstalter

Konfuzius-Institut Heidelberg
Telefon:
062215419383
E-Mail:
h.jedeck@konfuzius-institut-heidelberg.de

Veranstaltungsort

Hebelhalle
Hebelstraße 9
Heidelberg, 69115 Deutschland
+ Google Karte

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Datum:
20. Juli
Zeit:
20:00
Veranstaltungkategorie:

Veranstalter

Konfuzius-Institut Heidelberg
Telefon:
062215419383
E-Mail:
h.jedeck@konfuzius-institut-heidelberg.de

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Hebelhalle
Hebelstraße 9
Heidelberg, 69115 Deutschland
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