Am Donnerstag, den 10. Januar 2019 fand ein Roundtable in der Bibliothek des Deutsch-Amerikanischen-Instituts statt.

Der Roundtable war Teil der Film- und Vortragsreihe “1968 Global – China und die Welt”, die das Konfuzius-Institut gemeinsam mit dem Heidelberger Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien, dem Völkerkundemuseum, dem Karlstorkino und dem Heidelberger Klangforum e.V. durchgeführt hat.

Mit dem HCTS-Stadtgespräch, das eine Gruppe illustrer Heidelberger zusammenbrachte, die, jeder auf seine Weise, 1968 in Heidelberg miterlebt haben, haben wir unsere Veranstaltung zu „1968 Global—China und die Welt“ fortgeführt. Es diskutierten der Grafik-Designer, Karikaturist und Jurist Klaus Staeck, der Schriftsteller und Lyriker Michael Buselmeier, der Sinologe Rudolf Wagner und der Psychologe und Publizist Claus Koch.

Fast alle dieser Kulturrevolutionen, die um das „Schaltjahr 1968“ passierten, haben sich als „Revolten mit Langzeitwirkung“ (Claus Koch) erwiesen — im Guten wie im Schlechten — und sind so als individuell und kollektiv Erlebtes vielfach nicht abgehakt, auch wenn sie, wie etwa in China, eindeutig klassifiziert (in diesem Fall negativ) und damit sicher eingeordnet worden sind. Als Gefühlsordnung, die eben nicht solchen einfachen reduktiven Klassifizierungen gehorcht, ist die Erinnerung an diese Kulturrevolutionen auch heute noch Teil unserer Identitätsbildungen—auch der der Nachgeborenen, offensichtlich—und (in)form(ier)t also den Blick auf uns selbst und unsere Gesellschaft ebenso wie auf die Zukunftsphantasien, die wir zu generieren bereit waren und sind: sind wirklich alle Utopien von uns gegangen? (Michael Buselmeier) Gibt es nicht mehr jenes “gemeinsame Ziel”, die bestehenden Verhältnisse radikal zu ändern (und die “herrschende Klasse” mitsamt dem Kapitalismus zu stürzen)?

Noch einmal ging es in unserer Diskussion um die Frage, wie und ob etwas, das oft mit Schweigen oder Scham überdeckt wird, die Kulturrevolutionen nicht nur in China sondern eben auch in der Welt, mit ihren militanten und terroristischen Elementen, ihrem nicht unbedingt unschuldigen Glauben an Mao, ihrer Unterwerfung unter den Marxismus-Leninismus und kommunistische Kaderorganisationen, ihrem “Sympathisantentum”, wie (und ob) diese Kulturrevolutionen wieder sinnvoll und kreativ zum Sprechen gebracht werden können und sollen — und welches dafür die angemessene Sprache sein könnte.

Moderiert und eingeführt wurde die Podiumsdiskussion von der Sinologin Prof. Dr. Barbara Mittler.

Im Anschluss fand unter Anwesenheit des bekannten chinesischen Regisseurs Xu Xing eine Filmvorführung von dessen Werk “Tag der Abrechnung”/”The Day of Reckoning” statt.