Weltmacht China?

Vortrag von Prof. Dr. Anja Senz

Termin: Mittwoch, 06. Mai 2015
Uhrzeit: 18.30Uhr
Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, 69115 Heidelberg
Eintritt: frei

Ist China eine Weltmacht? Oder befindet sich China auf dem direkten Weg zur Weltmacht? Diesen Fragen ging Anja Senz in ihrem Vortrag systematisch nach. Argumente für die globale Bedeutung Chinas sind schnell zu finden, wenn man zum Beispiel die Bevölkerungszahl, die geographische Größe oder den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat betrachtet. Eindrucksvoll ist auch, dass jede dritte Socke weltweit in einer Kleinstadt der Provinz Zhejiang produziert wird. Oder dass in China verursachte Umweltverschmutzung sogar dazu führen kann, dass es in Kalifornien schneit. Ein Drittel der weltweiten Umweltverschmutzung findet in China statt. Dennoch ist Chinas globaler Fußabdruck im Vergleich zu den USA oder Europa merklich kleiner. Zu diesen relativ einfach zu bewertenden Faktoren fügte Senz die Komponente der „Qualität der Regierung“ hinzu: Innerstaatliche Stabilität, technologische Entwicklung, internationale Popularität und kulturelle Attraktivität. Chinas zahlreiche soziale Probleme, wie das Stadt-Land-Gefälle, die massiven Einkommensdisparitäten, Korruption und mangelnde Rechtsstaatlichkeit entsprechen wenig dem Idealtypus einer Weltmacht. Darüber hinaus wird China international eher als Bedrohung denn als Bündnispartner wahrgenommen. China selbst betrachtet sich immer noch als Sprecher der Entwicklungsländer, verfolgt außenpolitisch in erster Linie ökonomische Interessen, friedliche Koexistenz und die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder. Senz stellte heraus, dass das Konzept Weltmacht jedoch eine sehr eurozentristische Sichtweise verkörpert und der Annahme folgt, dass ökonomische Macht langfristig in politische Macht übersetzt wird. Fraglich ist hierbei jedoch, ob China dieser Logik folgen wird.

Lesen Sie mehr im → SHAN-Newsletter Nr. 82, Mai 2015

Anja Senz studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Ethnologie sowie chinesische Sprache an den Universitäten Trier und Sun Yat-sen (Guangzhou/China). Nach dem Studium war sie zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ostasienwissenschaften und am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, später Forschungsreferentin der Fakultät Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Von 2009 bis 2014 war sie geschäftsführende Direktorin des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr und ist seit August 2014 Professorin am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg.

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