Kreativwirtschaft in Deutschland und China

Kreativwirtschaft in Deutschland und China:

VORTRÄGE UND PUBLIKUMSGESPRÄCH MIT ANSCHLIESSENDEM EMPFANG
Termin: Donnerstag, 27. März 2014
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Ort: Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum Heidelberg / Alte Feuerwache, Emil-Maier-Straße 16  in 69115 Heidelberg
Eintritt: frei, Anmeldung erforderlich

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Einen passenderen Ort als das erst im Oktober 2013 eröffnete Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum Heidelberg in der Alten Feuerwache hätte es für das Podiumsgespräch “Kreativwirtschaft in Deutschland und China” nicht geben können. Am vergangenen Donnerstag waren nahezu sechzig Gäste der Einladung des Konfuzius-Instituts Heidelberg gefolgt. Für viele Zuhörer war dies der erste Besuch im neu gegründeten Kreativwirtschaftszentrum, dessen Verwaltung von den Heidelberger Diensten getragen wird.

So konnten die Gäste eine Antwort auf die große Frage des Abends: Was ist eigentlich Kreativwirtschaft und wie gestaltet man Kreativwirtschaft in der Praxis?, im wahrsten Sinne des Wortes “live” erleben. Auf Einladung der Geschäftsführenden Direktorin des Konfuzius-Instituts Heidelberg, Petra Thiel, sprachen zwei Experten zu diesem spannenden und gleichermaßen komplexen Thema, die mit Kreativwirtschaft nicht nur theoretisch, sondern auch durch ihre praktische Erfahrung bestens vertraut sind.

Katharina Pelka, seit Oktober 2013 Leiterin der Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg, umriss zunächst für alle Gäste den Begriff der Kreativwirtschaft. Folge man der Definition für Kultur- und Kreativwirtschaft der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder aus dem Jahr 2008, zählten elf Teilmärkte zu diesem stetig an Bedeutung gewinnenden Wirtschaftsbereich. Dies sind zum einen die Wirtschaftsbranchen der Kulturwirtschaft: Musikwirtschaft, Buch- und Kunstmarkt, Film- und Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architektur- und Pressemarkt, sowie die Zweige der Kreativwirtschaft: Software- und Gamesindustrie und nicht zuletzt die Werbewirtschaft. Als verbindendes Element der Teilmärkte gelte der schöpferische Akt als Quelle der Wertschöpfung. Ein entscheidender Aspekt stellt damit der erwerbswirtschaftliche Charakter der Unternehmen aus den angesprochenen Teilmärkten dar. Für Städte und Kommunen im In- und Ausland entwickelt sich die Kreativwirtschaft immer mehr zum Standortvorteil, so Katharina Pelka in ihrem Vortrag „Neues wagen – Kreativwirtschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Junge “coole” Viertel, mit Cafés, Bars und Design-Werkstätten machen Stadtviertel attraktiv und haben schon an vielen Orten ein “Sterben der Städte” aufgehalten. Doch dieser für die Städte so imageträchtige Erfolg hat seinen Preis. Die “jungen Kreativen” dürfen vernachlässigte Gebäude und Viertel für sich erobern, ihnen einen neuen Charme verleihen, den Wert steigern, um sich dann von Immobilienmaklern vertreiben zu lassen, an neue Orte an denen sie mit ihrer Kreativität (und erneutem persönlichen und finanziellem Einsatz) Effekte erzielen können. Diesem nicht ganz so “coolen” Trend will die Stadt Heidelberg mit der Einrichtung der Stabsstelle für Kultur- und Kreativwirtschaft entgegenwirken und in ihrer Förderung von Kultur- und Kreativschaffenden Nachhaltigkeit, Finanzierung und Finanzierbarkeit sowie Langfristigkeit stärken. Eine der Hauptaufgaben der neuen Leiterin dieser Stabsstelle ist daher auch die Beratung von kreativen Menschen bei der Umsetzung ihrer Ideen, sowie die schwierige Aufgabe der Raumfindung und Raumverteilung, die mit dem Kreativwirtschaftszentrum in der Alten Feuerwache auch neue Lösungsmodelle anbietet. Zur Schaffung neuer guter Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Wachstum der Kreativwirtschaft in Heidelberg gehöre vor allem auch die Schaffung leistungsfähiger Netzwerke und eine noch bessere Integration der Kreativwirtschaft in die Heidelberger Stadtgesellschaft von der alle Seiten langfristig profitieren, so die Expertin.

China stehe in Bezug auf die Kreativwirtschaft vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland, ein wesentlicher Unterschied sei aber die Größenordnung, so Architekt und Stadtplaner Dr.-Ing. Eduard Kögel in seinem Vortrag über „Kreative in China – die Nische als Chance“. Die Kreativwirtschaft spiele bei der Entwicklung von “Made in China” hin zu “Create in China” eine entscheidende Rolle, sehe sich aber insbesondere natürlichen Beschränkungen gegenüber wie Ressourcenknappheit, Entsorgungsproblemen oder der Herausforderung der Entwicklung neuer Produktionsabläufe. Hinzu kämen in China soziale Probleme wie Slumbildung in den Städten durch Wanderarbeiter und im Gegenzug ein “Aderlass” von Talenten auf dem Land in Richtung der florierenden Zentren an der Küste. Gleichzeitig entwickeln sich in China stetig wachsende Industriezweige wie die Freizeitindustrie. Auch der Immobilienmarkt und die Städteplanung stehen vor Herausforderungen, die kreative Lösungen benötigen und bereits anbietet. Denn auch dies bedeutet Kreativwirtschaft: Einen “kreativen”, d.h. innovativen, lösungsorientierten Umgang mit den sich ständig entwickelnden Herausforderungen einer globalisierten Welt. Diese Art der Kreativwirtschaft ist in China nicht nur im bekannten, mittlerweile touristischen und kommerziellen Künstler- und Kreativzentrum 798 in Peking zu finden, sondern auch in alten Fabrikanlagen in Shanghai, Museen in Shenzhen oder bei Schulbauprojekten der Universität Hongkong in westlichen Provinzen Chinas. Gerade die im “Westen” nicht vorhandene Größenordnung der Herausforderungen in China mache die chinesischen Erfahrungen für den “Westen” so wichtig, betonte Eduard Kögel.

Das gegenseitige Lernen – ein schon an sich kreativer Prozess – sei Grundlage für Weiterentwicklung und Innovation, so Kögel. Eine absolute Notwendigkeit sieht der Stadtplaner und Architekturhistoriker vor allem in einer kulturellen Offenheit und wünschte sich zum Abschluss seines Vortrages einen noch intensiveren Austausch zwischen Deutschland und China, insbesondere auch die Bereitschaft und Neugier von deutschen Schülern, Arbeitnehmern und Studenten an Austauschprogrammen mit China teilzunehmen und im gegenseitigen Austausch zu lernen.

Einen Anfang für einen solchen Austausch unternahmen die Gäste des Konfuzius-Instituts Heidelberg im Anschluss an die Vorträge. Es gab Gelegenheit Fragen an die Referenten zu stellen und beim anschließenden Empfang das neue Wissen mit Referenten und Gästen zu diskutieren. Musikalisch umrahmt wurde der Abend ebenfalls von einem interkulturellen und stilistischen Mix. In ihrem musikalischen Auftakt thematisierte Pipa-Virtuosin Wu Di den Übergang von Winter zu Frühling mit den Stücken, “Schnee fällt auf grüne Zedern”, “Der Mond hoch am Himmel”, “Fische spielen im Wasser” und zuletzt “Landschaft bzw. weißer Schnee im Frühling”. Beim abschließenden Empfang untermalte DJane Laila Abu-er-Rub die intensiven Gespräche mit angenehmer und zugleich anregender House-Musik.

Wir bedanken uns herzlich bei den beiden Referenten und den Musikerinnen für die Gestaltung dieses besonderen Abends und nicht zuletzt bei unseren Gästen für ihre rege Teilnahme!

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