
Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur
Hologramme bestimmen unser Leben, künstliche Doppelgänger vertreten uns beim Geburtstagsfest, damit wir uns die Sterne anschauen können und ein Reality-TV-Star verwandelt sich in einen Gott. Doch wie verleiht man fantastischen Körpern Gestalt, wenn sie die Sprache wechseln, und welche Möglichkeiten gibt es, Unbekanntes und visuell in unserer Welt noch nicht Wahrnehmbares in Bildwelten zu überführen?
Xia Jia ist eine der aufregendsten Stimmen der jungen Science-Fiction-Generation Chinas. In ihren Texten tauchen Körper in unterschiedlichsten Formen auf. Marc Hermann gab schon vielen chinesischen Science-Fiction-Autoren eine Stimme, darunter Liu Cixin, Chen Qiufan, Wang Jinkang und auch Xia Jia. Auf der Bühne geben der Übersetzer und die Autorin Einblicke in den Übersetzungsprozess.
Die Klasse von ATAK und Markus Färber an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle ließ sich von Szenarien und Zukunftsvisionen acht verschiedener chinesischer Kurzgeschichten inspirieren. Die Studierenden interpretierten die Stimmungen, Sehnsüchte, Ängste und Vorstellungen aus den Geschichten und übersetzten sie schließlich in zweifarbige Zeichnungen. Welche Herausforderungen die Übersetzung von einer Sprache in die andere und von Wort zu Bild bedeuten, wird im Gespräch mit Camilla Mücksch und Miriam Wiskemann beleuchtet.
Die Veranstaltung ist Teil II des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« – initiiert von Lukas Dubro, Tim Holland und Sarah Käsmayr, in Kooperation mit dem Kapsel Magazin und dem Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.
Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.
Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.
Wir danken Wortreich Heidelberg für die Bereitstellung des Büchertischs!
Biographien
Xia Jia 夏笳

Foto ©: Wang Jianhua
Xia Jia 夏笳 schreibt Science-Fiction, setzt sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinander und übersetzt. Sie lehrt als Professorin an der Jiaotong University in Xi’an chinesische Literatur. Ihr Stil wird als ›Porridge Science Fiction‹ bezeichnet, da ihre Geschichten mit zahlreichen für das Genre untypischen Elementen gespickt sind, zum Beispiel Referenzen auf Mythen. Ihre Kurzgeschichten In den Wolken, Nachtstreifzug des Drachenpferds und Tongtongs Sommer wurden in Kapsel-Publikationen veröffentlicht.
Marc Hermann

Foto ©: Mark Herrmann
Marc Hermann studierte Sinologie und promovierte über Ideologie und Moralkritik im Werk von Zhang Ailing. Heute lebt er als Übersetzer aus dem Chinesischen und Dozent in Bonn. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen Yan Lianke und Liu Cixin. An der Universität Bonn leitet er Seminare zu moderner und zeitgenössischer chinesischer Literatur und Übersetzung.
Lukas Dubro

Foto ©: Yanina Isla
Lukas Dubro ist Journalist und Literaturwissenschaftler. Er studierte Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2017 initiierte er die Zeitschrift Kapsel. Seit 2018 arbeitet er als freier Mitarbeiter bei der Deutschen Presse-Agentur, seit 2021 beim Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Miriam Wiskemann

Foto©: Miriam Wiskemann
Miriam Wiskemann ist eine deutsche Illustratorin. Nach Stationen in Leipzig, Stockholm und Berlin studiert sie seit 2021 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, seit 2023 im Schwerpunkt Illustration bei Georg Barber / ATAK. In ihrer Technik ist sie oft multimedial unterwegs, wobei ihr die Arbeit mit Scherenschnitt, Aquarell und Gouache am meisten Freude bereitet. Zusammen mit befreundeten Illustrator*innen stellte sie bei verschiedenen nationalen und internationalen Comicfestivals aus und nahm zuletzt bei einer Artist Residency in Fengersfors, Schweden teil. Auch im Schwerpunkt Grafik- und Posterdesign arbeitet sie, und konnte ihre Werke schon bei der Shanghai Graphic Design Biennale (2025) und bei der International Poster Exhibition (2024) in Glasgow, Schottland präsentieren.
Camilla Mücksch

Foto©: Camilla Mücksch
Camilla Mücksch ist Illustratorin, aufgewachsen im Ruhrgebiet und seit 2021 studiert sie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle (Saale). Ihre Arbeiten sind häufig geprägt von einer Vorliebe für schräge Charaktere, der Komik im Alltag und dem Ausreizen ihrer (großen) Materialsammlung im Arbeitsprozess. Der Begriff der Illustration wird in ihren Arbeiten weit gefasst — so arbeitet sie neben dem Zeichnen von Comics oder Bilderbüchern beispielsweise häufig auch mit unterschiedlichsten Textilien, der Punchneedle, oder baut Figuren, die aus ihren Geschichten entstammen.
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