Der Linguist und Reformer Wei Jiangong

Wei Jiangong 魏建功 (1901-80): Der Linguist und Reformer bei der Verbreitung der Nationalsprache auf Taiwan

Vortrag von Mariana Münning in der Reihe Sinology goes public

 

Termin: Mittwoch, 03. Juni 2015
Uhrzeit: 18.00Uhr
Ort: Konfuzius-Institut Heidelberg
Speyerer Straße 6, 69115 Heidelberg
Eintritt: frei

In der Reihe Sinology goes public gab im Juni Mariana Münning Einblick in ihre Forschung. Sie beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit mit der Arbeit des Linguisten und Reformers Wei Jiangong 魏建功 (1901-1980), insbesondere mit der Entwicklung der Nationalsprache (guoyu 國語) und der Schriftzeichenreform. In ihrem Vortrag stand Wei Jiangongs Engagement bei der Verbreitung der “Nationalsprache” (guoyu 國語) auf Taiwan 1946-48 im Vordergrund. Die Idee eine „Nationalsprache“ zu schaffen kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts in China auf. Denn es herrschte ein großes Verständigungsproblem, überall wurden verschiedene, oft für einander unverständliche Dialekte gesprochen. Einzig die chinesische Schrift ermöglichte Gelehrten im ganzen Land die Verständigung. Um diese Diglossie zu beenden und China aus der vermeintlichen Rückständigkeit zu führen, wurde beschlossen die Aussprache zu vereinheitlichen. Wei Jiangong und Kollegen entwickelten nach dem Vorbild des Peking-Dialekts, jedoch ohne dessen Dialektprägung, die neue Nationalsprache. 1941 erschien mit dem Zhonghua xinyan das erste offizielle Nachschlagewerk, das die standardisierte guoyu-Aussprache anhand der Lautschrift Zhuyin angab.

Als Testgebiet für die Sprachreform wurde Taiwan ausgewählt. Da Taiwan 1895-1945 eine japanische Kolonie gewesen war, und die meisten Einwohner als Muttersprache den Minnan-Dialekt oder Hakka sprachen, war die Einführung des neuen standardisierten guoyu ein wichtiger Schritt, um die Insel in die damalige Republik China zu integrieren. 1946 begann die gezielte Verbreitung der Nationalsprache über Radiosendungen und Zeitungen. Diese Unterfangen war mit einigen Schwierigkeiten verbunden. In Taiwan war zuvor wenig in Berührung mit nordchinesischen Dialekten gekommen und begriff den Minnan-Dialekt („Taiwanesisch“) als Muttersprache. Während der japanischen Herrschaft war außerdem die japanische Sprache zur Unterrichts- und Zweitsprache der Taiwaner geworden. Wei Jianggong verlies Taiwan bereits 1948, die Sprachpolitik wurde auch ohne ihn weitergeführt. Nach dem chinesischen Bürgerkrieg führte Chiang Kai-shek eine rigorose Sprachpolitik, um die lokalen Sprachen zu Gunsten der Nationalsprache zu verdrängen.

Wei Jianggong führte seine Arbeit in Peking fort und legte mit dem Xinhua Zidian ein mit Standardaussprache annotiertes Zeichenlexikon vor, welches eine mit dem Duden vergleichbare Funktion besitzt. Das Xinhua Zidian erschien zum erstmalig 1953 und ist inzwischen das meistverkaufte Wörterbuch der Welt.

Mariana Münning, M.A., hat an der Universität Bonn den Bachelor Asienwissenschaften und an der School of Oriental and African Studies in London den Master Sinology erworben. Seit 2012 ist sie Doktorandin am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg und forscht zur Geschichte der Sprachwissenschaft und Sprach- und Schriftreformen in China.

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