Chinesischer Alltag in Deutschland

Chinesischer Alltag in Deutschland: Geschichte und Geschichten

Dagmar Yu-Dembski, Konfuzius-Institut Berlin
Termin: Mittwoch, 19. Februar 2014
Uhrzeit: 19.30 Uhr
Ort: Kleiner Saal, Stadtbücherei Heidelberg, Poststraße 15, 69117 Heidelberg
Eintritt: frei

Dagmar Yu-Dembski begann ihren Vortrag mit der Frage, wann die ersten Chinesen nach Berlin kamen, wie sie aufgenommen wurden und wie sie lebten. Berlin ist Yu-Dembskis Heimatstadt, hier lernten sich auch ihre deutsche Mutter und ihr chinesischer Vater kennen. Um 1820 erreichten die ersten beiden chinesischen Einwanderer Berlin, sie stellten damals noch eine kuriose Seltenheit dar und wurden dementsprechend zur Schau gestellt. Bis Ende des 19. Jahrhundert kamen nur vereinzelte Studentengruppen und Botschaftsgesandte nach Deutschland. Das änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den 1920er und 30er Jahren schickten wohlhabende chinesische Familien ihre Kinder gerne zum Studium der  Naturwissenschaften, Medizin oder Philosophie nach Deutschland. So kam auch Yu-Dembskis aus Kanton stammender Vater 1936 nach Deutschland, um Ingenieur zu werden. Die Nazi-Zeit durchlebte er recht unbehelligt, auch wenn “Mischehen” zwischen Deutschen und Chinesen aufgrund der Rassengesetze verboten waren. Daher heirateten Yu-Dembskis Eltern erst 1945. Sein Vorhaben, als Ingenieur nach China zurück zu kehren, gab ihr Vater auf und eröffnete mehrere Chinarestaurants sowie die mondäne Hongkongbar in Westberlin. Doch das Familienleben gestaltete zunehmend als schwierig, das ausschweifende Leben des Vaters belastete das Verhältnis. Eine bittere Trennung und die Abscheu der Mutter gegenüber allem Chinesischen waren die Folge. Die Zuhörer ließ sie daran teilhaben, indem sie Passagen aus ihrem Buch “Chinaprinzessin” vorlas und sie damit mitten ins Geschehen versetzte. In diesem sehr persönlichen Buch erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und von ihrer späten Suche nach ihren chinesischen Wurzeln, die sie erst nach dem Tod des Vaters 1976 begann. Ihre Geschichte hat viele tragische Aspekte, aber auch heitere, wie zum Beispiel ihre große Freude über eine einfache Bauernkanne, die sie auf ihrer ersten Chinareise 1980 erstand oder die herzliche Aufnahme bei ihren Verwandten in China. Die Bindung zu China ist ihr bis heute geblieben. Dagmar Yu-Dembski ist Geschäftsführerin des Konfuzius-Instituts an der Freien Universität Berlin und Herausgeberin der Zeitschaft “Das neue China”.

 

Portrait Yu-DembskiDagmar Yu-Dembski, Tochter eines Chinesen aus Kanton und einer Berlinerin, studierte Publizistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität. Seit 2006 ist sie als Geschäftsführerin am Konfuzius-Institut Berlin zuständig für Lesungen, Ausstellungen und interkulturelle Projekte. Sie ist Herausgeberin der Vierteljahreszeitschrift „Das neue China“ und hat zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Beiträge zur Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen und zur Kulturgeschichte Chinas veröffentlicht.

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