
Übersetzt aus der Zukunft: Ein dezentrales Symposium zum Übersetzen von Science-Fiction und Spekulativer Literatur
Hologramme bestimmen unser Leben, künstliche Doppelgänger vertreten uns beim Geburtstagsfest, damit wir uns die Sterne anschauen können und ein Reality-TV-Star verwandelt sich in einen Gott. Doch wie verleiht man fantastischen Körpern Gestalt, wenn sie die Sprache wechseln, und welche Möglichkeiten gibt es, Unbekanntes und visuell in unserer Welt noch nicht Wahrnehmbares in Bildwelten zu überführen?
Xia Jia ist eine der aufregendsten Stimmen der jungen Science-Fiction-Generation Chinas. In ihren Texten tauchen Körper in unterschiedlichsten Formen auf. Marc Hermann gab schon vielen chinesischen Science-Fiction-Autoren eine Stimme, darunter Liu Cixin, Chen Qiufan, Wang Jinkang und auch Xia Jia. Auf der Bühne geben der Übersetzer und die Autorin Einblicke in den Übersetzungsprozess.
Die Klasse von ATAK und Markus Färber an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle ließ sich von Szenarien und Zukunftsvisionen acht verschiedener chinesischer Kurzgeschichten inspirieren. Die Studierenden interpretierten die Stimmungen, Sehnsüchte, Ängste und Vorstellungen aus den Geschichten und übersetzten sie schließlich in zweifarbige Zeichnungen. Welche Herausforderungen die Übersetzung von einer Sprache in die andere und von Wort zu Bild bedeuten, wird im Gespräch beleuchtet.
Xia Jia 夏笳 schreibt Science-Fiction, setzt sich wissenschaftlich mit dem Genre auseinander und übersetzt. Sie lehrt als Professorin an der Jiaotong University in Xi’an chinesische Literatur. Ihr Stil wird als ›Porridge Science Fiction‹ bezeichnet, da ihre Geschichten mit zahlreichen für das Genre untypischen Elementen gespickt sind, zum Beispiel Referenzen auf Mythen. Ihre Kurzgeschichten In den Wolken, Nachtstreifzug des Drachenpferds und Tongtongs Sommer wurden in Kapsel-Publikationen veröffentlicht.
Marc Hermann studierte Sinologie und promovierte über Ideologie und Moralkritik im Werk von Zhang Ailing. Heute lebt er als Übersetzer aus dem Chinesischen und Dozent in Bonn. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen Yan Lianke und Liu Cixin. An der Universität Bonn leitet er Seminare zu moderner und zeitgenössischer chinesischer Literatur und Übersetzung.
Lukas Dubro ist Journalist und Literaturwissenschaftler. Er studierte Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2017 initiierte er die Zeitschrift Kapsel. Seit 2018 arbeitet er als freier Mitarbeiter bei der Deutschen Presse-Agentur, seit 2021 beim Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Die Veranstaltung ist Teil II des dezentralen Symposiums »Zukunft übersetzen« – initiiert von Lukas Dubro, Tim Holland und Sarah Käsmayr, in Kooperation mit dem Kapsel Magazin und dem Konfuzius Institut, gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds.
Übersetzer:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Wissenschaftler:innen und Science-Fiction-Leser:innen kommen an vier Abenden in Berlin, Heidelberg und Halle über das Übersetzen ins Gespräch, mit dabei: die chinesische Science-Fiction-Autorin Xia Jia, die ÜbersetzerInnen Karin Betz, Milena Adam, Karin Nölle, Lisa Mensing und Marc Hermann.
Kuratiert von Tim Holland, dem MaroVerlag und dem Kapsel-Projekt.
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